[WestG] [LIT] Veroeffentlichungen des Kreisgeschichtsvereins
Beckum-Warendorf e.V.
Marcus Weidner
Marcus.Weidner at lwl.org
Die Dez 7 17:17:38 CET 2004
Von: "Rath, Jochen" <Jochen.Rath at kreis-warendorf.de>
Datum: 06.12.2004, 08:32
LITERATUR
Veröffentlichungen des Kreisgeschichtsvereins Beckum-Warendorf e.V.
Walter TILLMANN, Ausgegrenzt - Anerkannt - Ausgelöscht. Geschichten, Berichte, Episoden und Anekdoten aus Leben und Untergang der jüdischen Minderheit in Oelde (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Kreises Warendorf, Bd. 41), Warendorf 2003, ISBN 3-920836-26-x, 302 S., 20,- €
Die jüdische Gemeinde in Oelde existierte seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, unterhielt eine Synagoge und bis 1922 eine eigene Schule. Die Gemeindemitglieder hatten sich im 19. Jahrhundert gesellschaftlich etabliert, waren Mitbegründer der Freiwilligen Feuerwehr, Schützenkönige, Sangesbrüder, Teilnehmer und Opfer des 1. Weltkriegs für ihr Deutschland, das nach 1933 in perfider und gewaltsamer Weise den jüdischen Teil der Gesellschaft ausgrenzte und auslöschte. Auf der Grundlage von Archivalien entsteht ein anschauliches Bild vom Leben der kleinen jüdischen Gemeinde in Oelde, die mindestens 275 Jahre existierte und über eine Synagoge, einen Friedhof und eine Schule verfügte, deren Unterhaltung den Mitgliedern große persönliche Opfer abverlangte. Die Entwicklung von einer zunächst außerhalb der Gesellschaft stehenden Randexistenz über eine allmähliche Integration bis zur vollen Anerkennung und der Vernichtung in den wenigen Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft wird nachvollziehbar. Besondere Authentizität gewinnt das Werk durch den Erstabdruck der Autobiographie von Trude König geb. Hope, die Oelde unter dem Druck der Nationalsozialisten verlassen musste und in die USA auswanderte.
Sylvia FRANCUS (unter Mitarbeit von Gunter MÜLLER und Jochen RATH), Flurnamen der Gemeinde Wadersloh (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Kreises Warendorf, Bd. 42), Warendorf 2004, ISBN 3-920836-21-9, 114 S., 16,- €
Rousenchaorn, Galgenknap, Weischke bii Huus - die Flurnamen in Diestedde, Liesborn und Wadersloh bezeichnen landwirtschaftlich genutzte Flächen, aber auch unkultivierte und brachliegende Flächen, so die früher sehr ausgedehnten Ödlandflächen wie Heiden oder Moore. Flurnamen beziehen sich ebenso auf markante Punkte im Gelände - Bildstöcke, Wegekreuze, auffällige Bäume, Baumgruppen oder alte Grenzsteine, kleinere fließende oder stehende Gewässer, Brücken, Straßen und Wege oder freistehende Bauwerke.
Mit dem Flurnamenverzeichnis der Gemeinde Wadersloh liegt erstmals für eine der 13 Städte und Gemeinden des Kreises Warendorf eine systematische Erfassung von Namen einzelner Flurstücke der kommunalen Gebietsfläche vor, das auch andere Gemeinden zu einer gleichartigen Arbeit anregen dürfte. Das Werk fragt in einer Zeit grundlegender Wandlungen gerade des ländlichen Raums seit dem 19. Jahrhundert durch die Auswirkung von Agrarreformen, Verkoppelungen, Flurbereinigungen, Siedlungsausbau und Strukturumwälzungen nach den historischen Grundlagen unserer heutigen Lebenswelt, die in vielfältiger Weise im mundartlichen Gewand der alten Siedlungs- und Flurnamen entgegentritt. Auf 46 Karten hat die Autorin mündlich erfragte Flurnamen und ihre Varianten verortet, eine Tabelle stellt die häufigsten Grundwörter einschließlich ihrer Erklärungen und Beispiele aus der Gemeinde Wadersloh vor. Ein umfangreiches Register der Flurnamen und Höfe erleichtert den Zugriff
Peter BURG, Geschichte des Kreises Warendorf, Bd. 1: Unter der Hohenzollerherrschaft 1803-1918, 1. Halbband: Politik, Verwaltung und Gesellschaft, 2. Halbband: Wirtschaft und Kultur (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Kreises Warendorf, Bd. 43,1), Warendorf und Münster 2004; ISBN 3-920836-27-8 und 3-87023-211-0 (Ardey); 940 S., 48,- €
Das Publicandum der preußischen Kriegs- und Domänenkammer zu Münster vom 23. Dezember 1803 bereitete der Bevölkerung des Ostmünsterlandes ein besonderes Weihnachtsgeschenk: Am Neujahrstag 1804 sollten in der Nachfolge der fürstbischöflich-münsterschen Ämter die neuen preußischen Kreise mit Landräten an der Spitze ihre Arbeit aufnehmen, darunter die Kreise Beckum und Warendorf. Aus diesen Kreisen wiederum ging, um einige Gebiete ergänzt, 1975 der heutige Kreis Warendorf hervor.
Das wechselvolle Schicksal des Kreises beleuchtet zum Abschluss des Jubiläumsdoppeljahres 2003/04 die vom Kreisgeschichtsverein Beckum-Warendorf e.V. herausgegebene Kreisgeschichte aus der Feder des Münsteraner Historikers Prof. Dr. Peter Burg. Peter Burg lehrt an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster Neuere Geschichte, hat zahlreiche renommierte Werke zur Kommunal- und Verwaltungsgeschichte vorgelegt und gilt als ausgewiesener Fachmann des Themas.
Auf 940 Seiten entfaltet er mit 82 Abbildungen, 137 Tabellen, 36 Graphiken und 13 Karten das Panorama der Kreisgeschichte 1803 bis 1918: Politik und Verwaltung, Bevölkerungsentwicklung und Sozialstruktur, Wirtschaft und Verkehr, Kirche, Schule und Kultur des Kreises, der 1975 im Wesentlichen aus den Altkreisen Beckum und Warendorf hervorgegangen ist, und der historisch zugehörigen Gemeinden und Städte wie Harsewinkel, Heessen oder Herzfeld, die heute in den Nachbarkreisen oder -städten Gütersloh, Hamm oder Soest liegen.
Klar strukturiert, ziehen die Ereignisse und Entwicklungen zwischen Ostbevern und Liesborn, zwischen Sassenberg und Drensteinfurt auf und werden in den allgemeinen Zusammenhang in Westfalen und in Deutschland gerückt: Säkularisation, Preußen-Herrschaft, Industrialisierung, Revolution 1848/49, Kulturkampf, Eisenbahnbau, "Strontianit-Goldrausch" und 1. Weltkrieg.
Der vorgelegte Band 1 stellt den Auftakt einer auf vier Bände projektierten umfassenden Kreisgeschichte dar und behandelt in zwei Teilen die Zeit der Hohenzollernmonarchie 1803-1918 im Ostmünsterland. Teil 1 ist den Bereichen Politik, Verwaltung und Gesellschaft gewidmet, Teil 2 den Bereichen Wirtschaft und Kultur. Im Abstand von jeweils etwa zwei Jahren erscheinen Band 2: Weimarer Republik und NS-Zeit (1919-1945), Band 3: Die Jahre 1945-1975, Band 4: Die Zeit von 1975 bis zur Gegenwart.