[WestG] [AKT] 200 Jahre Kreis Coesfeld, Teil 3: Obstbau, Stromversorgung und "Impfgeschaeft"

Pattberg, Julia Julia.Pattberg at lwl.org
Fr Apr 1 09:09:36 CEST 2016


Von: "pressestelle at kreis-coesfeld.de" <pressestelle at kreis-coesfeld.de> 
Datum: 23.03.2016, 10:51


AKTUELL

200 Jahre Kreis Coesfeld, Teil 3: Obstbau, Stromversorgung und "Impfgeschäft"
 
Der Spätsommer 1912 war nass, die Haferernte katastrophal! So steht es zumindest übereinstimmend in den Verwaltungsberichten der Kreise Coesfeld und Lüdinghausen, damals vornehm "Berichte über den Stand und die Verwaltung der Kreiskommunalangelegenheiten" genannt. Die Berichte waren durch die neue Kreisordnung für die Provinz Westfalen vom 31. Juli 1886 verpflichtend geworden. 70 Jahre nach der Einrichtung der Kreise brachte sie ihnen nicht nur mehr bürokratische Pflichten, sondern durch die Bildung von Kreisausschüssen maßgebliche Kompetenzen im Bereich der kommunalen Selbstverwaltung. 
                                             
Die "Landeskultur", die zu den Selbstverwaltungsaufgaben der Kreise zählte, hatte für die Kreise Coesfeld und Lüdinghausen als landwirtschaftlich geprägte Kreise eine große Bedeutung. Ziel war die Steigerung der landwirtschaftlichen Erträge im Getreide-, Gemüse- und Obstanbau. Der Sommer 1912, zwei Jahre vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, war im Münsterland zum Glück nur teilweise verregnet: Die Kartoffel- und Gemüseernte war gut, die Obsternte fiel sogar sehr gut aus. Zur Förderung des Obstbaus teilten sich damals meistens mehrere Kreise einen Obstbaufachmann. Im Kreis Coesfeld war seit dem 01. Juli 1911 ein Kreisobstbauinspektor tätig, der auch für die Kreise Ahaus, Borken und Steinfurt zuständig war. Am 01. April 1912 löste Kreisobstbauinspektor Mey in Burgsteinfurt seinen Vorgänger Kempin ab. In den Kreisen Lüdinghausen, Warendorf und Münster war 1912 ein gemeinsamer Obstbautechniker tätig. Der Anstellungsvertrag, der zwischen den drei Kreisen einerseits und dem Obstbauverband für Westfalen und Lippe in Herford andererseits geschlossen worden war, wurde zum 01. April 1913 aufgelöst. Im Kreis Lüdinghausen wurde daraufhin der "Anstaltsgärtner" der Landwirtschaftsschule in Lüdinghausen, Krings, mit der Aufgabe betraut. Er hatte Obstpflanzungen zu besichtigen, Kurse zu veranstalten, Vorträge zu halten und Behörden und Bürger zu beraten. 
 
Eine weitere dringliche Aufgabe zu jener Zeit war die Versorgung der Kreise mit Elektrizität. Der Lüdinghauser Bericht vom 01. April 1912 bis 31. März 1913 erläutert dazu, dass die Stromversorgung zügig vorangeht: "Versorgt sind die Gemeinden Olfen, Bockum, Hövel, Selm  und ein Teil der Landgemeinde Werne. In Vorbereitung, sodaß die Fertigstellung bis Herbst erfolgen wird, befinden sich die Gemeinden Nordkirchen, Seppenrade und Lüdinghausen." Der Coesfelder Bericht für das Rechnungsjahr 1912 enthält keine Angaben zur Elektrifizierung. 
 
Viel Raum nimmt in den Berichten das Gesundheitswesen ein, die gesundheitlichen Verhältnisse in den Kreisen sollten durch gezielte medizinische Maßnahmen stetig verbessert werden. Dazu zählte das "Impfgeschäft", das in den Kreisen Coesfeld und Lüdinghausen durch den Kreisarzt und durch vom Kreisausschuss bestellte Privatärzte ausgeübt wurde. Der "Kreisarzt" war durch das so genannte Kreisarztgesetz 1899 eingeführt worden. Er sollte sich auf Aufforderung der Behörden gutachtlich zu allen Fragen des Gesundheitswesens äußern und konnte auf Ersuchen  an den Sitzungen des Kreisausschusses und des Kreistags teilnehmen. Damit wurde das bereits mit Schaffung der Provinz Westfalen 1815 eingeführte königlich preußische Gesundheitswesen mit der Stelle eines "Kreisphysicus" grundlegend reformiert.


Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte