[WestG] [AKT] Erinnerungskultur: LWL erforscht die westfaelische Kriegs- und Nachkriegsgesellschaft von 1938 bis 1948

Nolte, Kathrin Kathrin.Nolte at lwl.org
Fr Okt 31 09:46:51 CET 2014


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 29.10.2014, 10:15


AKTUELL

Erinnerungskultur: LWL erforscht die westfälische Kriegs- und Nachkriegsgesellschaft von 1938 bis 1948

Wie erlebten die Menschen in Westfalen die Zeit des Zweiten Weltkrieges, das Kriegsende und die Nachkriegszeit? Wie nahmen Einheimische, Flüchtlinge und Vertriebene die Folgen des Krieges unter alliierter Herrschaft wahr? Wie veränderten sich die Erinnerungen an die "guten" und "schlechten" Jahre im Laufe der Zeit? Diesen Fragen widmet sich der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) mit dem Projekt "(Nach-) Kriegsgesellschaften 1938 - 1948". Das LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte erforscht die Einflussnahmen und die Nachwirkungen des Nationalsozialismus sowie die Lebensverhältnisse der Bevölkerung.

"Wir wählen die Mikroperspektive, um die städtischen und ländlichen Eigenheiten, Traditionen und Institutionen in Westfalen zu untersuchen", sagt LWL-Historiker Dr. Matthias Frese, der zusammen mit Dr. Julia Paulus das Projekt leitet. Behandelt werden unter anderem der Alltag der deutschen Zivilgesellschaft, die Veränderungen durch den Krieg an der Heimatfront sowie der Umgang mit Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern. "Wir interessieren uns besonders für die Erfahrungen des Bombenkrieges, den Übergang in die Nachkriegszeit und die Veränderungen durch die Besetzung der Alliierten", erklärt Paulus.

Die Quellengrundlage bilden "Ego-Dokumente" unterschiedlicher Art wie Erinnerungsberichte, Briefe, Schüleraufsätze und zeitgenössische Chroniken. Ein Schwerpunkt des Projektes ist die Auswertung mehrerer Interviewbestände in Kommunalarchiven des Münsterlandes, die seit den 1970er Jahren entstanden sind. Die Äußerungen über die Zeit zwischen 1938 und 1948 sollen quellenkritisch hinterfragt und als zeitgebundene Erinnerungen Ernst genommen werden. "Dabei suchen wir auch nach Dingen, die entweder besonders betont oder ausgelassen wurden", so die Forscher zum Umgang mit den persönlich geprägten Dokumenten.

Ein erster Workshop wird sich im kommenden Jahr mit der Überlieferung von Interviewbeständen in westfälischen Archiven und den Problemen der Sekundäranalyse beschäftigen. Studierende haben schon im Sommer erste Quellenbestände im Rahmen eines Projektseminars an der Universität Münster erfasst. Diese Arbeit wird im Wintersemester fortgesetzt.


Kontakt
LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte
Karlstr. 33
48147 Münster


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