[WestG] [LIT] Neuer Band der Reihe: "Archaeologie in Westfalen-Lippe 2015"

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Mi Nov 30 15:25:08 CET 2016


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org> 
Datum: 30.11.2016, 11:20


LITERATUR

"Archäologie in Westfalen-Lippe 2015" - 308 Seiten laden zu einer archäologischen Reise durch Westfalen-Lippe ein

Die Bagger rollen kräftig mit der zunehmenden Baulust - auch in Westfalen. Das lässt sich auch an der größeren Zahl von Ausgrabungen der Archäologen und Fossilforscher ablesen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat jetzt seinen archäologischen Rückblick auf das Jahr 2015 herausgegeben. In der Reihe "Archäologie in Westfalen-Lippe" berichten 99 Autoren in 75 Beiträgen druckfrisch über die aktuellen Forschungsergebnisse aus Archäologie und Paläontologie.

Auf 308 Seiten laden die LWL-Archäologie für Westfalen und die Altertumskommission für Westfalen zu einer Reise in die Region und zu einem Blick in die Erde von noch unbekannten Fundplätzen in Westfalen und Lippe ein. "Das neue Denkmalrecht sorgt für mehr Rettungsgrabungen, wir fachlich begleiten und durchführen. Dadurch werden neue Fundorte entdeckt, es werden noch mehr Funde ausgewertet und es gibt deutlich mehr spannende Forschungsergebnisse, die nicht nur die Fachleute interessieren", so LWL-Chefarchäologe Prof. Dr. Michael Rind. Mit der Debatte über einen besseren Schutz von gefährdeten Kulturgütern sei das große Interesse an der Archäologie noch weiter gestiegen. 

"Die Archäologie in Westfalen und Lippe hat wieder in allen Fachdisziplinen und vermehrt auch darüber hinaus in Zusammenarbeit mit den Nachbarwissenschaften viele neue Erkenntnisse erarbeitet, die das Wissen um unsere Vergangenheit bereichern", so Dr. Aurelia Dickers, Vorsitzende der Altertumskommission für Westfalen. 

Da tauchte im Siegerland ein womöglich neuer Typ des Rennofens für die Eisengewinnung auf, die älteste Zisterzienserabtei Westfalens gab Einblicke in ihre Entstehungsgeschichte, die älteste Glockengussgrube Deutschlands und sehr wahrscheinlich auch des europäischen Festlandes faszinierte nicht nur die Dülmener Bevölkerung und in der Schmiede entstand ganz und gar nach frühmittelalterlichen Methoden und mit den Werkstoffen der damaligen Zeit ein einzigartiges Schwert in einem bislang einmaligen Rekonstruktionsprojekt. 

Beiträge nach Regionen (Auswahl):

In der Sammlung des Gustav-Lübcke-Museums in Hamm tauchte jetzt ein Fund wieder auf, der bereits 1936 beim Bau der Reichsautobahn gemacht wurde. Die "steinerne Keule" beschäftigte schon damals über Jahrzehnte die Fachleute. Jetzt kann das neolithische Stück mit den neuen archäologischen Erkenntnissen typologisch und chronologisch neu eingeordnet werden. 

Verziegelter Lehm, Knochen, Keramikscherben und Holzkohle gruben die Archäologen in einem alten Lippe-Arm in Delbrück-Bentfeld aus. Die Funde beschäftigen die Fachleute auch jetzt noch. Denn was zuerst wie eine Bestattung aussah, entpuppte sich nach näherer Untersuchung als Abfallentsorgung. Unklar ist noch, ob es sich hierbei in unmittelbarer Nähe des Römerlagers Anreppen um eine vorzeitliche "Mülldeponie" oder um religiös motivierte Aktivitäten handelte.

Was die zielgerichtete Anwendung von Schwarzpulver und die Falkenburg bei Detmold miteinander zu tun haben, zeigten die Untersuchungen der Kreisarchäologie Lippe im vergangenen Jahr. Dabei wurde ein Stollen untersucht, der bei der Belagerung der Burg im Jahr 1447 einen Weg ebnen sollte, um den Widerstand der Bewohner zu bezwingen. Diese Schwarzpulvermine ist die älteste archäologisch nachgewiesene in Europa.

Im Inneren des ehemaligen Hauptlagers der Römer in Haltern entdeckten die Archäologen kriegerische Relikte der einstigen Bewohner. Wo ein neues Wohnhaus gebaut wurde, lagen im Boden 82 Schleuderbleie so eng beieinander, als wären sie erst vor kurzem hier an der Via Praetoria - einer der Hauptstraßen des Lagers - abgelegt worden. Ob ein Soldat die Bleie, die schwere Folgen für die Gegner im Falle eines militärischen Angriffs mit sich trugen, verloren oder sein Gepäck absichtlich erleichtert hat, bleibt ein Geheimnis. 

Was ein Brunnen in einer Kirche zu suchen hat und welche militärische Bedeutung der Kirchturm hatte, legten die Ausgrabungen in der Laurentiuskirche in Erwitte offen. Kirche und Siedlung entstanden bereits im 9. Jahrhundert. Auch wenn der Brunnen einst womöglich religiöse Akzente im Kirchenraum gesetzt hat: Während der Auseinandersetzungen der Soester Fehde diente der Kirchturm als Bollwerk, und der Brunnen erhielt mit seinen Möglichkeiten der Wasserversorgung einen ganz und gar praktischen Sinn. 

Zeugen des mittelalterlichen Baubooms waren Stadtarchäologen in Soest auf der Spur. Im 12. Jahrhundert wurden große Anstrengungen unternommen, um Feuchtgebiete trockenlegen und bebauen zu können. Davon zeugen Pfähle und Spaltbohlen, die bis heute in der Erde erhalten blieben, aber auch Reste von Brückenkonstruktionen. All das dürfte ein Weidenkörbchen noch nicht miterlebt haben, das überraschend unter Bestattungen zum Vorschein kam und eine ganz eigene Geschichte erzählen kann.


INFO

Der aktuelle Band ist in jeder Buchhandlung, in den LWL-Museen in Herne, Haltern und Paderborn sowie im Internet unter www.archaeologie-und-buecher.de zum Preis von 19,50 Euro erhältlich. Die Beiträge des Bandes stehen nach einem Jahr auch online über Open Access kostenfrei zur Verfügung, wo aktuell ganz neu die Beiträge des Jahresrückblicks 2014 als Download bereitstehen. Weitere Informationen und den Link gibt es unter URL: http://www.lwl-archaeologie.de. 

Archäologie in Westfalen-Lippe 2015
Herausgegeben von der LWL-Archäologie für Westfalen und der Altertumskommission für Westfalen
308 Seiten, broschiert, durchgehend farbig bebildert
Langenweißbach 2016
ISBN 978-3-95741-052-8
ISSN 2191-1207
19,50 Euro




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