[WestG] [AKT] LWL-Beteiligung an der Regionale 2004: Radwanderweg,
Ausstellung, Handbuch
Marcus Weidner
m.weidner at lwl.org
Mon Sep 22 15:24:36 CEST 2003
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 11.09.2003, 12:23
AKTUELLES
Vom Napoleonshügel über verborgene Gärten bis zur künstlichen Ems
LWL beteiligt sich mit drei großen Projekten an der Regionale 2004
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) beteiligt sich mit drei
Projekten an der Regionale 2004. Ein Dutzend LWL-Mitarbeiter arbeitet an einer Ausstellung
über die Ems, einem neuen Weg entlang des Flusses, einem Radwanderführer und an zwei Büchern
über Gärten und Parks in der Region. Das Land NRW übernehme 80 Prozent der Gesamtkosten von
rund 1,6 Millionen Euro, 20 Prozent zahle der LWL, erläuterte LWL-Kulturdezernent Prof. Dr.
Karl Teppe am Montag (22.9.) in Telgte (Kreis Warendorf).
Neben den 37 Städten und Gemeinden links und rechts der Ems ist auch der LWL Mitglied
bei der Regionale 2004, die im kommenden Frühjahr starten wird. Der Emsauenweg: Lineares
Freilichtmuseum Unter dem Titel "Emsauenweg" bereitet der LWL nach Angaben von Teppe eine
Radwanderroute entlang des Flusses von Warendorf über Telgte und Münster bis nach Rheine vor.
Die 85 Kilometer lange Route stelle als "lineares Freilichtmuseum" nicht nur 100 Naturdenkmäler, archäologische
und kulturhistorisch interessante Objekte und Orte entlang der Ems vor. Teppe: "Der
Emsauenweg wird den Fluss als geographisches und kulturelles Bindeglied zwischen
verschiedenen Orten im wahrsten Sinne erfahrbar machen." An den Stationen entlang des Weges
laden eigens entworfene Stelen, Bänke, Tische, Stege und Türme zu Blicken in die Geschichte
von Mensch und Landschaft ein: So treten zum Beispiel beim Sandabbau in den Kottruper Seen
westlich von Warendorf archäologische Funde vom Neandertaler bis zu den Sachsen zu Tage, die
von einer 100.000 jährigen Landschafts- und Siedlungsgeschichte berichten.
30 Kilometer flussabwärts werden zukünftige Radwanderer mitten in Greven auf den ehemaligen Standort
einer Schiffswerft stoßen. In dieser Werft wurden im 19. Jahrhundert die Emspünten, ein
archaisch anmutender Lastschifftyp, auf Kiel gelegt. Ebenfalls bei Greven wird eine
Installation mit einer großen Plane an die versunkene Burg Schöneflieth erinnern. Die
Mitarbeiter des Westfälischen Museums für Archäologie initiieren auch Veranstaltungen
entlang des Emsauenwegs: In Rheine zum Beispiel wird eine Jahrtausende alte Grabanlage aus
der Jungsteinzeit unter der Beteiligung der Bevölkerung mit zeittypischen Methoden wieder
entstehen. Bei Telgte soll eine 90 Meter lange Pfostenallee einen Grabhügel aus der
Bronzezeit markieren, der durch zwei kreisförmige Gräben von je 15 Metern Durchmesser
eingefasst wird. Nachgebaute Einbäume und ein Floß werden an die Anfänge der
Flussschifffahrt erinnern, während Kunstwerke, Lesungen, Theater- und
Musikveranstaltungen das Programm ergänzen.
Zum Emsauenweg entsteht ein kulturhistorischer Führer im Taschenbuchformat, der sich besonders gut für
Radwanderungen eignet. Während die Beschilderung des Wegs bewusst sparsam mit Texten
ausgestattet wird, gibt der geplante Radwanderführer (zirka 13 Euro, ab Mai 2004 im Handel)
auf insgesamt 200 Seiten Raum, Geschichte und Geschichten zu den einzelnen Stationen zu
erzählen. Die Bodendenkmalpfleger des LWL stellen die Stationen in ihrer geographischen
Reihenfolge von Warendorf nach Rheine vor, zusammen mit detailliertem Kartenmaterial in
einem noch "taschengängigen" Hochformat (12,5x23 cm) und mit einer praktischen
Spiralheftung. Ergänzend zum Führer wird ein touristisches Beiheft erarbeitet.
Ausstellung
Die Ems auf 45 Metern "Alles im Fluss?" fragt die geplante Ausstellung im
Westfälischen Museum für Naturkunde in Münster ab dem 1. Mai 2004 (bis 28.11.). Sie stellt die
Ems aus naturkundlicher und kulturhistorischer Sicht auf insgesamt 1.350 Quadratmetern
Ausstellungsfläche dar. Die Ausstellung besteht aus drei Bereichen: Im Hof des Museums wird
in einer neugestalteten Außenanlage die Landschaft und eine Nachbildung des Emslaufes auf
45 Metern präsentiert, im Planetarium des LWL-Museums wird eine 40-minütige
Multivisionsshow das Thema behandeln. Der dritte Teil spielt im Inneren des Museums: Hier
zeigen die Ausstellungsmacherinnen, wie der Mensch die Ems von einer Natur- in eine
Kulturlandschaft verwandelt hat. Der Besucher erfährt zum Beispiel, dass der Biber 1750 an
der Ems ausgestorben ist, dass es bereits 1777 erste Pläne zur Emsbegradigung gab oder dass
die Bauern früher das nährstoffreiche Emswasser zum Düngen auf die Felder leiteten. Während
die Ems heute in erster Linie der Erholung dient, war sie früher ein wichtiger Verkehrsweg.
Außerdem hatte sie für die Fischerei - der letzte Emslachs wurde um 1800 gefangen - und als
Mühlenantrieb große wirtschaftliche Bedeutung. Diese Veränderungen können die Besucher
in aufwendigen Dioramen (Inszenierungen) erleben. Bis heute ist die Fluss eine Lebensader
der Natur. Er bietet Lebensräume, Nahrungsangebot, Brutplätze und
Überwinterungsmöglichkeiten für einheimische Tiere wie den Eisvogel. Die Ems beherbergt
aber auch "Neubürger" wie Regenbogenforelle und Amerikanischer Flusskrebs, ebenfalls in
der Ausstellung in Münster zu sehen.
Handbuch und Bildband
Öffentliche Parks und verborgene Gärten Das Projekt "Historische Gärten und Parks" will die
vielen versteckten und teilweise vergessenen grünen Schätze entlang der Ems heben.
Im Frühjahr 2004 wird ein Handbuch sowie ein repräsentativer Bildband über die schönsten und
bedeutendsten Gärten und Parks der Kreise Warendorf und Steinfurt sowie der Stadt Münster erscheinen.
Während das Reisehandbuch (zirka 180 Seiten, rund 12 Euro) 40 frei zugängliche Anlagen vorstellen und
erklären wird, ermöglicht der Bildband (zirka 120 Seiten, rund 35 Euro) dem Betrachter auch
einen Blick hinter die Mauern und Hecken von privaten verschlossenen Besitzen. Etwa 30
verborgene Gärten und Parks stellt das Werk durch hochwertiges Bildmaterial dar. Ergänzt
wird der Bildband durch Beschreibungen der Anlagen sowie durch Interviews mit den Besitzern
einiger prominenter Beispiele wie dem Bischof in Münster oder Freiherr Heeremann (Schloss
Surenburg bei Riesenbeck).
"Die Gärten und Parks der Region sind ihr lebendigstes
Kulturerbe", begründete Teppe den Ansatz des Projektes. Das Spektrum reiche vom
kunstvollen Garten bis zum Garten voller Kunst, vom Park am Herrensitz bis zum Bauern- oder
Klostergarten und vom Landschaftsidyll bis zum Stadtgrün. Bereits seit 2001 arbeite ein
Team des LWL an der Erfassung der Anlagen. Nahezu 150 Anlagen haben die Kunsthistoriker,
Landschaftsarchitekten und Fotografen des Westfälischen Amtes für Landschafts- und
Baukultur und des Westfälischen Landesmedienzentrums schon bereist und begutachtet.
Dabei gehe es nicht nur um den botanischen Wert oder die Regionalgeschichte, auch die Eignung
für kulturelle Veranstaltungen werde für die Aufnahme in einer Datenbank mitbewertet. Seit
einem Jahr seien die "Gartenspaziergänge", die der LWL für interessierte Besucher
organisiere, sehr erfolgreich. Auch zu den historischen Gärten wird es Veranstaltungen im
Rahmen der Regionale 2004 geben.
INFO
Landschaftsverband Westfalen-Lippe
Website:
http://www.lwl.org