[WestG] [AKT] Der LWL verleiht seinen Karl-Zuhorn-Preis an Jan Brademann aus Muenster

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Nov 19 10:42:03 CET 2012


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 16.11.2012, 14:01


AKTUELL

Der LWL verleiht seinen Karl-Zuhorn-Preis an Jan Brademann aus 
Münster

Jan Brademann aus Münster hat am Freitag (16.11.) aus den 
Händen von LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch den 
Karl-Zuhorn-Preis für westfälische Landesforschung entgegen 
genommen. Der Nachwuchswissenschaftler, der an der Universität 
Bielefeld tätig ist, erhält den für seine Arbeiten zu den 
Kirchhöfen des Münsterlandes. "Mit seiner Untersuchung zur 
Begräbniskultur im Münsterland des 16. bis 18. Jahrhunderts hat 
Brademann, wie die Ideen des Konzils von Trient im 16. 
Jahrhundert im lokalen Alltag umgesetzt, abgelehnt oder 
umgedeutet wurden. Er hat somit die Grundlage für neue, stärker 
kulturgeschichtlich ausgerichtete Forschungen zur 
Konfessionalisierung gelegt", sagte Kirsch, als er Brademann 
den Preis im münsterschen Erbdrostenhof überreichte. Seinen mit 
5.000 Euro dotierten Wissenschaftspreis verleiht der LWL seit 
1979 alle drei Jahre.

"Dr. Jan Brademann führt in seinen Arbeiten die Bedeutung von 
vergleichenden Perspektiven vor Augen", sagte Prof. Dr. 
Wilfried Reininghaus, Erster Vorsitzender der Historischen 
Kommission für Westfalen, in seiner Laudatio. Er wies darauf 
hin, dass die Beschäftigung Brademanns mit der 
sachsen-anhaltischen Geschichte "mehr mit westfälischer 
Geschichte zu tun hat, als auf den ersten Blick zu ersehen ist" 
und hob Brademanns "innovativen Ansatz für die 
Frühneuzeitforschung" in Westfalen besonders hervor. 
Reininghaus schloss seine Laudatio mit der Feststellung: "Die 
Landesgeschichte braucht solche Impulse wie Jan Brademann sie 
gegeben hat.

In einem Vortrag gab Brademann einen Einblick in seine 
Forschungen. Er verglich das Fürstbistum Münster um 1600 mit 
dem Fürstentum Anhalt unter dem landesgeschichtlichen Aspekt 
von Staats- und konfessioneller Identitätsbildung. "Beide 
Territorien unterscheiden sich vom Idealtyp des sich 
konfessionalisierenden frühmodernen Staates. Der angestrebte 
Wandel des religiösen Symbolsystems hatte durchaus 
vergleichbare Voraussetzungen, ging jedoch in entgegengesetzte 
Richtungen", sagte Brademann. Abschließend regte er an, die 
Einführung des reformierten Bekenntnisses um 1600 einer 
vergleichenden religionsgeschichtlichen Untersuchung zu 
unterziehen.

Zur Person:
Brademann, der 1977 in Wolfen geboren wurde, hat zunächst 
Betriebswissenschaften studiert, 1998 wechselte er zu 
Geschichte, Politikwissenschaften und Landesgeschichte sowie 
Galloromanistik an der Universität Halle-Wittenberg und machte 
2004 seinen Magister. In den Jahren 2005 und 2006 arbeitete er 
als wissenschaftliche Hilfskraft in der Abteilung für 
Westfälische Landesgeschichte an der Universität Münster. Von 
2006 bis 2011 war er Mitarbeiter im Teilprojekt "Profan und 
heilig: Kirchhöfe als Ort und Räume symbolischer Kommunikation 
in der ländlichen Gesellschaft Westfalens". 2010 promovierte er,
 seit 2011 arbeitet er als wissenschaftlicher Assistent an der 
Universität Bielefeld. Seine Forschungsschwerpunkte sind hier 
die frühneuzeitliche Konfessions- und Religionsgeschichte, die 
Geschichte der Sepulkralkultur und die sachsen-anhaltische 
Landesgeschichte.

Hintergrund
Der Wissenschaftspreis des LWL ist nach Karl Zuhorn benannt. 
Der Geburtstag des 1887 in Kamen geborenen Zuhorn jährt sich 
2012 zum 125. Mal. Der spätere Oberbürgermeister und 
Oberstadtdirektor von Münster war ab 1922 für fast zehn Jahre 
zuständig für Kultur beim damaligen Provinzialverband der 
preußischen Provinz Westfalen, dem Vorgänger des LWL. Hier 
entwickelte er eine neue Konzeption für die Kulturpflege. 
Daraus ging 1929 das Provinzialinstitut für westfälische 
Landes- und Volkskunde" hervor. Ziel war es, den Kulturraum 
Westfalen wissenschaftlich zu erforschen und die Erkenntnisse 
einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Diese 
sogenannte "Landschaftliche Kulturpflege" ist immer noch eine 
tragende Säule des LWL. Das Institut verfolgt dieses Ziel heute 
unter dem Namen LWL-Institut für westfälische 
Regionalgeschichte gemeinsam mit sechs wissenschaftlichen 
Kommissionen.


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