[WestG] [LIT] Crabus: Das Leprosorium der Stadt Muenster

Pascal Pawlitta Pascal.Pawlitta at lwl.org
Mo Apr 22 09:36:02 CEST 2013


Von: "Stadt Münster" <info at presse-service.de>
Datum: 19.04.2013, 12:05
 
 
LITERATUR
 
Das Leprosorium der Stadt Münster
Band 25 der Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Münster / Kinderhaus im Mittelalter 
 
An welchem Ort das erste Leprosorium in Münster lag, ist unbekannt. Wann genau in Kinderhaus das zweite Leprosenhaus gegründet wurde ebenso. Dennoch ist es Autor Mirko Crabus gelungen, im neuesten Band der Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Münster die mittelalterliche Geschichte des Leprosoriums zusammenzufassen und den Quellen neue Erkenntnisse zu entlocken. Der 25. Band der Reihe des Stadtarchivs ist soeben unter dem Titel "Kinderhaus im Mittelalter - Das Leprosorium der Stadt Münster" erschienen.
 
Bürger, die im Mittelalter an der ansteckenden Krankheit Lepra litten, wurden vor den Mauern der Stadt isoliert. Nichtbürger hingegen waren oft zu einem unsteten Wanderleben verurteilt.  Dies wurde nicht nur in Münster, sondern auch in anderen Städten so gehandhabt.
 
Wer jedoch im Leprosorium Aufnahme gefunden hatte, dessen Lebensunterhalt war auf gutem Niveau abgesichert. Dafür sorgten vor allem Einnahmen, die Kinderhaus aus Rentengeschäften bezog: Wie eine städtische Bank vergab das Leprosorium Kredite und profitierte von den Zinsen. Gerade in der Gründungsphase waren aber auch Schenkungen und Stiftungen reicher Bürger bedeutsam. So hatte etwa Goswin von Klanktorp den "Leprosen außerhalb der Stadtmauern" testamentarisch neun Mark vermacht. Erbmann Udo von der Tinnen kaufte den Idenbrockhof, um ihn später mitsamt einiger kleinerer Gehöfte den Leprosen zu vermachen.
 
Das Leprosorium war in die bäuerliche Umgebung gut integriert. So war der nahegelegene eigenhörige Hof Brüning, das heutige Gut Kinderhaus, zu Naturalabgaben verpflichtet. Andere Bauernhöfe mussten  ihrer Armut zum Trotz - den Zehnten abgeben.
 
Für die geistliche Versorgung der Kranken zeichnete ein Spitalgeistlicher verantwortlich. Die noch heute stehende Kirche dürfte allerdings wesentlich älter sein als bisher angenommen. Davon zeugt ein Aufruf von 1399 an die münstersche Bevölkerung, Bauarbeiten in Kinderhaus zu unterstützen.
 
Kinderhaus wies alle Kriterien auf, die für die Lage eines Leprosoriums typisch waren. Als Schutz vor Ansteckung lag es vor den Mauern der Stadt. Für das Sammeln von Almosen erwies sich die Nähe zu einer Handelsstraße als vorteilhaft. Und der nahe Kinderbach garantierte einen hohen hygienischen Standard.
 
Im 16. Jahrhundert war die Lepra stark zurückgegangen, im 17. Jahrhundert verschwand sie fast vollständig. Doch statt das Leprosorium wie in anderen Orten abzureißen, fand man eine neue Funktion: 1686 wurde in Kinderhaus ein Armenhaus eingerichtet. Rund um das ehemalige Leprosorium entwickelte sich die Siedlung Kinderhaus, heute ein Stadtteil Münsters. Eine wohl einzigartige Entwicklung, wie Autor Crabus feststellt.
 
 
INFO
 
Crabus, Mirko
Kinderhaus im Mittelalter - Das Leprosorium der Stadt Münster
(= Quellen und Forschungen der Stadt Münster, Band 25),
Münster (Aschendorff Verlag) 2013.


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