[WestG] [AKT] Rotary Club Brilon Marsberg besucht LWL-Friedhof nach Vorstellung des Projekts "Gedenkstaette Kindergraeber Marsberg - wie gestalten wir Erinnerungskultur?", Marsberg
Hanke, Enrique
Enrique.Hanke at lwl.org
Mi Aug 31 12:48:26 CEST 2022
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 30.08.2022
AKTUELL
Rotary Club Brilon Marsberg besucht LWL-Friedhof - LWL-Kinikum Marsberg: Kooperation geplant
Der Rotary Club Brilon Marsberg hat den ehemaligen Anstaltsfriedhof auf dem Gesundheitscampus Marsberg des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) an der Bredelarer Straße besichtigt. Vorausgegangen war der Besuch des Präsidenten Dr. Martin Rörig und der Rotarierin Claudia Artz bei der Vorstellung des Projekts: "Gedenkstätte Kindergräber Marsberg - wie gestalten wir Erinnerungskultur?" der LWL-Einrichtungen Marsberg in Kooperation mit der Technischen Hochschule OWL. "Mit dem Ortstermin möchten wir uns ein Bild vor Ort von dem Friedhof machen", so Rörig. "Viele von uns wohnen in Marsberg, waren aber noch nie hier oben."
Ein drei mal drei Meter großes schwarzes Quadrat aus 8 cm starkem Stahl-Rechteckrohr umrahmt und betont den Eingang zum Friedhof. Er trägt die Inschrift: "Hier und da, 1940 - 2004". Die von der Bildhauerin Astrid Raimann gestaltete Installation ist im Sinne von Konzeptkunst keine Arbeit, die als Kunstwerk für sich steht, sondern findet ihren Sinn in der Wirkung, die sie auf die Wahrnehmung der Besucher:innen ausübt. Die Aufmerksamkeit soll auf den Moment des Übergangs gelenkt werden. Man durchschreitet die Grenze zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Lebenden und Toten, Gesunden und Kranken, "Normalen" und "Verrückten", denen, die dazugehören, und den "Lebensunwerten". Diese besondere Stimmung fühlten auch die 15 anwesenden Rotarier. "Die Waldatmosphäre hat etwas Verwunschenes und steht in krassem Kontrast zu den Biografien der hier beerdigten Kinder", sagte Rörig. "Wir vom Rotary Club Brilon Marsberg möchten uns gerne einbringen, damit dieser Ort seine Geschichte erzählen kann."
Julia Hollwedel, Beauftragte für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der LWL-Einrichtungen Marsberg, gab eine kurze historische Einführung: "Im Nationalsozialismus wurde eine Abteilung des St. Johannes-Stifts, Vorgänger des LWL-Klinikums Marsberg, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie des LWL-Wohnverbundes Marsberg zu einer "Kinderfachabteilung" des "Reichsausschusses zur wissenschaftlichen Erfassung erb- und anlagebedingter schwerer Leiden." In den folgenden Monaten wurden dort etwa 50 Kinder und Jugendliche durch die überdosierte Gabe von Medikamenten gezielt betäubt und getötet." Dazu seien regimetreue Schwestern, die sogenannten "braunen Schwestern", von Berlin nach Marsberg gekommen. "Wegen Unruhen in der Bevölkerung wurde 1941 die "Fachabteilung" in Marsberg geschlossen und nach Dortmund-Aplerbeck verlegt", sagt sie. Der Anstaltsfriedhof gehöre zu den ganz wenigen Gedenkstätten mit erhaltenen Gräbern.
Die Rotarier waren sichtlich bewegt. Astrid Schmidt, stellvertretende Ärztliche Direktorin im LWL- Therapiezentrum für Forensische Psychiatrie und Rotarierin, sagte: "Gerade in unseren bewegten Zeiten sind solche Gedenkorte wichtig. Wir entwickeln derzeit pädagogische Konzepte, um unsere Patienten auf freiwilliger Basis miteinzubeziehen. Das Interesse bei den jungen Menschen ist vorhanden."
Hintergrund
Gemeinsam mit verschiedenen Kooperationspartnern wie die Technische Hochschule OWL, den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge sind die LWL-Einrichtungen Marsberg dabei, den Friedhof durch Projekte umzugestalten und wieder mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken.
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