[WestG] [WWW] "Die Briefe kontrastieren die offizielle Kriegsberichterstattung" - Studierende edieren Feldpost aus Erstem Weltkrieg

Pawlitta, Pascal Pascal.Pawlitta at lwl.org
Mo Jun 8 09:12:48 CEST 2015


Von: "Pressestelle der WWU Münster" <pressestelle at uni-muenster.de>
Datum: 05.06.2015, 12:00


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"Die Briefe kontrastieren die offizielle Kriegsberichterstattung" - Studierende edieren Feldpost aus Erstem Weltkrieg: Im Feldpost-Blog einsehbar

Briefe von der Front waren für zahlreiche Soldaten die letzte Verbindung in ihr eigentliches Leben. Insgesamt wurden allein während des Ersten Weltkriegs rund 28,7 Milliarden Briefe und Karten von den Schlachtfeldern in die Heimat und in umgekehrter Richtung verschickt. Bei zwei Seminaren haben rund 70 Studierende am Historischen Seminar der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) zwei bislang unedierte Quellensammlungen mit Hunderten Briefen bearbeitet und kommentiert. Sie stammen von der Ostfront von Heinrich Echtermeyer aus Halverde im Tecklenburger Land (Kreis Steinfurt) und von der Westfront von August Jasper aus Kattenvenne in derselben westfälischen Region.

Die Briefe sind innerhalb des Blogportals http://feldpost.hypotheses.org seit Anfang Juni bis Oktober dieses Jahres zu finden. Jeweils montags, mittwochs und freitags werden weitere Ergebnisse der Quellenanalysen in etwa zweieinhalb- bis fünfseitigen Kommentaren der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Blogportal arbeitet nach eigenen Angaben nicht-kommerziell für die deutschsprachigen Geistes- und Sozialwissenschaften.

Anders als in zahlreichen Feldpost-Editionen, in denen sich oftmals nur ein oder zwei Briefe aus derselben Feder finden, erklärt Historiker Dr. Alexander Kraus zur Bedeutung des Projekts, stellten die studentischen Forscher Hunderte Briefe in etwa sechzig themenspezifischen Kommentaren vor. Insgesamt sind es mehr als 700 überwiegend lange Briefe und Bildpostkarten des damals 28-jährigen August Jasper aus vier Kriegsjahren an seine Ehefrau Bernhardine und seine beiden Kinder. Dazu kommen rund 60 Feldpostkarten und wenige Briefe des damals 41-jährigen Landwirts Heinrich Echtermeyer, die er an seinen Bruder Bernhard schrieb.

Neben der wissenschaftlichen Arbeit zur Quellenedition mussten sich die Studierenden in das spezielle Thema "Quellengattung Feldpostbrief" und die Transkription von Texten - geschrieben in deutscher Kurrentschrift - einarbeiten. Zur Bewertung der Feldpost sagt Alexander Kraus, wissenschaftlicher Mitarbeiter des "Schreiblabors Geschichte" der WWU: "Die Briefe kontrastieren die offizielle Kriegsberichterstattung durch individuelle Perspektiven auf Frontalltag und Kriegserleben. Sie lassen uns teilhaben an Stimmungs- wie Meinungswechseln, kehrten doch zahlreiche Soldaten damals als überzeugte Kriegsgegner zurück."


URL: http://feldpost.hypotheses.org


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