[WestG] [AKT] Vortrag von Dr. Schmidt-Rutsch: Zur Kanaldiskussion im 19. Jahrhundert, Muenster, 14.11.2016
Kleine, Pia
Pia.Kleine at lwl.org
Mi Nov 9 18:12:45 CET 2016
Von: "Christine Schedensack" <christine.schedensack at lwl.org>
Datum: 9.11.2016, 16:18
AKTUELL
Vortrag von Dr. Schmidt-Rutsch: "Die Provinz Westphalen ist von einer großen volkswirthschaftlichen Gefahr bedroht!" Zur Kanaldiskussion im 19. Jahrhundert, Münster, 14.11.2016
Die Geschichte der Industrialisierung ist auch eine Geschichte konkurrierender Verkehrssysteme. Der Siegeszug der Eisenbahn verdrängte die Binnenschifffahrt keineswegs. In Dortmund erschien 1856 eine Denkschrift, die eine Wasserstraße zwischen Rhein und Elbe forderte, um der Kohle des Ruhrgebiets neue Absatzwege zu öffnen. Sie markierte den Beginn der Kanaldebatten, die für die nächsten 50 Jahre in Westfalen und dem Ruhrgebiet geführt wurden und erst mit der Eröffnung des Rhein-Herne-Kanals 1914 beendet waren.
Ausgehend von der Ruhrschifffahrt als industriellem Verkehrssystem des 18. Jahrhunderts stellt der Vortrag die Konzeptionen und Diskussionen um den Bau von Wasserstraßen in Westfalen vor. Ideen, den Eisenbahnen Kanäle als Verkehrswege für Massengüter zur Seite zu stellen, führten Mitte des 19. Jahrhunderts zu engagierten Debatten, die sich nicht nur um die besten Trassenführungen drehten, sondern vielmehr eine Auseinandersetzung um traditionelle und moderne Verkehrskonzepte waren.
Ging es zunächst um die Frage, ob eine "Kanalisierung des Hellwegs" oder ein vom Rhein ausgehender kilometerlanger "Industriehafen" die wirtschaftlichen Entwicklung der Region besser fördern würde, fiel die Entscheidung schließlich zwischen der Anbindung des Ruhrgebiets über den Mittellandkanal an Rhein und Elbe und dem Dortmund-Ems-Kanal als preußischem Weg zur Nordsee.
In der Kanaldebatte spiegeln sich innerhalb sich rasant verändernder Gesellschaftsstrukturen diverse Interessengruppen, aber auch regionale und staatliche Zielsetzungen. Neben bekannten "Industriepionieren" wie Friedrich Harkort und William Thomas Mulvany werden auch unbekanntere Persönlichkeiten wie der Unterzeichner der ersten Kanaldenkschrift Carl von Hartmann oder der Berghauptmann August von Schönaich-Carolath vorgestellt, die ebenso wesentlich auf die Gestaltung des westdeutschen Kanalsystem Einfluss genommen haben wie die Wasserbautechniker Karl Michaelis oder Leo Sympher. Nicht zuletzt wird die Rolle Münsters im Kontext dieser Diskussionen behandelt.
INFO
Veranstaltungsdaten:
"Die Provinz Westphalen ist von einer großen volkswirthschaftlichen Gefahr bedroht!"
Zur Kanaldiskussion im 19. Jahrhundert
Referent: Dr. Olaf Schmidt-Rutsch (LWL-Industriemuseum)
Datum: 14.11.2016, 19.00 Uhr
Ort: Plenarsaal des Landeshauses
Freiherr-vom-Stein-Platz 1
48147 Münster
Der Eintritt ist frei.
Kontaktdaten:
Christine Schedensack
Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Münster
Fürstenbergstraße 15
Tel.: 0251-5915972
E-Mail: christine.schedensack at lwl.org
URL: www.altertumsverein-muenster.de
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