[WestG] [AKT] NRW modernisiert seine Archiv-Landschaft
Marcus Weidner
Marcus.Weidner at lwl.org
Don Jan 15 18:35:07 CET 2004
Von: "MSWKS-Newsservice" <info at de-media-service.de>, Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport
Datum: 15.01.2004
AKTUELL
NRW modernisiert seine Archiv-Landschaft
Minister Vesper: "Technisches Zentrum und verbesserte Struktur
rüsten Archive für die Zukunft."
Presseinformation des Ministeriums
Die vier nordrhein-westfälischen Staatsarchive werden mit einer
verbesserten Struktur und einem neuen Technischen Zentrum
in Münster für die Zukunft gerüstet. Zum 1. Januar 2004 wurde
das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen mit Sitz in Düsseldorf als
zentrale Einrichtung gegründet. Die bisherigen Staats- und
Personenstandsarchive an den Standorten Düsseldorf, Brühl,
Detmold und Münster bilden künftig Abteilungen des von Prof.
Wilfried Reininghaus geleiteten Landesarchivs.
In der historischen Speicherstadt Münster-Coerde entsteht das zentrale
Technische Zentrum mit modernen Methoden und Geräten der
Restaurierungstechnik. Rund 2,2 Mio. EUR investiert das Land in 2004/05
in das für einen Zeitraum von zunächst 15 Jahren angemietete Zentrum.
"Archive sind keine staubigen Aktenkammern, sondern das Langzeitgedächtnis
einer Gesellschaft. Die Modernisierung ist dringend nötig, um den Zerfall
unersetzlicher Dokumente der Landesgeschichte zu verhindern", erklärte
NRW-Kulturminister Michael Vesper heute in Düsseldorf. Auch personell
will er das Landesarchiv stärken.
Mit der Modernisierung der Archive folgt das Land den Empfehlungen von
Unternehmensberatern: Sie hatten - gegen jeden Zeittrend - festgestellt, dass die
NRW-Archive über deutlich zu wenig Personal- und Sachmittel verfügen. Beim
Erschließen und Erhalt der Bestände (rund 162 Regal-Kilometer mit
Dokumenten vom 7. bis zum 21. Jahrhundert) gibt es dramatische
Rückstände. Auch die Arbeit zwischen den einzelnen Standorten
soll besser koordiniert werden. "In Münster-Coerde wird auch die
Informationstechnik angesiedelt sein, eine große Herausforderung
für die Archive. Elektronische Unterlagen sind noch gefährdeter
als konventionelles Schriftgut, weil die Software schnell veraltet",
o Vesper. Im IT-Bereich sei NRW gut aufgestellt und wolle diese
Stärke weiter ausbauen.
Wie wichtig die Arbeit der Landesarchive ist, belegte Vesper am
Beispiel der in den vergangenen zwei Jahren durchgeführten
Recherchen zur Entschädigung von Zwangsarbeitern aus der
NS-Zeit. Knapp 30 Prozent aller Anfragen aus Osteuropa konnten
die beiden Koordinierungsstellen in Düsseldorf und Münster positiv
beantworten (Bundesgebiet: 7,8%). In absoluten Zahlen hat NRW
bis Ende 2003 rund 18.000 Anfragen von bundesweit ca. 350.000
bearbeitet. "In die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus
werden unsere Archive auch weiterhin einen großen Teil ihrer Kraft
stecken, denn viele Akten zur Entschädigung oder zu den NS-Prozessen
müssen erst noch erschlossen werden", betonte der Minister.
Alle NRW-Archive im Landesarchiv zählen rund 6.400 Nutzer pro Jahr
19.000 Benutzertage). Der Online-Verbund "archive.nrw.de" wurde in
2003 bereits von zwei Millionen Interessenten genutzt. Er soll in diesem
Jahr weiter ausgebaut werden.