[WestG] [LIT] Ansgar Weisser: Staat und Selbstverwaltung

Marcus Weidner Marcus.Weidner at lwl.org
Don Okt 16 10:10:41 CEST 2003


Von: "Thomas Küster", <thomas.kuester at lwl.org>, Westfälisches Institut für Regionalgeschichte
Datum: 15.10.2003, 9:20


LITERATUR
Ansgar Weißer (Hg.)
Staat und Selbstverwaltung
Quellen zur Entstehung der nordrhein-westfälischen 
Landschaftsverbandsordnung von 1953
Forschungen zur Regionalgeschichte, Bd. 45)
Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2003 
604 Seiten, gebunden, € 49,- (Bezug über den Buchhandel)
ISBN 3-506-79618-6


Am 1. Oktober 1953 trat die Landschaftsverbandsordnung (LVO) - gewissermaßen 
die Gründungsurkunde der Landschaftsverbände - in Kraft. Von der ersten Beratung 
bis zur Verabschiedung des Gesetzes vergingen beinahe 7 Jahre, die von heftigen 
politischen Auseinandersetzungen begleitet waren. Dabei verlief die Grenze 
zwischen Befürwortern und Gegnern von Landschaftsverbänden quer durch alle 
Parteien.

Nach der Gründung Nordrhein-Westfalens 1946 stellte sich die Frage nach dem 
Staats- und Verwaltungsaufbau des neuen Landes. Wie sollten die Landesteile 
Westfalen und Rheinland integriert werden? Schon vorher hatten vor allem in 
Westfalen erste Bemühungen um die Wiederherstellung der regionalen 
Selbstverwaltung eingesetzt. Insbesondere die Vertreter der Kommunen, die 
Industrie- und Handelskammern und die karitativen Organisationen unterstützten 
die Forderungen nach einem "Staatsaufbau von unten" und nach einer bürgernahen 
Verwaltung. Diese sollte vor allem durch die Neubegründung der 
Landschaftsverbände erreicht werden. Zu den Kritikern einer mittleren 
Selbstverwaltungsebene gehörten hingegen der erste Ministerpräsident des Landes 
(und frühere Oberpräsident Westfalens) Rudolf Amelunxen, der Detmolder 
Regierungspräsident Heinrich Drake und Teile der Düsseldorfer Ministerialbürokratie. 
 
In der hier zum 50. Jahrestag vorgelegten Dokumentation wird der 
Entscheidungsprozess zur Ausgestaltung des neuen Bundeslandes Nordrhein-
Westfalen und zu den Aufgaben der Landschaftsverbände nachgezeichnet. Die 
Einflüsse von Verwaltung, Parteien, Verbänden, Organisationen und einzelnen 
Personen des öffentlichen Lebens auf die politische Meinungsbildung und die 
Kommentierung des Verfahrens in der Presse stehen dabei im Mittelpunkt dieser 
Quellensammlung, die Ansgar Weißer vom Westfälischen Institut für 
Regionalgeschichte (WIR) erarbeitet hat. 

Die Befürworter der LVO gewannen schließlich die Oberhand im 
Gesetzgebungsverfahren, weil ihre Gegner inzwischen aus der Regierung 
ausgeschieden waren und sich die Einsicht durchsetzte, dass man den 
Anforderungen des modernen Sozialstaates und der Notwendigkeit zur 
Konsolidierung des Landes nur mit Hilfe eines starken regionalen Leistungsträgers 
gerecht werden konnte. Das gemeinsame "Grundgesetz" des LWL und des LVR fand 
im Landtag schließlich die Zustimmung nahezu aller Parteien.

Der Herausgeber: Ansgar Weißer studierte Geschichte und Germanistik in Münster, 
war Wissenschaftlicher Volontär am Westfälischen Institut für Regionalgeschichte 
des LWL und arbeitet im WIR zur Zeit an einer Dissertation über die "innere 
Landesgründung" Nordrhein-Westfalens.


INFO

Ansgar Weißer (Hg.)
Staat und Selbstverwaltung
Quellen zur Entstehung der nordrhein-westfälischen 
Landschaftsverbandsordnung von 1953
Forschungen zur Regionalgeschichte, Bd. 45)
Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2003 
604 Seiten, gebunden, € 49,- (Bezug über den Buchhandel)
ISBN 3-506-79618-6



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