[WestG] [AKT] Neue Dinosaurierfunde im Sauerland

Marcus Weidner Marcus.Weidner at lwl.org
Die Jul 6 11:44:50 CEST 2004


Von: "LWL-Pressestelle", <presse at lwl.org> 
Datum: 06.07.2004, 11:39


AKTUELL

Neue Dinosaurierfunde im Sauerland

Hagen (lwl). Wissenschaftler des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben im
nördlichen Sauerland 130 Millionen Jahre alte Knochenfragmente und Zähne von Dinosauriern
gefunden. Nach den Erkenntnissen der Forscher müssen dort mindestens sechs verschiedene
Gattungen, darunter pflanzenfressende Saurier (Iguanodonten) und Raubsaurier,
Krokodile, Flugsaurier und Schildkröten gleichzeitig gelebt haben. "Bisher haben wir in
Deutschland einen solchen Friedhof von verschiedenen Sauriern nebeneinander noch nicht
entdeckt", so der LWL-Paläontologe Dr. Klaus-Peter Lanser am Dienstag (6.7.) bei der
Vorstellung der Funde in Hagen.

Durch einen Kieferknochen konnten die Ausgräber zum ersten
Mal in Deutschland auch ein hasenähnliches Säugetier der Unterkreidezeit nachweisen. Die
nur wenige Zentimeter großen versteinerten Zähne, Wirbel und Knochenteile haben die
Mitarbeiter des LWL-Museums für Naturkunde seit zwei Jahren in einem Schacht mit 35 Metern
Durchmesser frei gelegt. "Dieser mindestens fünf Meter tiefe, damals mit Wasser gefüllte
Schacht muss in der küstennahen Seenlandschaft eine natürliche Falle für die Tiere gewesen
sein. Wahrscheinlich kamen nicht nur die Dinosaurier, sondern auch die übrigen Tiere an die
Tränke", erläutert Lanser. "Hier deutet sich die Nahrungskette an: die Raptoren und
Krokodile fraßen die Iguanodonten, Landschildkröten und hasenähnlichen Tiere." 

Die gefundenen messerartigen Zähne und ein Krallenbein der Raubsaurier lassen nach Angaben der
Forscher auf Verwandte der Deinonychus oder Velociraptoren schließen, die als etwa zwei
Meter große, zweibeinige Raptoren in Rudeln Jagd auf ihre Beutetiere machten. Größeren
Raubsauriern konnte bisher ein einzelner Zehenknochen zugeordnet werden, dem Flugsaurier
ein Schwanzwirbel. Die pflanzenfressenden Saurier, auf die Zähne, Zehenknochen und
Hufbeine aus der Grabung hinweisen, wurden bis zu drei Meter hoch und zwölf Meter lang. Von den
Krokodilen blieben Panzerplatten und Teile eines Schädels erhalten, von den
Landschildkröten zahlreiche Reste. Die inzwischen ausgestorbenen "Hasen des
Erdmittelalters" müssen von ähnlicher Gestalt und Größe wie heutige Hasen gewesen sein.
Diese Pflanzenfresser waren damals wie die Dinosaurier weltweit verbreitet. Bereits im
Jahr 2000 hatte ein Privatmann einen Knochenfund an der heutigen Grabungsstelle dem
LWL-Museum gemeldet.

Die Ausgrabungen werden fortgesetzt. Nach der Präparation soll eine
Auswahl der mehreren hundert Funde im Westfälischen Museum für Naturkunde in Münster zu
sehen sein.