[WestG] [LIT] Frese, Matthias (Hg.): Fragwuerdige Ehrungen!? Straßennamen als Instrument von Geschichtspolitik und Erinnerungskultur
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Feb 16 10:48:24 CET 2012
Von: "Thomas Küster" <thomas.kuester at lwl.org
Datum: 15.02.2012, 12:27
LITERATUR
"Fragwürdige Ehrungen!?" - LWL gibt Buch zu Straßennamen als
Instrument von Geschichtspolitik und Erinnerungskultur heraus
Nahezu täglich findet zurzeit in der Presse und in der lokalen
Öffentlichkeit die Auseinandersetzung um die Umbenennung von
Straßennamen statt. In mehreren westfälischen Städten und
Gemeinden stehen inzwischen auch politische Entscheidungen zur
Umbenennung von Straßen oder Plätzen an.
Zu diesem intensiv diskutierten erinnerungs-politischen Thema
hat der Landschafts-verband Westfalen-Lippe (LWL) gemeinsam mit
dem Westfälischen Heimatbund und der Literaturkommission für
Westfalen im vergangenen Sommer die Tagung "Fragwürdige
Ehrungen" veranstaltet. Rund 200 Vertreter westfälischer Städte
und Gemeinden, der kommunalen Museen und Archive, der lokalen
Heimatvereine, der Wissenschaft, der Schulen und anderer
Bildungseinrichtungen haben in Münster über ausgewählte
"Grenzfälle" von Namensgebern, deren Leben und Wirken
diskutiert. Jetzt haben die Veranstalter ein Buch
herausgebracht, das die Hintergründe solcher Straßenbenennungen
historisch einordnet.
"Straßennamen dienen Bewohnern und Besuchern eines Ortes vor
allem zur Orientierung", so Dr. Matthias Frese, der den Band
für das LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte
herausgegeben hat. "Darüber hinaus sollen sie die Erinnerung
wach halten, das Gedenken fördern sowie der Ehrenbezeugung
dienen. Straßenumbenennungen greifen also in die
Erinnerungskultur ein, indem sie einzelne Personen, Ereignisse
oder Orte aus dem offiziellen Gedächtnis einer Stadt streichen."
Die Beiträge des Sammelbandes behandeln die Benennungspraxis
von Straßen in Westfalen und Lippe seit dem 19. Jahrhundert.
Insbesondere untersuchen sie auf breiter Quellengrundlage, wie
die einzelnen westfälischen Städten und Gemeinden während der
NS-Zeit und nach 1945 mit ihren Straßennamen umgingen. Außerdem
stellt das Buch einzelne Namensgeber vor, deren Leben und
Wirken heute besonders kontrovers beurteilt werden. Im
Mittelpunkt stehen der Heimatdichter und führende Vertreter des
Westfälischen Heimatbundes Karl Wagenfeld, die Schriftstellerin
Agnes Miegel, der NS-Funktionär und Literat Friedrich Castelle
sowie der Reichspräsident Paul von Hindenburg.
Der Band liefert aber nicht nur umfassende Informationen zum
Werk und zur Biographie dieser Namensgeber, sondern verweist
auch auf frühere Debatten zum Thema "Straßenumbenennungen".
Herausgeber Matthias Frese: "Die LWL-Veröffentlichung will die
historischen Dimensionen dieses Themas ausleuchten und dazu
beitragen, die oftmals emotional geführten Debatten in den
Kommunen zu versachlichen."
INFO
Matthias Frese (Hg.)
Fragwürdige Ehrungen!?
Straßennamen als Instrument von Geschichtspolitik und
Erinnerungskultur
Münster: Ardey-Verlag, 268 Seiten,
zahlreiche Abbildungen
19,90 Euro
ISBN 978-3-87023-363-1
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