[WestG] [AKT] Politische Verfolgung im Mittelpunkt der Stolperstein-Verlegung in Ahlen, 28.01.2020
Holtrup, Sandra
Sandra.Holtrup at lwl.org
Mo Jan 27 09:48:57 CET 2020
Von: "Manfred Kehr" <kehrm at stadt.ahlen.de>
Datum: 27.01.2020, 09:41
AKTUELL
Politische Verfolgung im Mittelpunkt der Stolperstein-Verlegung in Ahlen
Die Opfer politischer Verfolgung stehen im Mittelpunkt der Stolperstein-Verlegung am kommenden Dienstag, 28. Januar. Ab 12 Uhr werden 16 weitere Gedenksteine in das Ahlener Straßenpflaster eingesetzt. Beginn ist an der Galileistraße 11. "Hier lebte bis zu seiner Verschleppung ins KZ Esterwegen der frühere KPD-Funktionär Josef Ledwohn", sagt Manfred Kehr von der Stadt Ahlen. Kehr hat in Archiven die Schicksale von Ahlener NS-Opfern recherchiert, die zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten verfolgt, erniedrigt und häufig ermordet worden waren.
Der Elektromonteur und Schachtbauer Josef Ledwohn verbrachte wegen seiner Beteiligung am antifaschistischen Widerstand mehrere Jahre in Haft. Bis zur Machtübernahme der Nazis organisierte der in Ahlen lebende Ledwohn mit anderen die Arbeit der KPD im Ruhrgebiet. Auch nach Ende der NS-Zeit blieb er politisch aktiv und gehörte zwei Wahlzeiten dem NRW-Landtag an, ehe er 1954 erneut verhaftet und zu Gefängnisstrafen verurteilt wurde. Nach Haftzeit und Verbot seiner Partei durch das Bundesverfassungsgericht siedelte er nach Ost-Berlin um. Dort verstarb Ledwohn 95-jährig im Jahre 2003.
Die Stolperstein-Verlegung durch den Künstler Gunter Demnig begleiten an der Galileistraße 11 ab 12:00 Uhr stellvertretende Bürgermeisterin Rita Pöppinghaus-Voss sowie Schülerinnen und Schüler, die sich mit der Verfolgung politisch Missliebiger durch das Nazi-Regime auseinandergesetzt haben. Die Bevölkerung ist zur Teilnahme herzlich eingeladen. "Weltweit werden auch heute Menschen wegen ihrer politischen Überzeugungen verfolgt und drangsaliert", ruft Rita Pöppinghaus-Voss ins Bewusstsein. Das Thema sei ein sehr aktuelles, "zumal auch in Deutschland der Ton der Auseinandersetzung an Schärfe zunimmt." 75 Jahre nach dem Ende des Nazi-Schreckens sei es Verpflichtung aller Demokratinnen und Demokraten, für unsere freiheitlichen Werte einzustehen. "Und dazu gehört auch die Erinnerung an diejenigen, denen wegen ihrer Überzeugungen in deutscher Verantwortung die Menschenwürde geraubt worden ist."
Im Anschluss an die Verlegung in der Galileistraße werden bis in den Nachmittag weitere Steine verlegt in der Südstraße, Klosterstraße, Oststraße, Ostbredenstraße, Beckumer Straße und Ludgeristraße. Nach Abschluss der Aktion am Dienstag werden insgesamt 141 Stolpersteine in Ahlen liegen, die überwiegend an jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, aber auch an Euthanasieopfer sowie politisch und religiös Verfolgte erinnern. Die mit einer Messingabdeckung versehenen Pflastersteine sind mit dem Namen des Opfers, seinem Geburtsjahr, dem Deportationsdatum und -ziel sowie dem Jahr des Todes oder der Flucht versehen. Eine Patenschaft kann für 120 Euro pro Stein übernommen werden. Auskünfte erteilt bei der Stadt Ahlen Manfred Kehr unter Tel. 02382 59567 (kehrm at stadt.ahlen.de).
INFO
Stolperstein-Verlegung
Dienstag, 28. Januar 2020, 12:00 Uhr
Galileistraße 11
59229 Ahlen
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