[WestG] [AKT] Handgeschriebener Brief des Schriftstellers Augustin Wibbelt wiederentdeckt
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Okt 12 11:08:51 CEST 2012
Von: "Ursula Koenig-Heuer" <Ursula.Koenig-Heuer at kreis-coesfeld.de>
Datum: 11.10.2012, 13:30
AKTUELL
Sozusagen pünktlich zum 150. Geburtstag Augustin Wibbelts fiel
den Mitarbeitern der Burg Vischering in Lüdinghausen bei
Umzugsarbeiten ein handgeschriebener Brief des Schriftstellers
und Dichters vom 4. November 1932 in die Hände. Zur adäquaten
Aufbewahrung und archivischen Erschließung gab das Museum und
Kulturzentrum des Kreises Coesfeld das papierne Fundstück in
die Obhut des Kreisarchivs. Der an einen Heinrich Hünten in
Essen-Bredeney adressierte Brief trägt den Absender "Mehr Cleve
Land", wo Wibbelt von November 1906 bis Mai 1935 als Pfarrer
tätig war.
Die Zeilen sind offenbar eine Antwort Wibbelts auf eine
Äußerung Hüntens über einen "historischen Roman" des
Schriftstellers "Mereskowski": Hünten hat den nicht genannten
Roman als "Wildling" für ein katholisches Haus bezeichnet, da
er durch das Buch offenbar die katholische Kirche und das
Papsttum beschmutzt sieht. Wibbelt erwidert in seinem Brief,
dass ein Roman sich nicht an historische Fakten und Daten
halten müsse, sondern erfinden und ausmalen dürfe. Zudem
benütze der Autor wahrscheinlich zweifelhafte Quellen, die
keiner wissenschaftlichen Prüfung durch Historiker
standhielten. Auch aus der Tatsache, dass es schlechte Päpste
gegeben habe, wie Alexander VI. einer war, solle man keine
falschen Schlüsse hinsichtlich des Papsttums im Allgemeinen
ziehen. Man dürfe dabei nicht die große Zahl der achtenswerten
Päpste aus den Augen verlieren.
Ob es sich bei dem besprochenen Buch eventuell um einen
historischen Roman des russischen Schriftstellers Dmitri
Sergejewitsch Mereschkowski handeln könnte, bleibt eine
Forschungsfrage. Unter der im Brief verwendeten Schreibweise
"Mereskowski" konnte kein Schriftsteller ermittelt werden.
Mereschkowski, der u.a. die Trilogie "Christ und Antichrist" im
Zeitraum von 1896 bis 1905 schrieb, wurde auch in Deutschland
mit seinen Romanen und Novellen bekannt.
Zurzeit wird der Brief in der großen
Wibbelt-Jubiläumsausstellung im Literaturmusem Haus Nottbeck in
Oelde gezeigt (noch bis zum 11.11.2012).
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