[WestG] [LIT] Goedden, Walter: Westfaelische Literatur im "Dritten Reich". Die Zeitschrift Heimat und Reich
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Nov 27 11:11:23 CET 2012
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 26.11.2012, 11:58
LITERATUR
"Wer hier schrieb, wusste worauf er sich einließ"
LWL-Literaturkommission gibt Dokumentation der NS-Zeitschrift
"Heimat und Reich" heraus
Die (Um)Benennung von Straßennamen ist nach wie vor ein viel
diskutiertes Thema. Dabei fehlt es oft an fundiertem
Quellenmaterial. Die Literaturkommission für Westfalen beim
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat jetzt eine
Dokumentation der Zeitschrift "Heimat und Reich"
veröffentlicht. Diese war das maßgebliche Publikationsorgan der
westfälischen Literatur zwischen 1934 und 1943. Eine Vielzahl
der heute hinterfragten Autoren kommt in der Zeitschrift mit
einschlägigen propagandistischen Beiträgen zu Wort.
"Wer sich als Beiträger für 'Heimat und Reich' gewinnen ließ,
wusste, worauf er sich einließ", so Professor Dr. Walter Gödden,
Initiator des Projekts und Geschäftsführer der
Literaturkommission.
Westfälische Schriftsteller gehörten von Anfang an zum festen
Beiträgerstamm des rund 3.000 Seiten umfassenden Magazins.
Schon hierdurch erlangte die Zeitschrift eine besondere Nähe
zur Literatur. Die Autoren steuerten nicht nur belletristische
Texte bei, sondern auch politisch-weltanschauliche Essays. Sie
hatten hierdurch unmittelbaren Anteil an der ideologischen
Fassade des Magazins. An der Feier von Gaukulturwochen und
anderen Aufzügen waren westfälische Schriftsteller unmittelbar
beteiligt.
In ästhetischer Hinsicht waren die Jahre zwischen 1933 und 1945
verlorene Jahre, so Gödden. Der von "Heimat und Reich"
propagierte Literaturbegriff ist äußerst eng gefasst. Es
dominiert die Blut-und-Boden- und später die
"Durchhalte"-Literatur. Daneben nimmt die Mundart großen Platz
ein. Andere Literatur wurde vollständig ausgeblendet und als
"Asphaltliteratur" bzw. als Literatur von "Konjunkturrittern"
und "Konjunkturliteraten" diffamiert.
Auch in Westfalen versuchte der Nationalsozialismus, Literatur
zu einer Massenbewegung zu machen. Man überbot sich in einem
regelrechten Aktionismus, so die Quelleforscher. Hierzu gehörte
auch die Etablierung neuer Literaturpreise, die an systemtreue
Autoren verliehen wurden, worüber "Heimat und Reich"
ausführlich berichtete. Mit jedem Heft wurde die Zeitschrift
radikaler. Zuletzt betrieb sie offene Kriegspropaganda und
Volksverhetzung.
Gödden zufolge ist "Heimat und Reich" die ergiebigste Quelle
der westfälischen Literaturpolitik jener Jahre. Auch für andere
Strömungen der westfälischen Kultur- und Geistesgeschichte,
etwa die bildende Kunst, stelle sie wichtiges, bislang nur
wenig bekanntes Material zur Verfügung.
INFO
Westfälische Literatur im "Dritten Reich".
Die Zeitschrift Heimat und Reich.
Eine Dokumentation. Herausgegeben und bearbeitet von
Walter Gödden
Redaktion: Arnold Maxwill.
Veröffentlichungen der LWL-Literaturkommission für Westfalen
Band 51, 2012.
2 Bände, zusammen 933 Seiten. ISBN 978-3-89528-962-0.
78 Euro
Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte