[WestG] [AKT] LWL zeichnet die Friedhofskapelle in Bad Holzhausen als Denkmal des Monats aus

Holtrup, Sandra Sandra.Holtrup at lwl.org
Di Nov 20 15:55:59 CET 2018


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org> 
Datum: 20.11.2018, 14:51


AKTUELL

Typische Architektur der 1960er-Jahre - LWL zeichnet die Friedhofskapelle in Bad Holzhausen als Denkmal des Monats aus

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat die Friedhofskapelle in Bad Holzhausen (Preußisch Oldendorf im Kreis Minden-Lübbecke) als Denkmal des Monats November ausgezeichnet. Das Bauwerk ist als traditioneller Satteldach-Haus-Typ ein typischer Kapellenbau der 1960er-Jahre. 

"Die Kapelle ist für die Nachkriegsarchitektur Westfalen-Lippes im Allgemeinen und für den Kapellenbau im Besonderen eine bedeutsame Vertreterin. Sie ist sehr gut überliefert und belegt die architektonische Entwicklung des Friedhofskapellenbaues der Zeit nach 1945", sagt LWL-Denkmalpflegerin Anne Herden-Hubertus. "Die anspruchsvolle Architektur geht einher mit der zeitgenössischen Kirchenbauentwicklung. Im Werk Gerhard Langmaacks gibt es nur noch die deutlich ältere Kapelle im niedersächsischen Bad Bevensen von 1949." 

Die Architektursprache, insbesondere das innen zu sehende gerundete Dach des Saales, die dem Bauwerk eine gewisse Dynamik verleiht, ist charakteristisch für Gerhard Langmaacks späte Werke. "Zusammen mit dem seitlichen Lichteinfall sollten die gerundeten Formen einerseits den kontemplativen Blick des trauernden Menschen aufnehmen und andererseits das Gemeinschaftsgefühl der Trauergemeinde fördern", erklärt Herden-Hubertus. 


Hintergrund

Die als verputzter Stahlbetonbau errichtete Kapelle hat die Form eines Satteldachhauses. Sie weist mit ihrer nördlichen, verglasten Seite zum Friedhof, während an die südliche im rechten Winkel ein Verbindungsgang zum Nebengebäude angrenzt. Die östliche Giebelseite ist als Hauptfassade im unteren Bereich durch sechs verputzte Betonstützen gegliedert, während die Wandfläche darüber mit senkrechten Holzlatten gestaltet ist. Dazwischen erstreckt sich ein weiter Bogen. Dieser schwungvolle Bogen charakterisiert auch das Innere. Unterhalb des Bogenscheitels sind auf der Putzfläche drei geschmiedete Kreuze angebracht. 

Die eigentliche Eingangswand mit einem zweiflügeligen Mittelportal liegt hinter dieser Vorhalle. Das mit Betonpfannen gedeckte Satteldach ist einhüftig, also nach Süden, weiter herunter geführt als nach Norden, zum Friedhof hin. Die Außenfassade ist durch acht haushohe Betonpfeiler mit zwischenliegenden, verglasten Flächen strukturiert. Der Innenraum eröffnet durch die hohe Fensterfront den Blick in die Natur, zum Friedhof hin. Die mit einer Holzschalung verkleidete Decke bildet die gerundete Form der Außenschalung nach und prägt diesen Raum. 

An der Westwand befindet sich etwa auf der halben Raumhöhe ein plastisches griechisches Kreuz aus Holz mit Blattgold-Auflage. Über dem Kreuz befindet sich ein Stern, der aus einem kleineren griechischen Kreuz gebildet ist, das mit einem Andreas-kreuz kombiniert wurde. Vor der gegenüberliegenden Wand befindet sich eine Musikerempore mit Orgel auf filigranen Rundstützen. Das Lesepult und die rechts und links des Mittelganges angeordneten jeweils acht Bänke stammen aus der Erbauungszeit der Kapelle. 


Geschichte des Friedhofes

Seit dem frühen Mittelalter bestatteten die Menschen ihre Toten auf den Kirchhöfen unmittelbar bei den Kirchen. Dies änderte sich 1804, als Napoleon bestimmte, dass neue Begräbnisplätze außerhalb von Städten und Ortschaften anzulegen seien. Schon das allgemeine preußische Landrecht von 1792 hatte die Neuanlage von Friedhöfen innerhalb der Städte und Dörfer verboten, und der Präfekt der königlich-preußischen Regierung untersagte 1808 jegliche Bestattung auf den Kirchhöfen. Umgesetzt wurde diese Anordnung nur zögerlich. Friedhofskapellen oder Aussegnungshallen waren eher auf städtischen Friedhöfen anzutreffen, während auf dem Land die Toten in den Häusern aufgebahrt wurden und Trauerfeiern nach wie vor in den nahe gelegenen Kirchen stattfanden. Durch den Zuzug von Flüchtlingen nach 1945 ergab sich ein Bevölkerungszuwachs, und es entstanden Neubaugebiete mit Einfamilienhäusern. Die neuen Siedlungshäuser boten jedoch keine Möglichkeiten der sogenannten Hausbeerdigung. Um 1960 setzten daher in sehr vielen Gemeinden Überlegungen zur Errichtung von Friedhofskapellen ein. 

In Holzhausen war der neue Friedhof nordwestlich des Dorfes im Jahre 1859 - wie das Portal aus Sandsteinpfeilern bezeugt - angelegt und später nach Westen erweitert worden. Seit 1958 gab es dort Überlegungen zum Bau einer Aussegnungskapelle. Von 1962 bis 1964 entstand eine Anlage aus Friedhofskapelle, Verbindungsgang und Nebengebäude, die einen Vorplatz umfasst. Den Entwurf fertigte auf Vorschlag des damaligen Pfarrers Berthold Vogell der Hamburger Architekt Gerhard Langmaack (1898-1986). Langmaack war seit 1922 freiberuflich tätig und wurde einer der bedeutendsten Architekten im evangelischen Kirchenbau. Nach seinen Planungen waren bereits verschiedene evangelische Kirchenbauten in der Region errichtet worden (z. B. Johanneskirche in Bielefeld, Thomaskirche in Espelkamp).


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