[WestG] [AUS] "350 Jahre viel Platz! Schlossplatz - Hindenburgplatz - Neuplatz", Muenster, 02.10.2012-24.03.2013

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Okt 2 11:39:08 CEST 2012


Von: "Stadt Münster" <info at presse-service.de>
Datum: 28.09.2012, 11:03


AUSSTELLUNG

350 Jahre viel Platz!
Ausstellung im Stadtmuseum Münster illustriert neueste 
Forschungsergebnisse zum Schlossplatz

Freies Schussfeld für Kanonen zwischen Zitadelle und Stadt, 
Forum für Paraden, politische Bühne für Fürstbischöfe, Könige, 
Kaiser, Gauleiter, Präsidenten und Kanzler, Inspirationsquelle 
für Skulptur-Künstler aus aller Welt, Parkplatz, Fläche für den 
Send und andere Events: Der münstersche Schlossplatz hat eine 
bewegende Geschichte hinter sich.

Zum ersten Mal beleuchtet eine Ausstellung im Stadtmuseum 
Münster die 350-jährige Bau-, Planungs- und Nutzungsgeschichte 
des weitläufigen Areals zwischen Altstadt und Schloss, zwischen 
Neutor und Gerichtsstraße. Ganz aktuell bezieht sie auch die 
Geschichte der Namensfindung für den Platz mit ein, die mit der 
Entstehung des Platzes ab 1661 beginnt und bis zur Umbenennung 
des "Hindenburgplatzes" in "Schlossplatz" im September 2012 
führt.

Die Ausstellung beruht auf neuesten Forschungserkenntnissen, 
die jüngst in dem Begleitband zur Ausstellung "Schlossplatz - 
Hindenburgplatz - Neuplatz in Münster" vorgestellt wurden. Sie 
ist das Ergebnis eines zweijährigen Forschungsprojektes des 
Stadtmuseums Münster. "An diesem Projekt haben sich 
Fachwissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen beteiligt. 
Die so gesammelten interdisziplinären Forschungsergebnisse hat 
das Stadtmuseum anschließend für eine breite Öffentlichkeit 
ansprechend aufgearbeitet", erläutert Museumsleiterin Dr. 
Barbara Rommé.

350 Jahre Geschichte - eine inszenierte Ausstellung

Die Ausstellung präsentiert sich räumlich und inhaltlich in 
drei Teilen. Der erste und größte Teil behandelt im Erdgeschoss 
die Entstehung des Platzes seit 1661 am ehemaligen westlichen 
Stadtrand von Münster sowie seine bauliche Entwicklung und 
unterschiedliche Nutzung im Lauf der Jahrhunderte. Dr. Bernd 
Thier vom Stadtmuseum hat die komplexe Geschichte des Platzes 
kreativ in Szene gesetzt. Besonders freut er sich über die 
anschauliche Gestaltung, die einen schnellen Einstieg in die 
Thematik bietet: "Anhand eines begehbaren Stadtplans, der das 
gesamte Kabinett ausfüllt, erwandert sich der Besucher die 
Geschichte des Platzes."

Zahlreiche historische Pläne, Ansichten und Fotografien 
dokumentieren die Verwandlung des ehemaligen freien Feldes vor 
dem Liebfrauentor in eine militärisch genutzte Esplanade vor 
der neu erbauten Zitadelle, seine Umstrukturierung in einen 
herrschaftlichen Repräsentationsraum durch den Bau des 
Schlosses im 18. Jahrhundert und führen die sich wandelnde 
Bebauung am Platzrand vor.

In einer eingefügten Inszenierung sind digital aufgearbeitete 
Guckkastenbilder des 18. Jahrhunderts mit Ansichten des 
Schlosses zu sehen. Guckkästen waren mit einem Betrachtungsloch 
versehen, wodurch beim Anschauen eine Art "3-D-Effekt" erzielt 
wurde. Zusammen mit einem Modell des Schlosses nach den Plänen 
von Johann Conrad Schlaun geben sie einen Eindruck davon, wie 
die Schlossanlage ursprünglich aussehen sollte, bevor der 
letzte Fürstbischof von Münster das Bauvorhaben vorzeitig 
stoppte.

Die etwa 12,5 Hektar große Freifläche, die zweitgrößte 
innerstädtische in Europa nach der Place des Quinconces in 
Bordeaux, präsentiert sich heute neben ihrer hauptsächlich 
wahrgenommenen Funktion als Parkplatz auch als 
multifunktionaler Stadtraum für Veranstaltungen verschiedenster 
Art vom Send, Flohmarkt, Turnier der Sieger bis hin zum 
Bürgerbrunch. So liegen auch auf dem Boden des Platzes in der 
Ausstellung bunte Fahrchips und Lose vom Send und parken dort 
viele Autos. Ein Paar originale Soldatenstiefel erinnern an die 
preußische Zeit der Militärparaden vor dem Schloss. Ein 
seidener Frauenschuh aus der Zeit um 1800 steht stellvertretend 
für die adeligen Herrschaften, die hier flanierten. Zugehörige 
Bildschirmpräsentationen vermitteln interessante 
Hintergrundinformationen zum Objekt und seiner Epoche. Einen 
Blickfang bildet ein altes Richtschwert, denn auf dem Platz 
wurden auch Hinrichtungen durchgeführt.

Viele internationale Künstler waren fasziniert von dem hybriden 
"Durchgangsraum" zwischen Schloss und Altstadt; einem 
städtischen, aber undefinierten Platz. Sie nahmen dies zum 
Anlass, ihn zum Platz für ihre Kunst zu machen. Wie voll es auf 
dem Platz wäre, würden sie alle noch stehen, zeigt eine 
Übersichtskarte mit den Standorten von 14 Projekten zur 
"Skulptur.Projekte Münster" sowie weiterer, meist sehr 
kurzlebiger Kunstprojekte. Lediglich das bronzene 
Reiterstandbild für Kaiser Wilhelm I. stand für immerhin 45 
Jahre direkt vor dem Portal des Schlosses, bevor es 1942 der 
Kriegs-Metall-Reserve zugeführt wurde. Auf einer der Säulen im 
Kabinett ersteht es in reproduzierten Fotografien und 
Postkarten wieder neu.

Einen Gesamteindruck von den vielen Ereignissen und 
Veranstaltungen auf dem Platz gibt eine digitale, interaktive 
Zeitleiste, auf der die Besucher eigenständig in der Zeit 
zurückreisen und bestimmte Daten nachschlagen können. Ein 
Zusammenschnitt historischer Filmaufnahmen vervollständigt 
diesen Eindruck mit bewegten Bildern.

350 Jahre Planungen - und viel Papier

Die Galerie im ersten Obergeschoss widmet sich in Beispielen 
den unzähligen Planungen und Bauvorhaben auf dem Schlossplatz, 
die alle nur Papier geblieben sind. Auch die aktuellen 
Konzeptskizzen, die als Anreiz für zukünftige Planungen 
entwickelt wurden, werden vorgestellt. Am Ende der Galerie ist 
die Kreativität der Besucher gefragt. Hier haben sie die 
Möglichkeit, ihre eigenen Vorschläge und Gestaltungsideen zu 
Papier zu bringen und mit anderen Besuchern zu teilen. Dafür 
liegen ein Skizzenblock mit der Karte des Schlossplatzes, und – 
für den, der lieber schreiben statt zeichnen möchte – auch ein 
Gästebuch bereit.

350 Jahre Namensgeschichte – von der Esplanade zum Schlossplatz

Ein eigener Raum im ersten Obergeschoss ist den Namen des 
Platzes vorbehalten, handelt es sich doch seit dem Bau des 
Schlosses eigentlich um zwei Plätze mit unterschiedlichen 
Benennungen, deren Grenzen sich im Laufe der Zeit immer wieder 
verschoben. Doch schon seit der Entstehung der Esplanade 
zeichnete sich eine wechselvolle Namensgeschichte ab, der bis 
zum Bürgerentscheid im September 2012 nachgegangen wird. 
Mehrere Überblickskarten dokumentieren genau, wann welcher Teil 
des Platzareals wie hieß. Abgerundet wird dieser Bereich der 
Ausstellung mit einer allgemeinen Einführung in die Entstehung 
und Entwicklung von Straßenamen mit Beispielen aus Münster, 
unter anderem anhand des Stadtplans von Everhard Alerdinck von 
1636.

Die vielen Aspekte der Ausstellung machen deutlich, wie komplex 
die Geschichte dieses Platzes ist und weisen auf seine 
historische Bedeutung als städtischer Raum hin. Die 
abwechslungsreiche Gestaltung bezieht den Besucher durch 
verschiedene Aktionsmöglichkeiten mit ein und regt zur 
Auseinandersetzung mit der Geschichte des Platzes an.


INFO

Die Ausstellung "350 Jahre viel Platz! Schlossplatz - 
Hindenburgplatz - Neuplatz" läuft vom 2. Oktober 2012 bis zum 
24. Februar 2013 im Stadtmuseum Münster. Zur Ausstellung ist 
ein reich bebilderter Begleitband erschienen, der gegen eine 
Schutzgebühr von 10, - Euro im Museumsshop erhältlich ist (260 
Seiten, 276 Illustrationen, Tabellen, graph. Darstellungen).

Stadtmuseum Münster
Salzstraße 28
48143 Münster
Tel.: 02 51/4 92-45 03
Fax: 02 51/4 92-77 26
E-Mail: museum at stadt-muenster.de 


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