[WestG] [AKT] Nachlese zur Tagung "Das MUltikommunale ZentraldepoT (MUT) - Neue Wege des Sammlungsmanagements für Westfalen-Lippe"

Pascal Pawlitta Pascal.Pawlitta at lwl.org
Mi Mai 22 09:45:42 CEST 2013


Von: "Dr. Silke Eilers" <silke.eilers at lwl.org>
Datum: 16.05.2013, 11:36
 
 
AKTUELL
 
Nachlese zur Tagung
 
"Das MUltikommunale ZentraldepoT (MUT) - Neue Wege des Sammlungsmanagements für Westfalen-Lippe"
 
am 13. Mai 2013 von 9 bis 17.00 Uhr im Historischen Museum der Stadt Bielefeld, Ravensberger Park 2, 33607 Bielefeld 
 
Veranstalter: LWL-Museumsamt für Westfalen in Kooperation mit dem Historischen Museum Bielefeld,
unterstützt von der Museumsinitiative in OWL e.V.
 
Unter dem Titel "Das MUltikommunale ZentraldepoT (MUT) - Neue Wege des Sammlungsmanagements für Westfalen-Lippe" hat am 13. Mai 2013 im Historischen Museum Bielefeld eine Tagung für Museumsfachleute und Kulturakteure stattgefunden. An der Veranstaltung des LWL-Museumsamtes für Westfalen in Kooperation mit dem Historischen Museum Bielefeld nahmen ca. 85 Interessierte aus ganz Westfalen-Lippe teil. Die Tagung fand auch überregional Beachtung, da sie ein grundlegendes wie akutes Thema in der Kulturlandschaft aufgegriffen hat - den nachhaltigen Schutz musealer Sammlungen.
 
Sammeln zählt neben Bewahren, Ausstellen, Forschen und Vermitteln zu den Kernaufgaben eines Museums. Museumssammlungen sind nicht nur das Herzstück eines Museums, sie sind unser gegenständliches kulturelles Gedächtnis. Die Frage, wie dieses kulturelle Erbe in Museumsdepots adäquat gesichert werden kann, stellt Museen in Zeiten knapper werdender Kassen und eines rasanten gesellschaftlichen Wandels allerdings mehr denn je vor große Herausforderungen. 
 
Die Erfahrungen aus der Beratungstätigkeit des LWL-Museumsamtes für Westfalen zeigen, dass die Depotsituation insbesondere für kleine und mittlere Museen ein Problem ist. Fehlende personelle, räumliche und finanzielle Kapazitäten erschweren einen adäquaten Umgang mit den eigenen Sammlungsbeständen.
 
Ein Lösungsansatz könnten hier interkommunale Zentraldepots bieten, welche die Bestände mehrerer Museen sach- und fachgerecht beheimaten. "Als innovative Gemeinschaftsprojekte könnten sie den Kulturgutschutz in der Region fördern und dabei helfen, die Museen zu vernetzen" - so Dr. Silke Eilers vom LWL-Museumsamt, Initiatorin der Veranstaltung, in ihrem Einführungsvortrag. 
 
Kommunalübergreifende Zentraldepots sind in Westfalen-Lippe wie auch in Deutschland nahezu Neuland, das mit vielen Fragen und Problemen, aber auch emotionalen Widerständen verbunden ist. Die europäischen Nachbarn sind da zum Teil bereits weiter.
 
Die Tagung wollte für dieses Thema sensibilisieren und erste Einblicke in diese Form der Museumszusammenarbeit geben. Namhafte Referentinnen und Referenten befassten sich mit einer Kosten-Nutzen-Analyse eines derartigen Projektes und seinen Chancen für eine dezentrale Kulturarbeit. Der Präsident des Deutschen Museumsbundes Dr. Volker Rodekamp war eigens aus Leipzig angereist, um über den Stellenwert von Museumssammlungen und Perspektiven interkommunaler Zentraldepots zu sprechen. Börries von Notz, Geschäftsführender Direktor der Stiftung Jüdisches Museum Berlin, stellte Überlegungen zu Rechtsformen und Trägerschaft an. Prof. Dr. Oliver Rump erläuterte organisatorische und personelle Aspekte. Dipl. Rest. Lars Klemm vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik präsentierte das innovative Konzept eines modularen Depots. Lars Springer vom LWL-Medienzentrum zeigte anhand des Beispiels LWL-Filmarchiv, wie eine kommunale Partnerschaft im Kulturbereich funktionieren kann. 
 
In der Nachmittagssektion beschäftigte sich Dr. Günter Bernhardt vom LWL-Museumsamt mit Sammlungskonzepten. Manfred Hartmann führte zum Thema Objektdokumentation aus und Stephan Brunnert - beide ebenfalls vom Museumsamt - stellte statistische Erhebungen zur Depotsituation in OWL vor. Bettina Rinke von der Museumsinitiative in OWL ging auf die Frage ein, ob Zentraldepots Vorteile für Ausstellungen bieten. Zum Abschluss der Tagung beleuchtete der Leiter des Historischen Museums Bielefeld und Mitveranstalter der Tagung Dr. Wilhelm Stratmann Geschichte und Perspektiven des Zentraldepots im Bielefelder Lenkwerk.
 
In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass die Einrichtung interkommunaler Zentraldepots durchaus auf ein geteiltes Echo in der Museumsszene stößt. Auf der einen Seite stehen die Vorteile wie eine verbesserte Infrastruktur, eine Verteilung von Risiken und Kosten sowie eine Reduzierung von Schadensfaktoren. Auf der anderen Seite werden Nachteile ins Feld geführt, wie eine eingeschränkte Verfügbarkeit der Objekte und mögliche lange Wege zum Exponat.
 
Abschließend waren sich dennoch alle einig, dass es sich lohnt, das Thema noch weiter zu vertiefen. Dazu sind Workshops in Planung, welche die verschiedenen Akteure aus Museen und Kulturpolitik direkt miteinander ins Gespräch bringen sollen. 
 
Der Weg zum interkommunalen Zentraldepot wird sicherlich noch ein weiter, mit intensiver Überzeugungsarbeit verbundener sein - doch vielleicht haben die beteiligten Akteure den MUT, diesen neuen, kreativen Weg der Bestandssicherung zu gehen. Ein erster Schritt in diese Richtung ist getan.
 
Die Tagungsbeiträge werden in der Materialienreihe des LWL-Museumsamtes für Westfalen veröffentlicht.
 
 
INFO
 
Kontakt: 
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Tel.: 0251/591-4663 
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