[WestG] [AUS] Armin T. Wegner: Der vergessene Voelkermord. Fotografien 1915/16, Dortmund, bis 24.06.2012

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Jun 12 09:55:18 CEST 2012


Von: "Forum Geschichtskultur"  <forum at geschichtskultur-ruhr.de>
Datum: 08.06.2012, 07:40
Übernahme aus der E-Mailing-Liste "geschichtskultur ruhr"


AUSSTELLUNG

Armin T. Wegner: Der vergessene Völkermord. Fotografien 1915/16
Sonderausstellung in der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache

Der Wuppertaler Armin T. Wegner (geb. 1887, Elberfeld, gest. 
1978, im Exil in Rom) - Schriftsteller, Essayist, Reisender und 
kritischer Beobachter seiner Zeit - zählt zu den weithin 
vergessenen Autoren des 20. Jahrhunderts. Wegner avancierte in 
den zwanziger Jahren mit seinen Reiseberichten "Fünf Finger 
über Dir" (1930) und "Am Kreuzweg der Welten" (1930) zum 
Bestsellerautor. Die Texte des vom Orient faszinierten 
Schriftstellers erzählen von seinen ausgedehnten und 
abenteuerlichen Reisen, die er zusammen mit seiner Frau, der 
jüdischen Dichterin Lola Landau, unternahm. Der lebenshungrige 
und abenteuerlustige Dichter vergaß jedoch nie, auch hinter die 
Kulissen der Zeitgeschehnisse zu blicken. So wurde er 1915 - 
als Sanitätsoffizier des Roten Kreuzes in Bagdad - Zeuge von 
der Vertreibung der Armenier. Trotz Verbots begab er sich in 
die Flüchtlingslager, fotografierte, schmuggelte Briefe der 
Verfolgten zur amerikanischen Botschaft und die entstandenen 
Bilder unter seiner Bauchbinde nach Deutschland. Der 
umfangreiche Nachlass des Dichters und leidenschaftlichen 
Fotografen liegt im Deutschen Literaturarchiv Marbach. Neben 
Briefen, Tagebüchern, Arbeitsmaterialien und einigen 
Romanfragmenten finden sich darin auch etwa 6700 Fotografien.

In der Steinwache werden jene Aufnahmen gezeigt, die Wegner mit 
seiner Plattenkamera von der Vertreibung und den Morden an den 
Armeniern machte. Da nur die Glasdiapositive zu seinem Vortrag, 
den er zwischen 1919 und 1924 hielt, überliefert sind, werden 
die Fotos in neuen Drucken ausgestellt. Weitere in Wegners 
Nachlass überlieferte Bilder aus dem Kontext des Völkermords, 
die nicht eindeutig dem Fotografen Wegner zugeordnet werden 
können, sind über eine Dia-Projektion zu sehen.

Zwischen 1919 und 1933 arbeitete Wegner an einem umfangreichen 
Roman zum armenischen Völkermord. Die Verhaftung durch die 
Gestapo im August 1933, Folter u.a. im KZ Columbia Haus in 
Berlin und Gefangenschaft in mehreren Konzentrationslagern 
verhinderten schließlich den Abschluss dieses Unternehmens.


INFO

Kuration der Ausstellung:
Prof. Dr. Andreas Meier (Bergische Universität Wuppertal)
Judith Schönwiesner, M.A. (LVR)

Veranstaltungsort:
Mahn- und Gedenkstätte Steinwache
Steinstraße 50
44147 Dortmund

bis Sonntag, 24. Juni 2012


Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte