[WestG] [AUS] "Aus unserem Leben in die Freiheit - Lisa Tetzner und Kurt Klaeber/Held: Leben und Werk", Gelsenkirchen, bis 30.10.2011
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Sep 20 11:48:32 CEST 2011
Von: "Wiltrud Apfeld" <wapfeld at aol.com>
Datum: 20.09.2011, 10:08
AUSSTELLUNG
"Aus unserem Leben in die Freiheit - Lisa Tetzner und Kurt
Kläber/Held: Leben und Werk"
18.09. - 30.10.2011
Kulturraum "die flora", Florastr. 26, 45879 Gelsenkirchen
Eine Ausstellung über - Märchentöchter und Berufsrevolutionäre -
Kinderbücher und Arbeiterliteratur - Deutschland, die Schweiz und
das Ruhrgebiet - Heimat und Exil - Geschichte und Literatur - über
die Bedeutung von Freiheit und Verantwortung in der Gesellschaft.
Das Schriftstellerehepaar Lisa Tetzner (Zittau 1894 - Lugano
1963) und Kurt Kläber (Jena 1897 - Lugano 1959; Pseudonym Kurt
Held) ist bis heute mit seinen sozialkritischen Kinder- und
Jugendbüchern - darunter am bekanntesten Die rote Zora - auf
dem Literaturmarkt vertreten. Aktivitäten im Umkreis der
Wandervogelbewegung, längere Aufenthalte Anfang der 1920er
Jahre im Ruhrgebiet, zahlreiche Kontakte zur linken
Arbeiterliteraturszene und politische (Kultur-)Arbeit in Berlin
schlugen sich in ihren Werken (Barrikaden an der Ruhr, 1925;
Hans Urian, 1931) nieder. Das 1933 zur Emigration gezwungene
Paar ließ sich endgültig in Carona (Schweiz) nieder und setzte
sich schon in den 1940er Jahren in seinen Jugendbüchern
kritisch mit dem Nationalsozialismus auseinander.
Überraschende Funde über die Verbindung von Lisa Tetzner und
Kurt Kläber ins Ruhrgebiet der 1920er Jahre bereichern die
Ausstellung ebenso wie die Darstellung der vielen Vernetzungen
der beiden in den geistesgeschichtlichen Kontext von
Kaiserreich über Weimarer Republik, Nationalsozialismus bis in
die 1950er Jahre. Die Protagonisten sozial und humanitär
engagierter Literatur sind bis heute aktuell: Ihre Romane Die
Kinder aus Nr. 67 (Lisa Tetzner, 1933-1949), Die schwarzen
Brüder (Lisa Tetzner und Kurt Kläber/Held, 1940/41) und Die
rote Zora (Kurt Kläber/Held, 1941) erfahren immer noch
zahlreiche Neuauflagen, Hörbuchausgaben, Theater-, TV- und
Filmadaptionen.
Für das Ruhrgebiet besonders interessant ist zum einen der
Aufenthalt Kurt Kläbers von Ende 1920 bis Sommer 1923. In
dieser Zeit arbeitete er als Bergmann auf der Zeche Centrum in
Wattenscheid und war in der Arbeiterbildungs- und
Arbeiterliteraturszene sehr aktiv. Seine Erfahrungen aus dieser
Zeit flossen in mehrere Romane und Erzählungen (z. B.:
Barrikaden an der Ruhr, 1925) ein. Zum anderen kam Lisa Tetzner
wiederholt als Märchenerzählerin zu Vorträgen ins Ruhrgebiet.
Ihre Eindrücke über Das Land der Industrie zwischen Rhein und
Ruhr schilderte sie in ihrem gleichnamigen, 1923
veröffentlichten Buch. Ihre späteren Aktivitäten im Ruhrgebiet
sind u. a. dokumentiert in der Kulturzeitschrift "Der Schacht",
die in den 1920er Jahren in Bochum von Fritz Wortelmann, dem
späteren FIDENA-Gründer, herausgegeben wurde.
Die Ausstellung würdigt das Lebenswerk von Lisa Tetzner und
Kurt Kläber, deren literarische Arbeiten immer eine
gesellschaftspolitische Dimension mitdenken. Die Konzentration
auf die Kinder- und Jugendliteratur ist Ausdruck ihrer
Wertschätzung der jungen Generation als Trägerin einer
gerechten, einer friedlichen, einer humanen Zukunft. Einer
neuen gesellschaftlichen Ordnung, die die politische
Entwicklung der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts radikal
kritisiert und daraus Lehren zieht. Man mag es Utopie nennen.
Oder - mit Blick auf die Gegenwart - immer noch einzulösenden
Realismus.
Anhand von Bild-Texttafeln, ausgewählten Originaldokumenten,
Exponaten aus dem Nachlass, umfangreicher Literaturpräsentation
sowie Originaltonaufnahmen zeigt die Ausstellung die Lebenswege
von Lisa Tetzner und Kurt Kläber auf. Zahlreiche Dokumente und
Exponate stammen aus dem umfangreichen familiären Nachlass der
Großnichte. Für die intensive Unterstützung, die Überlassung
des Nachlasses und die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit
gilt daher ein ganz besonderer Dank Christiane
Dornheim-Tetzner. Darüber hinaus stellten zahlreiche Archive
und Bibliotheken Materialien für die Bild-/Texttafeln und die
Vitrinenpräsentation zur Verfügung.
Zu danken ist der Gelsenkirchener Stadtbibliothek, dem Bochumer
Zentrum für Stadtgeschichte/Stadtarchiv, dem
Fritz-Hüser-Institut Dortmund, weiteren Archiven und
Bibliotheken im Ruhrgebiet und vielen deutschen und Schweizer
Institutionen (darunter das Bundesarchiv in Berlin, das
Deutsche Literaturarchiv Marbach, das Deutsche Rundfunkarchiv
in Frankfurt a. M., die Ernst-Abbe-Bücherei in Jena, das
Staatsarchiv Aargau in Aarau/Schweiz, das Schweizerische
Institut für Kinder- und Jugendmedien in Zürich, der
Sauerländer Verlag).
INFO
Öffnungszeiten:
so - fr 11:00 - 17:00 Uhr, feiertags geschlossen
Infos zu Ausstellung und Begleitprogramm:
URL: www.die-flora-gelsenkirchen.de
Anmeldungen zu Führungen unter:
Tel.: 0209 169-9105
Veranstalter: Stadt Gelsenkirchen, Kulturraum "die flora"
Ausstellungsteam: Wiltrud Apfeld, M.A. (Kulturraum "die flora")
und Dr. des. Cristina Rita Parau (Aachen) mit Unterstützung von
Christiane Dornheim-Tetzner (Frankfurt a. M.) und Mitarbeit von
Michael Moos, M. A. (Hattingen)
Kontakt:
Wiltrud Apfeld
Stadt Gelsenkirchen/Kulturraum "die flora"
Florastr. 26
45879 Gelsenkirchen
Tel.: 0209 1699105
Fax: 0209 1699173
E-Mail: wiltrud.apfeld at gelsenkirchen.de
URL: www.die-flora-gelsenkirchen.de
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