[WestG] [AKT] Neuentdecktes Siegel eines Paderborner Abtes ab sofort im Museum in der Kaiserpfalz
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Jan 23 11:47:07 CET 2012
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 19.01.2012, 12:22
AKTUELL
Frisch vom Feld in die Vitrine:
Neuentdecktes Siegel eines Paderborner Abtes ab sofort im
Museum in der Kaiserpfalz
An einem der letzten Tage des Jahres 2011 macht Claus-Dieter
Stelter einen überraschenden Fund: In der Nähe von Bad Driburg
findet der lizensierte Sondengänger, der ehrenamtlich mit den
Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL)
zusammenarbeitet, ein graviertes, golden glänzendes Stück
Metall.
Nach der Begutachtung des Stücks durch die LWL-Archäologen und
den Historiker Hermann-Josef Schmalor steht fest: Der
Sondengänger hat einen Siegelstempel des Abtes Jodocus Rosa
gefunden, der von 1582 bis 1598 dem Benediktinerkloster
Abdinghof in Paderborn vorstand - und ein höchst bewegtes Leben
hatte. Der neue Fund ist noch bis zum 2. Mai im Museum in
Kaiserpfalz in Paderborn zu sehen.
"Jodocus Rosa lebte in einer Zeit, in der der Protestantismus
überall in Paderborn um sich griff - selbst in höchsten
Adelskreisen. Dagegen und gegen die vermeintlich laxen Sitten
in seinem Kloster kämpfte er", wissen der Stadtarchäologe
Paderborns, Dr. Sven Spiong, und der Historiker Hermann-Josef
Schmalor. "Doch seine Versuche, die katholische Kirche zu
stärken und sein Kloster auf dem rechten Weg zu halten, waren
vergeblich."
Schließlich gab der Abt auf, erlaubte seinen Ordensbrüdern
sogar offiziell den Genuss von Butter, Käse und Fleisch und das
Tragen wärmerer Kleidung - und musste dennoch hinnehmen, dass
vier seiner Mönche zum Protestantismus übertraten. Das war zu
viel für Jodocus: er trat im Jahr 1598 frustriert von seinem
Amt zurück. Seitdem lebte er zurückgezogen im Kloster und
widmete sein weiteres Leben dem Studium der Klosterbibliothek.
Geistig umnachtet und depressiv stürzte er sich rund 40 Jahre
später aus einem der Fenster und starb drei Tage später am 29.
März 1639.
Das neuentdeckte Siegel, das aus dem späten 16. Jahrhundert
stammt, zeigt den Abt in vollem Ornat unter einem Baldachin
thronend. Die lateinische Umschrift "SIGILLU[M] JODO[CI]
ABBATIS MO[NASTERII] APO[STOLORUM] PETRI ET PAULI IN
PADERBORN" (deutsch: "Siegel des Abtes Jodocus des Klosters
der Apostel Petrus und Paulus in Paderborn") macht die
eindeutige Identifizierung des Siegels möglich. Erhalten ist nur
der 6 mal 4 Zentimeter große Siegelstempel, der Holzgriff ist
im Laufe der Jahrhunderte zerfallen.
Museumsleiter Dr. Martin Kroker: "Es ist mir sehr wichtig, neue
und aktuelle Funde im Museum präsentieren zu können, darum gibt
es in unserer Sammlung einen eigenen Bereich für neue
Archäologie-Entdeckungen aus Paderborn." Neben dem
Siegelstempel zeigt das Museum auch eine Originalurkunde aus
dem Jahr 1584, die der Abt vor rund 427 Jahren mit dem nun
gefundenen Stempel siegelte.
Hintergrund:
Das Leben des Abtes Jodocus ist in der Chronik "Catalogus
Chronographicus", welche die Geschichte des Klosters von 1572
bis ins Jahr 1803 wiedergibt, überliefert. Die Quelle besagt,
dass der Abt 1558 in Großeneder geboren wurde und 1577 in das
Paderborner Benediktinerkloster Abdinghof eintrat. Dort wurde
er Novizenmeister, später Bibliothekar und 1582 zum Abt
gewählt. Die Chronik befindet sich heute im Archiv des
Altertumsvereins Paderborn (Signatur: Cod. 1).
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