[WestG] [AKT] "Goldrausch" im Muensterland, Ascheberg, 23.06.2012
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Jun 15 11:36:24 CEST 2012
Von: "Pressestelle der Universität Münster" <christina.heimken at
uni-muenster.de>
Datum: 14.06.2012, 12:10
AKTUELL
"Goldrausch" im Münsterland
"Expedition Münsterland" macht am 23. Juni Halt auf dem Hof
Dabbelt in Ascheberg / Thementag zum Strontianit-Abbau im 19.
Jahrhundert
Schon lange gibt es im Münsterland keine Kumpel mehr, die ihr
tägliches Brot "auf'm Pütt" verdienen. Im 19. Jahrhundert war
dies jedoch ganz anders. Die Entdeckung des Minerals
Strontianit auf einem Feld in Nienberge bei Münster im Jahr
1834 löste goldrauschartige Zustände aus: Der
Strontianit-Bergbau brachte viel Geld in die Region. Am Samstag,
23. Juni, lädt die "Expedition Münsterland" der Universität
Münster in Kooperation mit "Ascheberg Marketing e.V." alle
Interessierten zu einem Thementag rund um das einst begehrte
Material ein. Beginn ist um 14.30 Uhr auf dem Hof Dabbelt in
Ascheberg, Winkelstraße 7. Dort sind damals große Mengen
Strontianit abgebaut worden. Eine Anmeldung ist nicht
erforderlich. Die Veranstaltung endet gegen 18 Uhr.
Strontianit wurde in der Zuckerindustrie eingesetzt: Das von
den Münsterländern als "Strunz" bezeichnete durchscheinende
kristalline Mineral ermöglichte es, den zuvor nicht nutzbaren
Zuckeranteil aus Zuckerrüben zu isolieren und somit dessen
Gewinnung zu verdoppeln. Auch bei der Produktion von
Feuerwerkskörpern und Leuchtspurmunition wurde es in großen
Mengen eingesetzt, da es in einer markanten karmesinroten
Flamme verbrennt. Da viele Menschen an dem Reichtum, den der
Abbau dieses Minerals mit sich brachte, teilhaben wollten, gab
es zeitweise mehr als 600 Grubenbesitzer in Ascheberg,
Drensteinfurt und Umgebung.
Auch für die Wirtschaftsstruktur der Region hatte der
Strontianitabbau erhebliche Folgen: Viele Bauern verpachteten
ihr Land an die Bergbau-Unternehmen und verloren aufgrund der
besseren Bezahlung zusätzlich ihre Knechte an sie. Es kamen
aber auch Bergarbeiter aus anderen Regionen in das südliche
Münsterland und mit ihnen auch andere Mentalitäten und
Weltanschauungen. So wurden durch Strontianit Gesellschaft,
Religiosität und Politik im Münsterland nachhaltig geprägt, wie
die Organisatoren des Thementags berichten.
Der fast komplett vergessenen Bedeutung dieser Periode möchte
die Expedition Münsterland nun Rechnung tragen und die
Geschichte ins Bewusstsein der Menschen zurückrufen. Die
historischen Schachtanlagen auf dem Grundstück des "Hof
Dabbelt" werden an diesem Tag mit großen Wetterballons
markiert. Außerdem wird es mehrere Stationen auf dem Gelände
geben, die durch Vorträge, Ausstellungen und Lesungen von
Experten zu einem informativen Rundweg einladen. Des Weiteren
stellt die Augustin-Wibbelt-Gesellschaft "ihren" berühmten
münsterländischen Dichter Augustin Wibbelt vor, der in diesem
Jahr seinen 150. Geburtstag feiern würde. In seinem Werk "De
Strunz" beschreibt er auf Plattdeutsch den Abbau von
Strontianit, der in der Region allerlei Unruhe brachte.
Die "Expedition Münsterland" ist eine Initiative der
Arbeitsstelle Forschungstransfer der Universität Münster. Sie
macht regionale Wissenschaftsschauplätze für die interessierte
Öffentlichkeit erlebbar und lässt universitäre Forschung in der
Region sichtbar werden.
INFO
Zeit:
23.06.2012, 14:30 Uhr
Ort:
Hof Dabbelt
Winkelstraße 7
Ascheberg
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