[WestG] [AUS] Anpassung - Ueberleben - Widerstand - LWL und sieben westfaelische Museen erarbeiten Ausstellung mit Werken von 20 Kuenstlern aus NS-Zeit
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Nov 20 11:20:53 CET 2012
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 16.11.2012, 13:45
AUSSTELLUNG
Anpassung - Überleben - Widerstand
LWL und sieben westfälische Museen erarbeiten Ausstellung mit
Werken von 20 Künstlern aus NS-Zeit
Ausgestoßen, verfolgt, ins Exil getrieben: Deutsche Künstler,
die sich der nationalsozialistischen Ideologie nicht beugen
wollten, wurden nach 1933 systematisch unterdrückt, ihre Werke
aus Museen verbannt, vernichtet oder ins Ausland verschoben.
Die Werke angepasster Künstler wurden für Propagandazwecke
instrumentalisiert. Die Ausstellung "Anpassung - Überleben -
Widerstand. Künstler im Nationalsozialismus" des
Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) vereint erstmals auf
regionaler Ebene sowohl Werke der so genannten entarteten Kunst,
als auch Arbeiten von Künstlern, die sich der
nationalsozialistischen Kunstdoktrin anpassten. Sie präsentiert
rund 100 Gemälde, Skulpturen, Handzeichnungen und Graphiken von
über 20 westfälischen Künstlern, darunter auch das Gemälde von
Magnus Zeller "Der totale Staat" von 1938, das nur in Münster
und Detmold gezeigt wird.
In Kooperation mit sechs westfälischen Museen hat das
LWL-Museumsamt für Westfalen diese Ausstellung konzipiert.
Kurator Klaus Kösters wählte ausschließlich Künstler aus, die
in Westfalen geboren wurden, oder längere Zeit hier lebten. An
ihrer ersten Station im Stadtmuseum Münster liegt ein
Schwerpunkt der Ausstellung auf den münsterschen Künstlern Carl
Busch, Ernst Bahn, Fritz Levedag und Aloys Röhr. Die
Ausstellung zeigt sowohl Arbeiten, die sich der
nationalsozialistischen Kunstdoktrin unterwarfen, als auch
Werke, die damals als "volksschädliche Verfallskunst" galten.
Betreut wird die "münstersche" Ausstellung von Dr. Rita
Kauder-Steiniger vom Stadtmuseum.
Künstler aus Westfalen und Münster
"Die umfangreichen Forschungen zur münsterschen Kunstszene in
der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die seit mehr als drei
Jahrzehnten im Stadtmuseum geleistet worden sind und die
zahlreichen monografischen Ausstellungen im Museum, konnten nun
fruchtbar in das Projekt eingebracht werden. Darüber hinaus
können die Phänomene 'Anpassung - Überleben - Widerstand' als
Teil eines deutschlandweiten Phänomens nicht nur am Wirken
münsterscher Künstler verstanden werden", fasst Museumsleiterin
Dr. Barbara Rommé zusammen.
Unter den Nationalsozialisten diente die Kunst allein zur
Darstellung und Unterstützung der ideologischen Doktrin des
Nationalsozialismus. Kunstkritik war seit 1937 verboten,
lediglich erbauende Kunstbetrachtung erlaubt. Wie reagierten
deutsche Künstler auf diese Einschrän-kungen? Die übergroße
Mehrzahl der um 1890/1905 geborenen Künstler war 1933 zu jung,
um einen bekannten Namen zu haben. Sofern sie sich nicht den
ideologischen Vorstellungen der NS-Funktionäre anpassten,
gerieten sie ins Abseits oder gingen ins Exil. Die in
Deutschland verbliebenen Künstler wurden von den Strömungen der
internationalen Kunst abgeschnitten.
Den Künstlern dieser Generation gilt die Aufmerksamkeit der
Ausstellung. Sie geht der Frage nach, wie Künstler während des
Nationalsozialismus auf ideologische Beeinflussung, Kunstzensur,
Überwachung bis hin zu Arbeits- und Ausstellungsverbot
reagierten. Ihre Biografien vermitteln dabei die gesamte
Bandbreite unterschiedlicher Künstlerschicksale im "Dritten
Reich".
Als unbedenklich eingestuft
Die münsterschen Künstler wurden von den neuen Machthabern als
unbedenklich eingestuft. Ihre Kunst war eher der bürgerlichen,
idyllischen als der kritischen Variante der neuen Sachlichkeit
zuzuordnen. Landschaftsbilder und bäuerliche Szenen, die den
nationalsozialistischen Vorstellungen von "Bodenständigkeit"
und "völkischer Eigenart" entsprachen, waren gängige Themen.
In der Ausstellung wird durch die vier ausgewählten Künstler
Carl Busch, Ernst Bahn, Fritz Levedag und Aloys Röhr
beispielhaft die münstersche Kunstszene der Zeit vorgestellt
und auf die unterschiedlichen persönlichen Schicksale
eingegangen. So wurde der junge Carl Busch als Kriegsmaler an
die Front berufen, während sich der Bildhauer und Graphiker
Aloys Röhr gänzlich aus der Öffentlichkeit und in die innere
Immigration zurückzog, nachdem es 1933 in Münster zur
Gleichschaltung der "Freien Künstlergemeinschaft Schanze"
gekommen war.
Möglich wurde die Ausstellung durch Leihgaben verschiedener
westfälischer Museen wie auch des Deutschen Historischen
Museums in Berlin und der Stiftung Stadtmuseum Berlin. Aber
auch zahlreiche private Leihgaben aus Künstlernachlässen, die
teilweise noch nie der Öffentlichkeit präsentiert wurden, sind
vertreten. Zur Ausstellung liegt ein Katalog zum Preis von 19,
80 Euro vor (Aschendorff-Verlag).
INFO
Anpassung - Überleben - Widerstand. Künstler im
Nationalsozialismus
Eine Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes in
Kooperation mit westfälischen Museen
20. November 2012 bis 1. April 2013
Stadtmuseum Münster, Salzstraße 28 in 48143 Münster
Geöffnet: dienstags bis freitags 10 bis 18 Uhr, samstags,
sonntags und feiertags 11bis 18 Uhr
Weitere Ausstellungsstationen:
Lippisches Landesmuseum Detmold
3. Mai bis 28. Juli 2013
Kreismuseum Wewelsburg
15. September bis 24. November 2013
Städtische Galerie Iserlohn
29. November 2013 bis 16. Februar 2014
Museen der Stadt Lüdenscheid
28. Februar bis 18. Mai 2014
Kunstmuseum Wilhelm-Morgner-Haus Soest
25. Mai bis 6. Juli 2014
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