[WestG] [AKT] Buchvorstellung und Diskussion: Ueber die Rehabilitierung und Entschaedigung nach § 175 StGB in der Bundesrepublik Verfolgter, Bochum, 24.11.2016

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Fr Nov 11 09:44:30 CET 2016


Von: "Stefan Nies" <post at stefan-nies.de> 
Datum: 10.11.2016, 16:21

 
AKTUELL
 
Buchvorstellung und Diskussion: Zwischen Verfolgung und Selbstbehauptung - Über die Rehabilitierung und Entschädigung nach § 175 StGB in der Bundesrepublik Verfolgter, Bochum, 24.11.2016

Vor einem Jahr luden der Arbeitskreis Schwule Geschichte Dortmunds und das Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher zu einer wissenschaftlichen Tagung, die sich der Erforschung eines drängenden Desiderats der Ruhrgebietsgeschichte widmete: der Geschichte der Lesben und Schwulen. Nicht allein die Verfolgung homosexueller Menschen in der Region, auch die stets neu aufkeimenden Bestrebungen ihrer Selbstbehauptung kamen dabei zur Sprache.

Nun erscheint der Tagungsband mit zwölf Beiträgen von Laien und Wissenschaftler_innen unterschiedlicher Disziplinen. Aus diesem Anlass wird eines der Themen des Bandes herausgegriffen und die zurzeit sehr aktuelle Forderung nach Rehabilitierung und Entschädigung nach Paragraf 175 StGB in der Bundesrepublik verfolgter Männer diskutiert. Von 1871 bis 1994 beeinflusste der § 175 StGB das Leben homosexueller Männer maßgeblich, bedeutete die Bloßstellung doch nicht selten den Verlust der bürgerlichen Existenz. Ständige Angst vor strafrechtrechtlicher Verfolgung, aber auch vor Denunziation und Erpressung ließen nicht wenige Homosexuelle in Sucht oder Suizid einen Ausweg suchen. Wer als NS-verfolgter Homosexueller in der Bundesrepublik einen Antrag auf Entschädigung stellen wollte, setzte sich der Gefahr erneuter Strafverfolgung aus.

Jahrzehntelang ließ die etablierte Geschichtswissenschaft die verfolgten Homosexuellen außer Acht. Ihre wissenschaftliche Würdigung wurde auch dadurch erschwert, dass Akten aus Behörden und Archiven noch in jüngster Zeit massenweise vernichtet wurden. Vor wenigen Wochen nun legte Heiko Maas, Bundesminister der Justiz, einen Gesetzentwurf zur Rehabilitierung der nach 1945 Betroffenen vor. Anlass genug, darüber mit kompetenten Fachleuten und Vertreter_innen politischer Parteien zu debattieren. Voraussichtlich wird auch ein Betroffener von seinen Erfahrungen berichten.

Programm

Vorstellung des Buches "Zwischen Verfolgung und Selbstbehauptung" (Dr. Frank Ahland)

Impulsvortrag "Wie vergessen waren die vergessenen Opfer?" (Prof. Dr. Constantin Goschler, RUB)

Podiumsdiskussion zur Rehabilitierung und Entschädigung nach § 175 StGB in der Bundesrepublik Verfolgter
mit
. Constantin Goschler, Bochum, Historiker
. Michael Jähme, Köln, Zeitzeug_innenprojekt der ARCUS-Stiftung NRW
. Reinhard Klenke, Köln, Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren (BISS)
. Josefine Paul, Münster, MdL Bündnis 90/ Die Grünen
. Sven Sprenger, Essen, Landesvorsitzender der LSU NRW
. Jasper Prigge, Essen, stv. Landessprecher Die Linke NRW

Moderation: Manuel Izdebski, Dortmund

Infos zum Buch:

Frank Ahland (Hg.), Zwischen Verfolgung und Selbstbehauptung. Schwullesbische Lebenswelten an Ruhr und Emscher im 20. Jahrhundert, Berlin: Vergangenheitsverlag 2016, 274 Seiten, ISBN 978-3-86408-212-2, 16,99 Euro

Erhältlich in allen Buchhandlungen und über URL: www.vergangenheitsverlag.de.

Aus dem Inhalt

Frank Ahland, Susanne Abeck
Erkundungen in der logischen Familie. Umrisse einer homosexuellen Geschichte des Ruhrgebiets

TEIL 1 - ENTRECHTUNG UND VERFOLGUNG
Wolfgang Berude
"Alle sind nach meiner Meinung typische Homosexuelle".
Der Essener Theaterskandal 1936

Frank Ahland
Schwulenverfolgung in Dortmund im Nationalsozialismus.
Vorläufige Ergebnisse neuerer Forschungen

Alexander Wäldner
Seitenwechsel - Spurensuche auf der Täterseite.
Werkstattbericht zur Dokumentation der Verfolgung

Michael Jähme
"So zerpitzelte er die Vergangenheit in kleinste Fetzen und opferte sie dem Gully."
Das Zeitzeug_innen-Projekt zu Biografien in der frühen Bundesrepublik

TEIL 2 - ERINNERUNG UND GEDENKEN
Jürgen Wenke
Mehr als Stolpersteine. Eine persönliche Annäherung an das Gedenken homosexueller
Männer

Ilona Scheidle
Der Gedenkort Hilde Radusch.
Eine queer-feministische Intervention in andronormative Gedenkpolitiken

Stefan Mühlhofer
Perspektiven in einer neuen Dauerausstellung. Homosexuellenverfolgung als Teil der Gedenkkultur am Beispiel der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache

TEIL 3 - STATIONEN DER SELBSTBEHAUPTUNG
Ingeborg Boxhammer
Leben, Lieben und Arbeiten im Ruhrgebiet. Ein feministisches Netzwerk um 1900

Lisa Mense
Im Dazwischen. Zur paradoxen Situation von Lesben in den Neuen Sozialen Bewegungen (Homosexuellen- und Frauenbewegungen)

Ulrike Janz
Blitzlichter, Dauerbrenner und Sehnsuchtsmomente.
Lesbenzeiten, Lesbenorte, Lesbenleben - Lesbenbewegung im Ruhrgebiet

Frank Laubenburg
AIDS-Shock goes Ruhr.
HIV und AIDS im Ruhrgebiet in den 1980er Jahren

Tim Veith
Queere Körperbilder im Revier?
Männlichkeits- und Körperdiskurse in Zeitschriften für nicht-heterosexuelle Männer am Beispiel der Rosa Zone
 
 
INFO

Veranstalter: Arbeitskreis Schwule Geschichte Dortmunds
in Kooperation mit Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher e.V., BISS-Bundesinteressenvereinigung schwuler Senioren e.V., Lesben- und Schwulenverband - Landesverband Nordrhein-Westfalen, rosa strippe, Bochum
 
Veranstaltungsdaten:
Buchvorstellung und Diskussion: Zwischen Verfolgung und Selbstbehauptung. Über die Rehabilitierung und Entschädigung nach § 175 StGB in der Bundesrepublik Verfolgter
Datum: 24.11.2016, 19 Uhr
Haus der Geschichte des Ruhrgebiets
Clemensstraße 17-19Bochum

Der Eintritt ist frei.
 
Kontaktdaten:
Dr. Frank Ahland
Arbeitskreis schwule Geschichte Dortmund
E-Mail: office at frank-ahland.de

URL: www.verfolgt-verschwiegen-vergessen.de



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