[WestG] [KONF] Tourismusueberlieferung als historische Quelle: Workshop des LWL-Archivamtes fuer Westfalen und des LWL-Instituts fuer westfaelische Regionalgeschichte
Pawlitta, Pascal
Pascal.Pawlitta at lwl.org
Mi Jul 9 10:04:32 CEST 2014
Von: "Kathrin Nolte" <kathrin.nolte at lwl.org>
Datum: 09.07.2014, 10:00 Uhr
KONFERENZ
Tourismusüberlieferung als historische Quelle: Workshop des LWL-Archivamtes für Westfalen und des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte
"Der Reisende ist immer noch ein Unbekannter", stellte Dr. Matthias Frese, Mitarbeiter am LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte, beim Workshop "Tourismusüberlieferung als historische Quelle - Touristiker, Archive und Forschung im Diskurs" im Landeshaus des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) fest. Bei der Kooperationsveranstaltung des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte und des LWL-Archivamts für Westfalen diskutierten Archivare, Historiker und Touristiker am Mittwoch, 2. Juli, über Bedeutung, Quellenlage und Forschungsperspektiven der Tourismusbranche. Ein Ergebnis des Workshops: "Es gibt noch sehr viele Defizite", resümierte Katharina Tiemann vom LWL-Archivamt für Westfalen.
Denn die bisher vorhandenden Quellen seien zum einen lückenhaft und zum anderen häufig ein Zufallsfundus. Da die Tourismusüberlieferung in den nichtamtlichen Bereich der Archive falle, erfolge die Abgabe von Unterlagen auf freiwilliger Basis. Deshalb sei es wichtig, ein Bewusstsein für die Notwendigkeit der Archivierung bei den betroffenen Akteuren zu schaffen, betonte Tiemann. Der Geschäftsführer von Sauerland-Tourismus e.V., Thomas Weber, verwies auf die Kurzlebigkeit der Branche, die dazu führen könne, dass das Material der "ersten Stunde" nicht mehr vorhanden sei und achtlos vernichtet würde. Auch die Zuständigkeiten, welches Archiv Dokumente übernehme und wer den Bestand dann weiter pflege, seien oft nicht geklärt. Aus diesem Grund machte Weber in seinem Vortrag den Vorschlag, zukünftig ein aufeinander abgestimmtes System der Aufbewahrung zu entwickeln.
In den Diskussionen der Teilnehmer wurde schnell deutlich, dass in zahlreichen Fällen nicht klar ist, was als Archivgut dauerhaft aufbewahrt werden sollte und was nicht. Einigkeit bestand darin, dass neben Unterlagen, die die Struktur und die Aufgaben der Einrichtung abbilden wie beispielsweise Strategiepapiere und Konzepte, auch Sammlungsgut in Form von Prospekten, Plakaten, Postkarten, Fotos und Filme Aufschluss über die Entwicklung des Tourismus geben können. Ein weiteres heterogenes Überlieferungsfeld sind persönliche Reiseerinnerungen wie Fotoalben, private Videos und Reiseberichte.
Als Beispiele für eine gut strukturierte Überlieferung in Kommunalarchiven wurden Detmold und Hilchenbach vorgestellt. In beiden Fällen gibt es breite Bestände seit der Gründung der jeweiligen Fremdenverkehrsämter und -vereine in den 1920er Jahren. Sowohl Dr. Bärbel Sunderbrink vom Stadtarchiv Detmold als auch Reinhard Gämlich vom Stadtarchiv Hilchenbach schilderten in ihren Vorträgen, dass die Abgaben in diesen beiden Orten selbstverständlich erfolgen. Gämlich wies daraufhin, dass ein direkter Kontakt zwischen Fremdenverkehrsorganisation und Archiv aus seiner Erfahrung heraus hilfreich für eine gewinnbringende Zusammenarbeit sei.
Am Ende des Workshops waren sich die Teilnehmer einig, dass eine systematischere Aufbewahrung von touristischen Quellen erfolgen sollte, um eine breite Grundlage für zukünftige Forschungen zu schaffen und zu erhalten. Dabei spielen Infrastruktur, Vernetzung und Kooperationen eine zentrale Rolle. Der Workshop "Tourismusüberlieferung als historische Quelle - Touristiker, Archive und Forschung im Diskurs" versteht sich in diesem Prozess als Auftaktveranstaltung für eine weitere inhaltliche Auseinandersetzung. Angedacht ist beispielsweise die Erörterung des Themas im Rahmen des Deutsch-Niederländischen Archivsymposiums oder eines Westfälischen Archivtages. Die Beiträge des Workshops werden im kommenden Jahr publiziert.
Workshop-Programm:
10.00 Uhr Begrüßung
Dr. Barbara Rüschoff-Thale (LWL-Kulturdezernentin)
10.15 Uhr Einführungsvortrag
Dr. Matthias Frese (LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte, Münster) Historische Tourismusforschung: Bedeutung, Quellenlage, Forschungsperspektive
11.15 Uhr Kaffeepause
Sektion 1: Tourismusförderung in NRW heute - Quellen für die Forschung von morgen?
Moderation: Katharina Tiemann (LWL-Archivamt für Westfalen, Münster)
11.30 Uhr Christian Stühring (Tourismus NRW e.V., Düsseldorf)
Zentral - regional - lokal: Institutionelle Tourismusförderung in NRW - Organisationsstrukturen und Vernetzung
12.15 Uhr Thomas Weber (Sauerland-Tourismus e.V., Schmallenberg)
Aufgaben regionaler Tourismusverbände und deren Überlieferung am Beispiel des Vereins Sauerland-Tourismus
13.00 Uhr Mittagsimbiss
Sektion 2: Die Rolle der Archive bei der Überlieferungssicherung
Moderation: Dr. Thomas Küster (LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte, Münster)
14.00 Uhr Überlieferungsbildung in Kommunalarchiven:
Dr. Bärbel Sunderbrink (Stadtarchiv Detmold)
Im Schatten des Hermannsdenkmals. Bedeutung und Überlieferung des Detmolder Fremdenverkehrs
Reinhard Gämlich (Stadtarchiv Hilchenbach)
Fremdenverkehr in Hilchenbach und seine Überlieferung im Stadtarchiv
15.00 Uhr Dr. Ralf Springer (LWL-Medienzentrum für Westfalen, Münster) Bedeutung von AV-Medien für die Tourismusforschung am Beispiel der Überlieferung des LWL-Medienzentrums für Westfalen
15.45 Uhr Kaffeepause
16.00 Uhr Anette Gebauer-Berlinghof / Julia Emmy Rains (Landesarchiv NRW Abt. Rheinland, Duisburg)
Amtliche und nichtamtliche Quellen in staatlichen Archiven am Beispiel des Landesarchivs NRW
16.45 Uhr Schlussdiskussion
17.00 Uhr Ende der Veranstaltung
Kontakt
LWL-Archivamt für Westfalen
Tel.: 0251/591-3890
E-Mail: LWL-Archivamt at lwl.org
LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte
Tel.: 0251/591-5684
E-Mail: regionalgeschichte at lwl.org
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