[WestG] [AKT] LWL-Archaeologen dokumentieren in Warburg einmalige Erkenntnisse ueber die ersten Bauern und Viehzuechter der Linienbandkeramik-Kultur in Westfalen

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Sep 6 11:26:57 CEST 2012


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 05.09.2012, 13:23


AKTUELL

LWL-Archäologen dokumentieren in Warburg einmalige Erkenntnisse 
über die ersten Bauern und Viehzüchter der 
Linienbandkeramik-Kultur in Westfalen

Seine Entdeckung vor einem Jahr glich einer archäologischen 
Sensation. In ganz Westfalen war bis dahin kein Gräberfeld der 
frühesten mitteleuropäischen bäuerlichen Kultur bekannt. Dass 
in Warbug-Hohenwepel Zeugnisse der so genannten 
Linienbandkeramik-Kultur ans Tageslicht kamen, war deshalb eine 
echte Überraschung. Es sind die ersten Ergebnisse überhaupt 
über diese Kultur in Westfalen.Jetzt untersuchen die 
Wissenschaftler des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), 
wie die Menschen rund 5000 Jahre v. Chr. in Westfalen gelebt 
und wie sie ihre Toten bestattet haben.

Für Laien sind auf den ersten Blick nur Flecken im Boden zu 
sehen. Archäologen schlägt bei diesem Anblick jedoch das Herz 
höher. Denn was der Hohenwepeler Boden offenbart, birgt 
einmalige archäologische Erkenntnisse. "Auf der rund 1000 
Quadratmeter großen Grabungsfläche haben wir bislang mindestens 
20 Gräber der linienbandkeramischen Siedler entdeckt", 
schildert Ausgrabungsleiter Dr. Hans-Otto Pollmann. Dunkle 
Verfärbungen im Lößlehm zeigen ihre Lage an, allerdings nur 
noch bis in eine Tiefe von 20 bis 30 Zentimetern. Sie sind in 
rechteckige Grabgruben eingebettet, die bis zu 1,50 Meter lang 
und 0,50 Meter breit sind.

Fast vollständig verschwunden sind allerdings die Überreste der 
Menschen.. Die Entkalkung des Bodens hat dafür gesorgt, dass 
sich die Knochen innerhalb von 7000 Jahren nahezu vollständig 
aufgelöst haben. Nur die Zähne haben sich als 
widerstandsfähigster Teil des Skeletts vereinzelt erhalten und 
geben Aufschlüsse, wie die Toten in ihren Gräbern gelegen 
haben. Demnach wurden die Körper zumeist als so genannter 
"Hocker" in der Seitenlage in den Gräbern bestattet.

In einigen Fällen sind auch noch die Beigaben erhalten, die den 
Toten mit in ihre Gräber gegeben wurden. Keramik, Mahlsteine, 
Feuersteingeräte und Steinbeile waren Wegbegleiter in den Tod. 
In einer besonders reich ausgestatteten Begräbnisstätte halfen 
die gerade noch erkennbaren Langknochen der Gliedmaßen sogar 
dabei, die Lage des Toten genauer zu ermitteln. Dem hier 
bestatteten Menschen legten die Hinterbliebenen ein Gefäß, eine 
Messerklinge und eine Pfeilspitze mit ins Grab. "Aus diesen 
Beigaben lässt sich die Schlussfolgerung ziehen, dass es sich 
bei dem Toten um einen Mann handelte", erläutert Pollmann.

Dieses Grab zeigt, dass je nach Erhaltungszustand und 
Ausstattung die Gräber noch einige Überraschungen für die 
Archäologen bereithalten können. Ziel der Untersuchungen ist 
eine vollständige Dokumentation des Gräberfeldes. "Das werden 
wir allerdings nicht in diesem Jahr erreichen können", betont 
der Grabungsleiter. Weitere Untersuchungen werden dazu 
beitragen, dass die Wissenschaftler ein Bild von der Ausdehnung 
des Gräberfeldes, der Verteilung und der Anzahl der erhaltenen 
Gräber zu bekommen. "Wir hoffen außerdem, am Ende auch Angaben 
über die Einwohnerzahl der befestigten Siedlung aus der 
linienbandkeramischen Zeit zu erhalten", sagt der 
Wissenschaftler..

Hintergrund
Die Menschen dieser Zeit waren die ersten, die Ackerbau und 
Viehzucht in Europa betrieben haben. Ihren Namen hat die Epoche 
von der Keramik geerbt, die in dieser Zeit besonders beliebt 
war. Becher und Krüge waren mit markanten Linienbändern 
verziert. In Warburg-Hohenwepel haben die ersten Bauern und 
Viehzüchter eine mit mehreren Gräben befestigte Siedlung 
gegründet und die Äcker bewirtschaftet. Unweit der rund zwölf 
Hektar großen Siedlungsfläche haben die LWL-Archäologen der 
Außenstelle Bielefeld schließlich im vergangenen Jahr auch die 
zur Siedlung gehörenden Gräber entdeckt. Ein Sondageschnitt 
bestätigte, dass die an der Oberfläche gefundenen Steinbeile 
aus diesen Gräbern stammen, die durch Jahrtausende lange 
Beackerung und Erosion zerstört worden sind.

Die Ergebnisse der aktuellen Ausgrabung werden in jedem Fall 
einmalig sein. "Für die Linienbandkeramik in Westfalen ist die 
Verknüpfung von Siedlung und Gräberfeld, wie wir sie hier in 
Hohenwepel vorfinden, einzigartig", freut sich der Archäologe 
mit dem gesamten Grabungsteam. Zusammen mit den Ergebnissen der 
archäologischen und geomagnetischen Erfassung der befestigten 
Siedlung, die in den letzten Jahren bereits dokumentiert werden 
konnten, wird der Überraschungsfund ein detailliertes Bild von 
der Lebensweise der Menschen in der Endphase der 
bandkeramischen Kultur zwischen 4900 und 4800 v. Chr. möglich 
machen.


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