[WestG] [AUS] Goldene Pracht: Aus Angst vor dem Fegefeuer, Muenster, bis 28.05.2012

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Mai 22 11:39:35 CEST 2012


Von: "Exzellenzcluster "Religion und Politik"" <religionundpolitik at
uni-muenster.de>
Datum: 21.05.2012, 11:57


AUSSTELLUNG

Aus Angst vor dem Fegefeuer
Ausstellung "Goldene Pracht": Viele Stifter der wertvollen 
Goldschmiedekunst verewigten sich auf ihren Werken

Eine goldene Äbtissin zu Füßen der Jungfrau Maria, eine Hofdame 
auf dem Hügel Golgota, ein demütiger Kaiser mit Geschenk für 
die Engel: Die Stifter vieler wertvoller Exponate der 
Mittelalter-Ausstellung "Goldene Pracht" in Münster haben sich 
auf ihren Werken selbst verewigt. "Hinter dem Glanz dieser 
Stiftungen verbarg sich die existentielle Sorge der Menschen 
vor dem Fegefeuer", erläutert Prof. Dr. Gerd Althoff vom 
Exzellenzcluster "Religion und Politik" der Uni Münster. "Als 
Gegengabe für die wertvollen Goldschmiedewerke erwarteten die 
Stifter von den Priestern, Mönchen und Nonnen in den 
beschenkten Klöstern, dass sie für ihr Seelenheil beteten." Die 
Bilder und Namen auf den gestifteten Kelchen und Kreuzen, 
Buchdeckeln und Schreinen sollten bis in alle Ewigkeit daran 
erinnern.

Die Ausstellung "Goldene Pracht. Mittelalterliche Schatzkunst 
in Westfalen" in Münster präsentiert noch bis zum 28. Mai 
"Zeugnisse dieser heute fremd gewordenen Frömmigkeit", wie der 
Historiker sagt. Sie zeigt im LWL-Landesmuseum für Kunst- und 
Kulturgeschichte und in der Domkammer der Kathedralkirche St. 
Paulus in elf Kapiteln auf 1.500 Quadratmetern rund 300 
herausragende nationale und internationale Werke kirchlicher 
und weltlicher Schatzkunst aus dem 10. bis 16. Jahrhundert. Es 
handelt sich um ein Kooperationsprojekt des Exzellenzclusters 
"Religion und Politik", des Bistums Münster und des 
Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Für die Darstellung demütiger Stifter lassen sich in der 
Ausstellung viele Bespiele finden: "Die Essener Äbtissin 
Theophanu etwa, eine Nachfahrin der ottonischen Kaiser aus dem 
11. Jahrhundert, zeigt sich als Stifterin eines kostbaren 
Evangeliars ganz klein und im Kniefall zu Füßen der Jungfrau 
Maria", so Althoff. "Sie überreicht ihr die Gabe mit der Bitte 
um Fürsprache für ihre Seele." Die Hofdame Haseke von dem Wolde 
(um 1310–1394) ist auf einem Messkelch zu sehen, den sie 
stiftete. Sie kniet darauf vor dem gekreuzigten Jesus und 
bittet "Gott, sei mir gnädig".

Ein außergewöhnliches Zeichen wollte nach Worten des Experten 
wohl Kaiser Heinrich III. (1017-1056), der Stifter des 
Borghorster Reliquienkreuzes, setzen: Nach einem blutigen 
Konflikt stiftete der salische Kaiser das Kreuz, auf dem er in 
flehender Haltung abgebildet ist. Zwei Engel schweben ihm 
entgegen, wohl um die Gabe in Empfang zu nehmen. So ist die 
Stiftung des Kreuzes vielleicht als Sühne für vergossenes Blut 
zu verstehen.

Die Darstellungen auf den liturgischen Geräten zeugen laut 
Prof. Althoff vom Einfallsreichtum der Stifter, mit dem sie im 
Gedächtnis bleiben wollten. "Kreuze, Kelche oder Messbücher mit 
Namen oder Bild des Stifters boten eine besondere Gewähr, dass 
Priester, Mönche und Nonnen noch lange des verstorbenen 
Schenkers gedachten – schließlich wurden die Bücher und 
Gerätschaften bei der Messfeier regelmäßig benutzt und 
erinnerten so ständig an die bestehende Verpflichtung."


INFO

Hinweis: Weitere Informationen unter
URL: www.goldene-pracht.de 

Ausstellung im
LWL-Landesmuseum und in der
Domkammer zu Münster 

geöffnet Dienstag–Sonntag 10-18 Uhr,
Donnerstag 10–21 Uhr 26. Februar - 28. Mai 2012
Eine Kooperation von: Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) 
Bistum Münster 
Exzellenzcluster "Religion und Politik" der WWU Münster


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