[WestG] [AKT] Vom Stahl der Kelten zum Silber der Koelner - Archaeologie der Bergbauregion Siegerland von der Jungsteinzeit bis in das 18. Jahrhundert, Muenster, 27.10.2015
Pattberg, Julia
Julia.Pattberg at lwl.org
Mo Okt 26 11:04:31 CET 2015
Von: "Christine Schedensack" christine.schedensack at lwl.org
Datum: 26.10.2015, 09:11
AKTUELL
Vortrag: Vom Stahl der Kelten zum Silber der Kölner - Archäologie der Bergbauregion Siegerland von der Jungsteinzeit bis in das 18. Jahrhundert
Dr. Manuel Zeiler (Olpe)
Dienstag, 27.10.2015 (19.00 Uhr s.t.)
Westfalen ist vor allem durch den Steinkohlebergbau und die Hochöfen des Ruhrgebietes eine der bekanntesten Montanregionen der Welt und das Berg- und Hüttenwesen prägte weite Teile des Landes bis heute. Doch die Bedeutung von Bergbau und Erzverhüttung für die Landesgeschichte ist noch viel größer: Archäologische Untersuchungen zum frühen Montanwesen (Montanarchäologie) im westfälischen Mittelgebirgsraum erbrachten vor allem in den letzten Jahren aufsehenerregende Erkenntnisse. Sie zeigen den Beginn der Rohstoffgewinnung im Siegerland seit dem 5. Jahrtausend vor Christus auf. Während dieser Epoche der frühen Bauern (Jungsteinzeit) war die landwirtschaftlich unattraktive Mittelgebirgsregion mit ihrem rauen Klima und den schweren Böden nicht besiedelt. Saisonal suchten aber kleine Gruppen die Region auf, um Hämatiterz zu gewinnen, woraus sie Farbpigmente gewannen.
Während der Eisenzeit im 3. Jahrhundert v. Chr. rückte das Siegerland an den Rand der keltischen Welt, denn von dort kamen spezialisierte Berg- und Hüttenleute, die die Region erstmals massiv aufsiedelten. Es entstand eine einheitlich organisierte Montanlandschaft mit standardisierten Betrieben, in denen die größten Verhüttungsöfen ihrer Zeit in Europa rauchten. Für das erste Jahrhundert v. Chr. lässt sich sogar eine Differenzierung des Wirtschaftsraumes nachweisen, denn die weiterverarbeitenden Betriebe werden an den Rand der Region mit ihren Hüttenbetrieben ausgelagert. Durch die Menge der Montanfundstellen, ihre häufig sehr gute Erhaltung und ihr Forschungsstand, ist heute die keltenzeitliche Bergbaulandschaft Siegerland eine vorgeschichtliche Montanregion von europäischer Bedeutung. Mit dem Untergang der keltischen Zivilisation erlischt sie aber um Christi Geburt und die Region wurde für mehrere hundert Jahre weitgehend wieder verlassen. Die Verhüttungstechnologie im eisenzeitlichen Siegerland war auf einem hohen Stand. Erst wieder im Spätmittelalter wurden Ofenanlagen gebaut, die in der Lage waren, solch große Mengen an Eisen bzw. Stahl zu produzieren wie in der Eisenzeit.
Durch das Entstehen und Aufblühen der Stadtkultur im Mittelalter wuchs die Nachfrage zunächst nach dem Bau- und Gerätemetall Eisen und rasch auch nach Kupfer sowie dem Münzmetall Silber stark an. Dies führte zur zweiten großen Bergbauphase des Siegerlandes und die Region erlebte neuerlich eine Aufsiedlung. Während die oberflächennahen Vorkommen des Eisens zunächst noch im Tagebau gebrochen werden konnten, mussten zur Gewinnung von Kupfer und Silber Schächte und Stollen angelegt werden, um die begehrten Erze im Tiefbau zu finden. Nur vergleichbar mit dem sächsischen Erzgebirge sind im Siegerland sogar einige Abschnitte dieser alten Bergwerke erhalten. Die Bedeutung vor allem der Silberbergwerke liegt aber nicht nur in ihrer großen Aussagekraft für die Wirtschaftsgeschichte, sondern auch für die Territorialgeschichte. Denn die begehrten Erzvorkommen waren Streitgegenstand der politischen Gewalten. Bergwerke wurden mit Burgen bewacht oder beschützt und darüber hinaus führte die Suche und Sicherung der Erzvorkommen erstmals zur territorialen Erschließung der Region.
Der Vortrag beginnt um 19.00 Uhr im:
Plenarsaal des Landeshauses
Freiherr-vom-Stein-Platz 1
48147 Münster
Der Eintritt ist frei.
INFO
Kontakt:
Christine Schedensack
Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Münster
Fürstenbergstraße 15
48147 Münster
Tel.: 0251-591 5972
E-Mail: christine.schedensack at lwl.org
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