[WestG] [AKT] Betonkirche mit besonderer Raumwirkung - LWL zeichnet die Paderborner Kilianskirche als Denkmal des Monats aus

Bodden, Lina lina.bodden at lwl.org
Mo Nov 8 10:23:15 CET 2021


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 08.11.2021


AKTUELL

Betonkirche mit besonderer Raumwirkung - LWL zeichnet die Paderborner Kilianskirche als Denkmal des Monats aus

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat die 1967 gebaute Kirche St. Kilian in Paderborn als Denkmal des Monats ausgezeichnet. Die seit 2020 unter Denkmalschutz stehende Betonkirche gehört zu den wenigen Beispielen der sogenannten "Architecture Brut" (Architektur, die von Sichtbeton geprägt ist) im ostwestfälischen Erzbistum. "Sie ist eine der bedeutendsten Betonkirchen Westfalens", sagt LWL-Denkmalpflegerin Dr. Marion Niemeyer.

In Paderborn entschied man sich für eine Form, die auf eine geometrische Grundform reduziert war und wählte einen zylindrischen Baukörper. Eine Konstruktion aus schlanken Stahlbetonstützen trägt einen umlaufenden Stahlbetonringanker und Faltdach aus Stahlgitterträgern. Zwischen die Sichtbetonstelen spannte man Dickglasbetonbahnen (dicke Glasstücke, die in Beton eingelassen sind), gestaltet von dem Künstler Hubert Spierling. Ergebnis ist ein Raum mit besonderer Wirkung: "Architekt und Glaskünstler inszenierten eine Ummantelung, deren diffuser Lichteinfall einen über sich selbst hinausweisenden Innenraum entstehen lässt", so Niemeyer.

Dabei sei St. Kilian nicht nur architektonisch und kunsthistorisch bedeutend, sondern stehe auch als Zeugnis für Umbrüche in Kirche und Liturgie. "Allgemein zeichnete sich im Kirchenbau ab Mitte der 1950er-Jahre zunächst eine Tendenz zur Zentralisierung der Grundrisse ab", so Niemeyer. "Damit ging eine zunehmende räumliche Vereinheitlichung von Altar- und Gemeinderaum einher. Dieser Wandel ist unter anderem durch die Vorstellung gekennzeichnet, dass sich die Gegenwart Christi nicht mehr nur in den eucharistischen Gaben und dem geweihten Priester, sondern gleichermaßen in der sich versammelnden Gemeinschaft vollzieht. So wird der gesamte Kirchenraum als Chorraum verstanden." Nach längeren, kontroversen Diskussionen hatte man sich in Paderborn für ein gerichtetes Innenkonzept entschieden, so dass der kreisrunde 'Chor' ein liturgisches Zent-rum im südlichen Teil des Raumes erhielt. Dabei positionierte man den Altar an niedrigster Stelle des nach Süden abfallenden Bodens, so dass die Kirchengemeinde nicht zum Altar aufschaut, sondern - auch räumlich - auf Augenhöhe am liturgischen Geschehen beteiligt ist. "Damit dokumentiert die Pfarrkirche St. Kilian in Paderborn anschaulich ein neues, seit den 1950er-Jahren entstehendes Liturgieverständnis, dass 1964/65 durch das 2. Vatikanische Konzil bestätigt wurde", so Niemeyer.


Hintergrund

Reine Betonbauten bestimmten in den 1960er-Jahren zunehmend die Bautätigkeit in den Bistümern und Landeskirchen der jungen Bundesrepublik. Die Bauten konnten - wie z.B. die von Gottfried Böhm und Helmut Striffler - zu vielteiligen, gestaffelten Betonskulpturen verdichtet sein. Daneben entstand eine Vielzahl an Betonkirchen, die durch eine Reduktion der Baukörper auf eine geometrische Grundform gekennzeichnet waren. Zu diesem Typ gehört auch St. Kilian in Paderborn.

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