[WestG] [LIT] Westfaelische Forschungen Bd. 67 (2017) erschienen - Themenschwerpunkt "Das Finanz- und Bankwesen in Westfalen vom 18. bis 20. Jahrhundert"

Holtrup, Sandra Sandra.Holtrup at lwl.org
Mi Dez 13 14:55:02 CET 2017


Von: "Thomas Küster" <thomas.küster at lwl.org>
Datum: 11.12.2017, 14:28


LITERATUR

Westfälische Forschungen Bd. 67 (2017) erschienen - Themenschwerpunkt "Das Finanz- und Bankwesen in Westfalen vom 18. bis 20. Jahrhundert"


DAS FINANZ- UND BANKWESEN IN WESTFALEN VOM 18. BIS 20. JAHRHUNDERT

Themenschwerpunkt in den WESTFÄLISCHEN FORSCHUNGEN Band 67/2017.

Zeitschrift des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte.
Herausgegeben von Thomas Küster und Malte Thießen

ASCHENDORFF VERLAG


DAS FINANZ- UND BANKWESEN IN WESTFALEN VOM 18. BIS 20. JAHRHUNDERT Westfälische Forschungen, Band 67/2017 X und 732 Seiten, geb., Euro 69,60 ISBN 978-3-402-15400-7


Während des 19. und 20. Jahrhunderts gaben zwei Führungssektoren der Industrialisierung, die Textilindustrie und die Schwerindustrie, in Westfalen den Anstoß für den Wandel von einer durch den Agrarsektor geprägten Wirtschaft hin zu einer arbeitsteiligen, von der Industrie bestimmten Gesellschaft. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es zu einer partiellen Deindustrialisierung und zum Siegeszug des tertiären Sektors. Diese Entwicklung wirkte sich auch auf die Kreditwirtschaft aus. Lokal operierende und auf die Bedürfnisse einer Agrargesellschaft zugeschnittene Finanzinstitutionen verloren an Bedeutung; im Gegenzug profitierten große und leistungsstarke Universalbanken. Diese konzentrierten sich zunächst auf die Industriefinanzierung, boten schrittweise aber immer mehr Finanzdienstleistungen für eine rasch wachsende Kundschaft aus allen Teilen der Wirtschaft. Industrialisierung, Bevölkerungswachstum und Urbanisierung bereiteten aber auch die Basis für eine weitere Ausdifferenzierung des gesamten Finanzwesens. 

Die Beiträge des Themenschwerpunktes verfolgen das Ziel, die Veränderungsprozesse in der Kreditwirtschaft Westfalens vom 18. bis zum 20. Jahrhundert genauer zu beleuchten. Dabei werden tradierte Formen des Geldverkehrs und die zunächst dominierenden Finanzinstitutionen, etwa Privatbankiers und Rentenbanken, ebenso behandelt wie die fundamentalen Veränderungen im Verhältnis von Banken und Industrie im Zuge der Industrialisierung. Im Fokus stehen aber auch Kreditgenossenschaften und Sparkassen als Finanzdienstleister für den gewerblichen Mittelstand und das Handwerk, die in der Zwischenkriegszeit, der Phase des Wiederaufbaus und der Zeit des "Wirtschaftswunders" die notwendigen Finanzierungen für weite Teile der Wirtschaft bereitstellten. Mit dem nach dem Zweiten Weltkrieg wieder erwachten Sparwillen in der Bevölkerung veränderte sich auch das Geschäftsprofil der Kreditinstitute. Das sogenannte Massengeschäft, die Betreuung möglichst breiter Bevölkerungskreise, gewann erneut an Bedeutung. Dieser von der Forschung bislang kaum beachtete Aspekt wird hier ebenfalls eingehend thematisiert.

Weitere Beiträge behandeln die Beteiligung von Provinz und Staat an der "Jugendfürsorge auf See" und der westdeutschen Kanalschifffahrt, die Kartierung historischer Industriestandorte am Beispiel Mendens, den Arbeitseinsatz von Kriegsgefangenen im Ersten Weltkrieg, den NS-Kult um jugendliche Märtyrer im Ruhrgebiet, die Europabewegung im Münsterland nach 1945 sowie die mediale Wahrnehmung der "Gastarbeiterinnen" während der wilden Streiks in der rheinischen und westfälischen Metallindustrie um 1970. Karl Ditt widmet dem im vergangegenen Jahr verstorbenen Institutskollegen Michael Prinz einen ausführlichen Nachruf. Tagungs- und Jahresberichte, Zeitschriftenschau und Rezensionsteil beschließen die aktuelle Ausgabe der "Westfälischen Forschungen".



Inhalt des 67. Bandes

Harald Wixforth:
Einleitung

Barbara Frey:
"… an gesandten Linnen …" - Einblicke in ein Bielefelder Kontokorrentbuch aus den Jahren 1768 bis 1776

Wilfried Reininghaus:
Privatbankiers in vor- und frühindustrieller Zeit: Das Beispiel des Bankhauses Lindenkampf & Olfers in Münster (1780-1888) 

Harald Wixforth:
Agrarfinanzierung im Wandel - die Diskussion über die Agrarfinanzierung in Westfalen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Detlef Krause:
Der Barmer Bank-Verein Hinsberg, Fischer & Comp. − eine westdeutsche Regionalbank (1867-1932)

Eva-Maria Roelevink/Dieter Ziegler:
"Bankenmacht" im Ruhrbergbau − Die Disconto-Gesellschaft und die Gelsenkirchener Bergwerks-AG 1873-1904   

Frauke Schlütz:
Kreditgenossenschaften in Westfalen im 19. Jahrhundert

Christoph Kaleschke:
Fluch oder Segen? Das Bielefelder Notgeld als Instrument der Krisenintervention 1917-1924

Tim-Lukas Weber/Harald Wixforth:
Sparkassen in der Weltwirtschaftskrise - Das Beispiel der Sparkasse Detmold

Eberhard Illner/Michael Wilde:
Eduard von der Heydt - Bankier und Kunstsammler in einer schwierigen Zeit  

Ralf Ahrens:
Westfälisches Sozialkapital und NS-Karriere - Aufstieg und Fall des Bankiers Karl Rasche 

Harald Wixforth:
Die Kreditwirtschaft in Bielefeld während des Nationalsozialismus  

Karl-Peter Ellerbrock: 
Konsumentenkredit und "Soziale Marktwirtschaft": Zum Wandel des Sparkassenbildes und des geschäftspolitischen Denkens in der Sparkassenorganisation - Das Beispiel der Stadtsparkasse Witten

Daniel Sobanski:
Genossenschaftsbanken im Umbruch - Der Konzentrationsprozess westfälischer Kreditgenossenschaften in den 1960er und 1970er Jahren  


STAAT, PROVINZ UND SCHIFFFAHRT

Olaf Schmidt-Rutsch:
Jugendfürsorge auf See. Die ‚Westfälischen Provinzial-Ausbildungsschiffe’ in Emden

Eckhard Schinkel:
"Monopol" - der staatliche Schleppbetrieb auf den westdeutschen Kanälen


WEITERE BEITRÄGE

Wilfried Reininghaus/Thomas Kaling:
Die Kartierung von Industriestandorten seit dem 18. Jahrhundert − das Beispiel Menden im Historischen Atlas westfälischer Städte. Historische Wirtschaftskarten in Westfalen seit 1804

Philipp Koch:
Zwangsarbeitende Kriegsgefangene in westfälischen Arbeitslagern und Außenkommandos im Ersten Weltkrieg - Forschungsansätze und Thesen

Sarah Thieme:
Vorbildhafte Verstorbene? Die Rolle der "deutschen Jugend" innerhalb des nationalsozialistischen Märtyrerkultes im Ruhrgebiet

Franziska Rohloff:
Europaorganisationen im Münsterland in der Nachkriegszeit

Helena Kürten: 
"Gastarbeiterinnen im wilden Streik". Zur Wahrnehmung von Arbeit, Migration und Geschlecht im Mediendiskurs der Bundesrepublik am Beispiel der rheinischen und westfälischen Metallindustrie 
 

NACHRUF

Karl Ditt:
Michael Prinz (1952-2016) - Bielefelder Sozialgeschichte in der Weiterentwicklung


TAGUNGSBERICHTE

Agnes Weichselgärtner:
"Migration - Kulturtransfer - Erinnerungskultur", Jahrestagung des Brauweiler Kreises für Landes- und Zeitgeschichte e.V., Duisburg 9.-10. März 2017

David Merschjohann:
"Briten in Westfalen.  Begegnungen - Beziehungen - Geschichte", Paderborn 9.-11. März 2017


JAHRESBERICHTE

des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte und der wissenschaftlichen Kommissionen


ZEITSCHRIFTENSCHAU / BUCHBESPRECHUNGEN
Ausgewählte Beiträge zur geschichtlichen Landeskunde Westfalens in Periodika des Jahres 2016 sowie ausführliche Rezensionen neuer Werke zur Landes- und Regionalgeschichte in Westfalen


Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte