[WestG] [LIT] Muenster, Dokumentation zu Denkmaelern und Kriegsgraebern

Marcus Weidner Marcus.Weidner at lwl.org
Di Mai 7 09:10:33 CEST 2013


Von: "Stadt Muenster" <info at presse-service.de>
Datum: 07.05.2013, 09:05


LITERATUR

Begleiter durch die Gedenklandschaft der Stadt 
Stadtarchiv stellt Dokumentation zu Denkmälern und Kriegsgräbern vor / Vom Heldengedenken zum Mahnmal

Sie prägen das Stadtbild, täglich sehen und übersehen wir sie - Denkmäler und Ehrenmale. Auf sie lenkt jetzt die jüngste Dokumentation des Stadtarchivs „Erinnern im öffentlichen Raum“  das Augenmerk. Es ist ein übersichtlich mit kurzen Texten, Bildern und Karten gestalteter hoch informativer Begleiter durch die reiche Gedenklandschaft der Stadt. Er führt an vergessene Orte des Erinnerns ebenso wie zu allgegenwärtigen Zeitzeugen, reicht von der kleinsten Gedenktafel bis zum auffälligen Monument. Und er lädt ein, sich auf die Suche vor Ort zu begeben.

Zwischen dem ältesten Gedenkstein der Stadt, einer Tafel für die Gefallenen der Schlacht von Varlar an der Apostelkirche, und dem jüngsten Denkmal liegen über 500 Jahre. Zuletzt wurde 2010 der Stein zur Erinnerung an Menschen, die während des Zweiten Weltkriegs in Hiltrup Zwangsarbeit leisten mussten,  aufgestellt. Diese Zeitspanne dokumentiert die aufschlussreiche und mit vielen Farbfotos versehene Arbeit von Anja Gussek (Stadtarchiv) und Fritz von Poblotzki. Sie ist das Ergebnis eines mehrjährigen Projektes.


Zwangsarbeiter in Handorf: Neues aus einer privaten Chronik

Kein Jahrhundert brachte mit seinen zwei Weltkriegen so viele Erinnerungsstätten hervor wie das vergangene. Die  vielen öffentlichen Gedenkstätten für die Opfer werden ergänzt durch Formen privater, individueller Trauer, wie sie in Erinnerungen an Gefallene auf Hofkreuzen zum Ausdruck kommt. Ein Drittel des Überblicks widmet sich den Kriegsgräberstätten und -gräbern auf den Friedhöfen in Münster. Zum Ehrenfriedhof für sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in Handorf-Dorbaum gibt es neue Informationen aus einer privaten Chronik. Der Leser erfährt, wann und in welcher Anzahl sowjetische Zwangsarbeiter in Handorf waren.

Die beiden Autoren haben nahezu alle öffentlichen, frei stehenden  Denkmäler, Erinnerungs- und Gedenkorte  sowie Grabstätten und Friedhöfe in Zusammenhang mit kriegerischen, gewaltvollen Auseinandersetzungen und Ausgrenzungen systematisch erfasst, eingeordnet und beschrieben. Anja Gussek und Fritz von Poblotzki  vermitteln die Motive zum Bau der Gedenkstätten, die  historischen Hintergründe, geben Hinweise zu den Initiatoren und zur Gestaltung. Dokumentiert wurden oftmals verblasste Inschriften und teilweise auch die Namen der Kriegsopfer.

Das öffentliche Gedenken gilt den Menschen, deren Leben gewaltsam durch Kriege und Gewaltakte beendet wurde. Dazu zählen auch die namenlosen Opfer, die ausgesondert, ermordet oder durch Zwangsarbeit vernichtet wurden. Auch diese Tode waren keine unvermeidlichen Unglücksfälle, sondern Ergebnis politischer Entscheidungen.

Die Interpretation eines Denkmals kann sich - wie etwa beim Train-Denkmal am Ludgeriplatz - ändern, sogar das Denkmal selbst, beispielsweise durch Anbringung ergänzender Texttafeln. An den Inschriften von Krieger-Denkmälern lässt sich ablesen, dass anfangs die Heldenverehrung im Vordergrund stand. Jüngere Erinnerungsmale indes rücken die Opfer in den Mittelpunkt.

Zahlreiche Denkmäler in Münster sind im Laufe der Jahre unsichtbar geworden. Einige dienen einmal im Jahr als Stätte des Gedenkens, andere erregen immer wieder Aufmerksamkeit, wurden gar zum Stein des Anstoßes. Wie geht man mit ihnen um? Was soll für die Zukunft bewahrt werden? Jede Generation diskutiert dies anders. Auch in diesem Sinne ist die Dokumentation Basis für einen fundierten Dialog in der Stadtgesellschaft.


INFO

Dokumentation „Erinnern im öffentlichen Raum. Krieger-Denkmäler, Ehrenmale, Mahnmale und Kriegsgräberstätten in Münster“ von Anja Gussek und Fritz von Poblotzki; Reihe Das Stadtarchiv erinnert,  Münster 2013, 101 Seiten, 7.50 Euro. Erhältlich im Stadtarchiv und im Stadtmuseum Münster.




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