[WestG] [AKT] In Haltern sind Grabungshelfer ehrenamtlich den Zeugnissen der Geschichte auf der Spur
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Sep 20 11:44:37 CEST 2012
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 20.09.2012, 09:33
AKTUELL
In Haltern sind Grabungshelfer ehrenamtlich den Zeugnissen der
Geschichte auf der Spur
Für die einen ist es das Kribbeln in der Magengegend, wenn sie
die Geschichte spüren. Für die anderen gibt es keine bessere
Entspannung, als mit dem Kratzer in der Hand einem winzigen
Stück Keramik in der Erde näher zu kommen. Mancher erfüllt sich
als ehrenamtlicher Grabungshelfer auch schlicht einen lang
gehegten Traum. In Haltern investieren drei von ihnen ganz
bewusst ihre Freizeit in Erdschichten, in denen römische
Legionen ihre Spuren hinterlassen haben. Bei der Ausgrabung des
Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) leisten sie
wertvolle Unterstützung.
Ehrenamt mit Schaufel und Kelle oder auch mal eine Schubkarre
manövrierend: Das ist nicht nur in diesem Fall ein
gegenseitiges Geben und Nehmen. "Wir werden häufig von Menschen
in unserer wissenschaftlichen Arbeit unterstützt, indem sie an
einer Grabung teilnehmen und dadurch nebenbei auch etwas für
sich selbst tun", weiß Ausgrabungsleiterin Dr. Bettina Tremmel.
Während die kostenintensive Erforschung der historischen Spuren
im Erdreich engagierte und oft fachkundige Unterstützung von
den Ehrenamtlichen erhält, profitieren auch die
Hobby-Archäologen von ihrem Engagement..
In Haltern eint alle vor allem eine Gewissheit: Sie helfen
dabei, jene wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammenzutragen,
die für die originalgetreue Rekonstruktion der Bauten im
einstigen römischen Hauptlager unerlässlich sind. Ihre
Handschrift ist am Ende ein kleiner Mosaikstein, wenn an den
Originalorten im künftigen "Römerpark Aliso - Archäologische
Baustelle" ein Lagertor und weitere Gebäude wieder auferstehen.
Auch Ute Gröbe geht indirekt in die Halterner Geschichte ein,
wenn sie Tag für Tag mit ihren bloßen Händen dabei hilft, die
Spuren der Vergangenheit für die Nachwelt zu dokumentieren. Mit
Anfang 50 hat die gelernte medizinisch-technische Assistentin
eine Auszeit genommen, die sie mit ihrem großen Traum füllt:
Der Archäologie. "Außerhalb eines Büros an der frischen Luft zu
arbeiten, das tut mir gut und macht großen Spaß", sagt sie.
Dabei leistet die Erde in Haltern gerade wertvolle Dienste.
Statt auf dem Sofa in Archäologie-Sendungen andere zu bestaunen,
packt sie jetzt selbst mit an.
Dr. Jürgen Ruppert hat als Wasserwirtschaftler bereits alle
beruflichen Herausforderungen gemeistert. Er kennt die Lippe,
ihr Gebiet, die Grundzüge der Geologie und die Geschichte des
Raumes aus langjähriger beruflicher Tätigkeit gut. Jetzt geht
er der Geschichte selbst auf den Grund. Was ihn mit Tacitus
beim großen Latinum und beim Anblick des Hermannsdenkmals
bereits als Schüler in Detmold faszinierte, ergänzt er jetzt im
Ruhestand durch den handgreiflichen Umgang mit den Halterner
Sanden und dem Geschiebemergel, angereichert durch die Aussicht
auf römische Fundstücke. Am Ende seines einwöchigen Engagements
stellt er fest: "Ich wäre gern noch dabei, wenn auf der Grabung
ein schöner Fund geborgen wird."
Mit Erde und Boden hat Dr. Martin Preuschoff als Agraringenieur
ebenfalls beruflich viel zu tun. Seine private Begeisterung
gilt jedoch dem, was sich in der Erde verbirgt. "Archäologie
und Ausgrabungen sind schlicht interessant - keine Grabung
gleicht der anderen", hat er bei verschiedensten ehrenamtlichen
Grabungstätigkeiten beobachtet.
In Haltern kann Preuschoff seiner großen Begeisterung, den
Römern, eine Woche lang ganz nahe kommen. Das ist er ohnehin
schon über seine Mitgliedschaft im Förderverein des
LWL-Römermuseums. Das Schaufeln, Schieben der Schubkarre, das
Putzen des Planums oder das schrittweise maßstabsgetreue
Zeichnen eines Fundes: "Das ist für mich entspannend, fast
schon meditativ - es ist jedenfalls ein Ausgleich zum
Büroalltag."
Ehrenamtliche Grabungshelfer werden genauso in den
Grabungsablauf und die Arbeitsprozesse integriert wie die
übrigen Mitarbeiter. Sie bleiben so lang, wie ihre private Zeit
erlaubt. Für die LWL-Archäologie sind sie auch deshalb eine
wichtige Unterstützung, weil sie großes Interesse und
Begeisterung mitbringen - und weil sie wissen, dass sie mit
sensiblen und wertvollen Zeugnissen der Vergangenheit umgehen.
"Sie tragen außerdem die Erfahrungen, die sie mit der
Archäologie machen, nach außen und sensibilisieren andere für
den verantwortungsvollen und respektvollen Umgang mit den
Zeugnissen der Geschichte", weiß Dr. Bettina Tremmel.
Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte