[WestG] [AKT] Vortrag: Paulus, Briefe einer Soldatenheimschwester von der Ostfront an die westfaelische Heimatfront, Muenster, 28.04.2014
Pawlitta, Pascal
Pascal.Pawlitta at lwl.org
Mi Apr 23 11:50:46 CEST 2014
Von: "Christine Schedensack" <christine.schedensack at lwl.org>
Datum: 23.04.2014, 11:20
AKTUELL
Vortrag: Zwischen Kriegs- und Heimatfront im Zweiten Weltkrieg: Annette Schücking - Briefe einer Soldatenheimschwester von der Ostfront an die westfälische Heimatfront
Dr. Julia Paulus (Münster)
Montag, 28. April 2014, 19.00 Uhr (s.t.)
Der Vortrag widmet sich der in Kürze erscheinenden historisch-kritischen Edition von Feldpostbriefen von Annette Schücking(-Homeyer), die - aus einer traditionsreichen Münsteraner bildungsbürgerlichen Familie stammend und bereits ihr erstes juristisches Staatsexamen abgelegt hatte - zwischen 1941 und Januar 1943 als Soldatenheimschwester am Aufbau zweier Soldatenheime an der Ostfront (Zwiahel in der Ukraine und Krasnodar im Kaukasus) beteiligt war.
Bei diesem Konvolut handelt es sich um autobiografische Darstellungen in Briefform, die unter verschiedenen Aspekten gelesen werden können: Im Kontext ihres Einsatzes an der Front erscheinen die Inhalte der Briefe zuweilen als "Befreiungsakt" von engen geschlechtsspezifischen Rollenvorgaben, in denen die Rotkreuzschwestern als "Abenteuerinnen" stilisiert werden. Daneben lassen sich die Briefe auch als Texte der erstmaligen Begegnung mit dem ,Fremden' lesen. Zudem zeichnen sich die Briefe Annette Schückings dadurch aus, dass sich die Autorin stets mit dem Nationalsozialismus und dessen Antisemitismus auseinandergesetzt hatte und auch in ihren Briefen mit großer (kritischer) Reflektion und Offenheit über die Bedingungen an der Front spricht.
Die nach und nach immer stärker einsetzende Identifikation mit zum Teil stereotypen (Vor-)Urteilen über den Kriegsverlauf, Tätigkeiten von Partisanen oder die Requirierung jüdischen Eigentums zeigt demgegenüber die Bedeutung des Faktors ,Zeit': Je länger die damals Anfang 20jährige Annette Schücking in den Soldatenheimen an der unmittelbaren Ostfront arbeitete, umso weniger entzog auch sie sich der völkischen Rhetorik.
Von besonderem Interesse für die Forschung ist darüber hinaus die Tatsache, dass das Konvolut der Schücking-Briefe im Gegensatz zu den meisten bisherigen Feldpostbriefeditionen nicht nur Briefe von der Front nach Hause enthält, sondern auch die Briefe der Eltern von der münsterländischen ,Heimatfront' überlieferte, was diese Briefe zu einem (fast) geschlossenen Dialog werden lässt.
Der Vortrag beginnt um 19.00 Uhr im:
Plenarsaal des Landeshauses
Freiherr-vom-Stein-Platz 1
48147 Münster
Der Eintritt ist frei.
INFO
Kontakt:
Christine Schedensack
Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Münster
Fürstenbergstraße 15
48147 Münster
Tel.: 0251-5915972
E-Mail: christine.schedensack at lwl.org
URL: www.altertumsverein-muenster.de
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