[WestG] [AUS] Jugend im Nationalsozialismus, Detmold, ab 30.01.2012

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Jan 23 11:40:35 CET 2012


Von: "Bettina Joergens" <bettina.joergens at lav.nrw.de> 
Datum: 18.01.2012, 11:38 


AUSSTELLUNG

Am 10. März 1943 wurden die jugendlichen Brüder L. von der 
Kriminalpolizei in das Konzentrationslager Auschwitz 
"überführt". Zur Begründung heißt es in den Akten: Die damals 
jugendlichen Brüder hätten demnach "ihre Arbeit aufgegeben und 
treiben sich umher. Sie sollen sich angeblich in Milspe-Voerde 
im Zigeunerlager Wuppermannshof ...aufhalten" und dort "eine 
Bude gebaut haben". Jugendliches Verhalten, das nicht den 
Vorstellungen der NS-Politik entsprach oder nach den Maßstäben 
der NS-Ideologie "asozial" war, wurde brutal geahndet. 
Konfessionelle, politische oder andere Jugendorganisationen 
jenseits von Hitler-Jugend und Bund Deutscher Mädel wurden 
verboten und verfolgt. Viele der dort Aktiven bezahlten ihr 
Engagement mit dem Leben.

Die Ausstellung "Jugend im Nationalsozialismus", die am 30. 
Januar 2012 um 19 Uhr mit Prof. Dr. Barbara Stambolis aus 
Paderborn im Landesarchiv NRW eröffnet wird, zeigt, wie junge 
Menschen der Geburtsjahrgänge von ca. 1920 bis etwa 1940 
während der Zeit des nationalsozialistischen Regimes 
vereinnahmt und verfolgt wurden.

Die Ausstellungsmacher Dietmar Freiesleben und Stephan Druciak 
vom Historischen Centrum Hagen betitelten die Präsentation zum 
Thema "Jugend im Nationalsozialismus" mit dem bekannten Zitat 
aus der Reichenberger Rede Hitlers zur Reichstagswahl 1938 
"...und sie werden nicht mehr frei...". Die Wanderausstellung 
zeigt, welchen Einfluss der Nationalsozialismus auf Kinder und 
Jugendliche nahm. Sie thematisiert die verschiedenen 
Lebensbereiche von Jungen und Mädchen und veranschaulicht 
ihren Alltag - auch in den Ghettos und Konzentrationslagern.

Die Ausstellung wurde mit Exponaten aus dem Landesarchiv NRW 
angereichert, um besonders die unterschiedlichen jugendlichen 
Opfergruppen noch mehr in den Blickpunkt zu rücken. Denn das 
Regime des Nationalsozialismus missbrauchte den zu Beginn des 
20. Jahrhunderts virulenten Jugend-Mythos in singulärer Weise. 
Der Nationalsozialismus inszenierte sich als junge Bewegung und 
in Formen der bündischen Jugend. Tatsächlich wurden viele 
Mädchen und Jungen aus rassistischen oder politischen Gründen 
ausgegrenzt, verfolgt und ermordet, oder die child survivors 
überlebten völlig verwaist. Heute weiß man, dass das Trauma 
zwei, drei Generationen danach noch wirksam ist.

Die Präsentation, zu der es umfangreiches archivpädagogisches 
Be-gleitmaterial gibt, soll zeigen, wo eine Gesellschaft endet, 
die Werten wie Vielfalt, Toleranz und Demokratie keinen Raum 
gibt. Die Ausstellung richtet sich sowohl an die 
Betroffenen-Generation und deren Kinder als auch an Schulen und 
historisch Interessierte. Jugendgruppen und Schulklassen werden 
nach Terminabsprache von der Archivpädagogin Heike Fiedler, 
M.A., in die Geschichte der "Jugend im Nationalsozialismus" 
eingeführt.

Außerdem bietet das Landesarchiv NRW am Mittwoch, den 7. 
Februar 2012, eine Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer an, 
bei der die Ausstellung und die didaktische Vermittlung der 
Situation von Kindern und Jugendlichen während der NS-Zeit 
vertieft werden (Anmeldung erbeten).

Die Kenntnis der Geschichte erschließt sich nicht zuletzt aus 
Zeugnissen derjenigen, die - in diesem Fall - antisemitische 
Verfolgung als junge Menschen selbst erlebt haben. Kaum etwas 
berührt mehr als der Bericht derjenigen, die selbst oft nur mit 
viel Glück dem Holocaust entkamen, aber die Ermordung ihnen 
nahe stehender Menschen miterleben mussten. Die Detmolder 
Historikerin Gudrun Mitschke-Buchholz wird am Montag, den 12. 
März 2012, um 19 Uhr aus Interviews mit antisemitisch 
Verfolgten lesen.

Die Ausstellung und das Rahmenprogramm reihen sich ein in die 
zahlreichen Veranstaltungen und Aktivitäten zum 27. Januar, dem 
Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.
  
Ausstellungsort: 
Landesarchiv NRW Abt. Ostwestfalen-Lippe 
Willi-Hofmann-Straße 2, 32756 Detmold 
 
Öffnungszeiten: 
montags 8-19 Uhr, dienstags bis donnerstags 8-16 Uhr, 
freitags 8-13 Uhr 
 
Kontakt, auch für Gruppenführungen: 
s.u. 
 

INFO

Veranstaltungsdaten: 
Ausstellungseröffnung
Datum: 30. Januar 2012
Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-LIppe
Willi-Hofmann-Str. 2
32756 Detmold
Tel.: 05231/766-0
Fax: 05231/766-114
E-Mail: owl at lav.nrw.de 
URL: www.archive.nrw.de 

Kontakt:
Dr. Bettina Joergens
Landesarchiv NRW Abt. Ostwestfalen-Lippe
s.o.
E-Mail: bettina Joergens at lav.nrw.de 
URL: s.o.


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