[WestG] [AUS] Zwangsarbeit. Die Deutschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg, Dortmund, 18.03.-30.09.2012
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Feb 1 09:37:07 CET 2012
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 30.01.2012, 14:28
AUSSTELLUNG
Holzsandale steht für Zwangsarbeiter-Schicksal
Vorbereitungen für internationale Wanderausstellung laufen
Holz, Lederreste und ein paar Nägel - daraus besteht die
Sandale eines Zwangsarbeiters, der 1944 beim Bau eines Bunkers
in Oberhausen eingesetzt war. Wie er hieß, weiß niemand, auch
seine Herkunft ist unbekannt. Fest steht, dass er sein
Schicksal mit 20 Millionen Menschen teilte, die in Deutschland
und den besetzten Gebieten während des Zweiten Weltkriegs als
Fremdarbeiter, Kriegsgefangene oder KZ-Häftlinge Zwangsarbeit
leisteten. Ihre Geschichte erzählt ab 18. März eine
internationale Wanderausstellung der Stiftung Gedenkstätten
Buchenwald und Mittelbau-Dora. Der Landschaftsverband
Westfalen-Lippe (LWL) und die Gedenkstätte Steinwache der Stadt
Dortmund zeigen "Zwangsarbeit. Die Deutschen, die
Zwangsarbeiter und der Krieg" ab 18. März 2012 im
LWL-Industriemuseum Zeche Zollern - im Zweiten Weltkrieg selbst
ein Ort, an dem Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. "Wir sind
sehr stolz, dass wir diese hochrangige Ausstellung nach
Dortmund holen konnten", erklärt Museumsleiterin Dr. Ulrike
Gilhaus.
Im Zuge der Vorbereitung der Schau erreichte das Museumsteam
eine Mail und kurz darauf ein Päckchen aus Oberhausen. Darin
lagen die Überreste der Sandale, die zur Zeit auf Zollern
restauriert wird und einen Platz in der Dauerausstellung des
LWL-Industriemuseums bekommen soll. Hubert Filiarsky hat die
Geschichte seines Fundes gleich mitgeliefert. Er erwarb vor
vielen Jahren ein altes Haus, auf dessen Grundstück 1944 ein
Luftschutzbunker errichtet wurde.
Der massive Betonbau mit den Maßen 12 mal 5 Meter steht bis
heute am Rande seines Gartens. Beim Umgraben stieß Hubert
Filiarsky am Sockel des Bunkers auf das seltsame Relikt. Woher
die Sandale stammt, erfuhr der Oberhausener von den beiden
hochbetagten Töchtern des Bäckers Oppenberg, dem das Grundstück
seinerzeit gehörte. "Sie hatten beobachtet, wie sich die
Zwangsarbeiter während ihrer knappen Pausen solche Sandalen aus
Holz und Lederresten von alten militärischen Kochgeschirr
selbst bastelten", erklärt Filiarsky. Und die Zeitzeuginnen
wussten auch zu berichten, dass es den Arbeitern auf der
Baustelle zumindest für kurze Zeit vergleichsweise gut ging:
"Die acht Töchter des Bäckers und Kolonialwarenhändlers
steckten den ausgezehrten Männer wohl immer wieder Lebensmittel
zu."
"Für uns sind solche Geschichten sehr wertvoll", berichtet Dr.
Anne Kugler-Mühlhofer vom LWL-Industriemuseum. Die Historikerin
recherchiert seit drei Jahren in Archiven, um die Geschichte
von Zwangsarbeitern auf der Zeche Zollern und in der Region
aufzuspüren. "Einiges haben wir herausgefunden und werden dies
auch im Rahmen der Sonderausstellung erstmals präsentieren",
kündigt die Historikerin an. Sie ist vor allem noch an
persönlichen Erinnerungen interessiert und sucht Zeitzeugen,
die Kontakt zu Fremd- oder Zwangsarbeitern hatten, etwas über
deren Lebensumstände oder den Umgang mit ihnen sagen können.
"Gerade in den ersten Kriegsjahren lebten zum Beispiel die
sogenannten 'Westarbeiter‘ mitten unter der Bevölkerung und
konnten sich anders als die späteren Kriegsgefangenen aus der
Sowjetunion freier bewegen", erklärt Kugler-Mühlhofer weiter.
So waren Belgier, Holländer und Franzosen im ehemaligen
Gasthaus "Husky" an der Merklinder Straße in unmittelbarer
Nachbarschaft der Zeche Zollern untergebracht.
INFO
Dr. Anne Kugler-Mühlhofer freut sich über einen Anruf (Telefon:
0231 6961-219) oder eine Mail (anne.kugler-muehlhofer at lwl.org).
Zwangsarbeit. Die Deutschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg
Internationale Wanderausstellung der Stiftung Gedenkstätten
Buchenwald und Mittelbau-Dora, initiiert und gefördert von
der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ)
18. März bis 30. September 2012
LWL-Industriemuseum Zeche Zollern
Grubenweg 5
44388 Dortmund
URL: http://www.ausstellung-zwangsarbeit.lwl.org
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