[WestG] [AKT] Landesarchiv NRW: Entschaedigungsakten der Regierung Muenster erschlossen
Holtrup, Sandra
Sandra.Holtrup at lwl.org
Di Mai 21 08:48:31 CEST 2019
Von: "Cordula Rehr" <cordula.rehr at lav.nrw.de>
Datum: 20.05.2019, 09:47
AKTUELL
Landesarchiv NRW: Entschädigungsakten der Regierung Münster erschlossen
Wiedergutmachung war und ist zum Teil bis heute eine prägende politische und gesellschaftliche Herausforderung der Nachkriegszeit. Die dauerhafte Sicherung der in diesem Rahmen entstandenen Akten, insbesondere der Entschädigungsakten nach dem Bundesentschädigungsgesetz (BEG), die hauptsächlich bei den (Bezirks-)Regierungen entstanden sind, bildet daher seit Jahren eine wichtige Aufgabe des Landesarchivs NRW.
Nachdem die ca. 28.000 Entschädigungsakten der (Bezirks-)Regierung Arnsberg bereits seit 1976 als Bestand K 104/Regierung Arnsberg, Wiedergutmachungen im Landesarchiv zu finden sind, konnten im Sommer 2016 die Einzelfallakten der (Bezirks-)Regierung Münster in die Abteilung Westfalen des Landesarchivs NRW übernommen werden. Inhalt dieser Einzelfallakten sind personenbezogene Entschädigungsverfahren auf Grundlage des BEG, in welchen Personen, die durch das nationalsozialistische Regime aus rassischen, politischen, religiösen oder weltanschaulichen Gründen verfolgt worden sind, finanzielle Entschädigungszahlungen von der Bundesrepublik Deutschland erhalten konnten.
Ziel nach der erfolgreichen Überführung der Akten war eine schnelle inhaltliche Erschließung, um die von Beginn an zahlreichen Anfragen zur Einsichtnahme und Nutzung der Akten zügig bearbeiten und die Akten der Forschung zur Verfügung stellen zu können. Zur Verfolgung dieses Ziels wurde eine eher flache Erschließung mit Fokus auf die personenbezogenen Daten angestrebt.
Die Verzeichnung der insgesamt über 12.000 Einzelfallakten sowie die Ordnung und Beschreibung des Findbuchs konnte nun abgeschlossen werden. Für alle Mitarbeiter ist jetzt eine schnelle Recherche am PC möglich, so dass Anfragen zu den vorliegenden Entschädigungsakten zügig beantwortet werden können. Vorher war die Recherche nur anhand einer analogen Karteisammlung möglich. Im Lesesaal steht das Findbuch ab sofort digital zur Verfügung, so dass unsere Kunden vor Ort selbst nach den etwa 10.000 Akten recherchieren können, die nicht mehr mit Schutzfristen belegt sind.
Grundsätzlich enthält jede Einzelfallakte nach dem BEG den Antrag sowie Schilderungen und Nachweise des Verfolgungsschicksals und der erlittenen Schäden des Betroffenen. Es folgen Ermittlungen von Behörden und sonstigen Stellen, Korrespondenzen sowie Feststellungsbescheide über die Entschädigungszahlungen. Kam es zu einem Klageverfahren vor dem Landgericht oder weiterer Instanzen, sind auch die grundlegenden Unterlagen dieser Verfahren in den Einzelfallakten enthalten.
Mit der Erschließung dieses Bestands wurden die Entschädigungsakten als wertvolle Quelle nun recherchierbar gemacht. Der Wert dieser Akten zeichnet sich insbesondere durch die darin enthaltene Dokumentation von individuellen Verfolgungsgeschichten aus, die ohne diese Akten vielfach unsichtbar geblieben wären.
Seit der Übernahme im Sommer 2016 findet eine rege Nutzung der Akten durch verschiedene Gruppen statt: Neben der zahlenmäßig größten Gruppe der einzelnen Familien-, Heimat- und NS-Forscher findet ebenfalls eine Nutzung im Sinne der historischen Bildungsarbeit statt. Im Rahmen von Stolpersteinprojekten oder durch Quellenarbeit mit Schülern unterschiedlicher Jahrgangsstufen tragen die Entschädigungsakten zur Erinnerung und Sensibilisierung der Bürgerinnen und Bürger über die NS-Vergangenheit bei.
(vollständiger Bestandsname: K 204/Regierung Münster, Wiedergutmachungen)
INFO
Kontakt:
Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen
Bohlweg 2
48147 Münster
Tel.: 0251/4885-0
E-Mail: westfalen at lav.nrw.de
URL: http://www.archive.nrw.de/lav/abteilungen/westfalen/oeffnungszeiten_und_kontakt/index.php
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