[WestG] [AKT] Roemisches Kriegsschiff auf westfaelischen Gewaessern
Marcus Weidner
Marcus.Weidner at lwl.org
Die Jun 22 09:25:08 CEST 2004
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 17.06.2004, 14:39
AKTUELL
Großprojekt erinnert an die Varusschlacht vor 2000 Jahren
Römisches Kriegsschiff soll auf westfälischen Gewässern kreuzen
Im Jahr 2009 kommen die Römer zurück: Ein römisches Kriegsschiff
wird dann auf Rhein, Donau, Weser und Lippe kreuzen. Und das ist nur der Anfang eines
Großprojektes, mit dem der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) gemeinsam mit dem
Landesverband Lippe, dem Landkreis Osnabrück und der Stadt Osnabrück auf das Jubiläum "2000
Jahre Varusschlacht" aufmerk-sam macht. LWL-Kulturdezernent Prof. Dr. Karl Teppe stellte
das Projekt, zu dem vier Ausstellungen gehören, am Mittwoch (16.06.) im
LWL-Kulturausschuss vor. "Mit dem Kriegsschiff wollen wir natürlich kein Land einnehmen,
sondern die Menschen für unser Projekt. Statt Waffen wird es eine Dokumentation an Bord
haben, die die Ausstellungsprojekte überregional ankündigt. Dazu wird das Schiff, das nach
Methoden der experimentellen Archäologie nach wissenschaftlichen Kriterien gebaut wird,
auf denselben Wasserwegen fahren, die zur Zeit des Augustus genutzt wurden", kündigte Teppe
an.
In Westfalen werde es unter anderem die ehemaligen Römerlager in Holsterhausen und
Haltern im Kreis Recklinghausen, Oberaden im Kreis Unna sowie Anreppen im Kreis Paderborn
ansteuern, so Teppe weiter. Neben wissenschaftlichen Untersuchungen, zu denen auch
weitere Ausgrabungen gehören, beteiligt sich der LWL vor allem mit der Ausstellung "Die
Römer", die er 2009 in Haltern am See zeigen wird, an dem Gemeinschaftsprojekt. Haltern
bietet sich nicht nur als Veranstaltungsort an, weil der LWL hier sein Westfälisches
Römermuseum betreibt. Die Archäologen und Historiker des LWL gehen davon aus, dass Varus
sich häufig in Haltern aufhielt, das als Verwaltungs- und Militärzentrum für die geplante
römische Provinz im rechtsrheinischen Germanien eine große Bedeutung hatte.
Die Ausstellung will das Römische Reich auf dem Höhepunkt seiner Macht zeigen, die Ausbreitung
des Reiches vor Augen führen und die Karriere des Varus nachzeichnen. Unter dem Stichwort
"Rom und die Barbaren" beschäftigt sie sich aber auch mit dem Verhältnis der damaligen
Weltmacht zu vermeintlichen "Entwicklungsländern" der Zeit. Während die Ausstellung in
Kalkriese die Varusschlacht selbst in den Mittelpunkt rückt, stellt die Ausstellung in
Osnabrück dem Klischee des "keulenschwingenden Germanen im Bärenfell" ein
facettenreiches Bild der Germanen gegenüber. Unter dem Titel "Mythos Varusschlacht"
zeichnet das Lippische Landesmuseum Detmold die Folgen der Varusschlacht nach und setzt
sich mit ihrer Wirkungsgeschichte auseinander.
"Die militärische Niederlage der drei römischen Legionen unter Varus war die Voraussetzung dafür, dass die
Römer 16 n. Chr. auf der Höhe ihrer Macht ihr Ziel aufgaben, das rechtsrheinische Germanien in das römische
Weltreich einzugliedern. Dieses Ereignis der damaligen Weltpolitik hat für Europa bis auf
den heutigen Tag Konsequenzen. Deshalb darf die Varusschlacht gleichberechtigt neben dem
"Westfälischen Frieden" von 1648 und dem Treffen von 799 zwischen Karl dem Großen und Papst
Leo III. in Paderborn als drittes westfälisches Ereignis von welthistorischer Bedeutung
angesehen werden und sollte ebenso durch ein international angesehenes Projekt gewürdigt
werden", begründet Teppe das Engagement des LWL.