[WestG] [AKT] Vielfalt laendlicher Gaerten: Modellprojekt im LWL-Freilichtmuseum Detmold gestartet

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Okt 14 11:51:55 CEST 2011


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 13.10.2011, 15:21


AKTUELL

Vielfalt ländlicher Gärten
Modellprojekt im LWL-Freilichtmuseum Detmold gestartet

Unsere Dörfer bestehen nicht nur aus Gebäuden, Straßen und 
Plätzen. Sie werden auch durch ihre Gärten geprägt. Um die 
Vielfalt in den Gärten der Region geht es in einem 
Modellprojekt des LWL-Freilichtmuseums Detmold. Das Projekt, 
das vom Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) 
gemeinsam mit dem Büro für Vegetationskunde, Tierökologie und 
Naturschutz (BfVTN) betreut wird, ist auf drei Jahre angelegt 
und wird vom Bundesministerium für Landwirtschaft gefördert. 
Die Gesamtprojektsumme beträgt rund 485.000 Euro.

"Die Artenvielfalt ist ein wichtiges Thema, nicht nur für uns 
als Museum. In der Rückbesinnung auf die Vielfalt liegt die 
Zukunft des Essens, denn nur so können wir die Qualität unserer 
Nahrung erhalten. Mit der Förderung dieses Modellprojekts wird 
dieses Anliegen unterstützt", erklärt LWL-Museumsleiter Dr. Jan 
Carstensen.

Der ländliche Garten ist traditioneller Bestandteil von 
Dörfern. Er diente vor allem der Selbstversorgung und 
beinhaltet deshalb von je her eine große Auswahl an Gemüse- und 
Obstsorten, Gewürz- und Zierpflanzen sowie Heilkräutern. Die 
Gärten sind historisch gewachsen und harmonisch in die Umgebung 
und das Ortsbild eingefügt.

Doch diese Gärten und ihre Vielfalt an Nutz- und Zierpflanzen 
sind zunehmend bedroht. Immer mehr Nutzgärten werden 
aufgegeben. Damit gehen auch ein Stück Geschichte, Tradition 
und Lebensweise und viele Pflanzen verloren. Die Dörfer 
verlieren ihr typisches Ortsbild. Wichtige Genreserven für die 
Ernährung und medizinische Versorgung drohen für immer in 
Vergessenheit zu geraten. Denn bei den kommerziell angebauten 
und im Handel befindlichen Nutz- und Zierpflanzen handelt es 
sich um wenige Arten und Sorten, die durch Züchtung stark 
verändert worden sind.

Das LWL-Freilichtmuseum in Detmold hat sich zur Aufgabe gesetzt,
 diesem Trend entgegenzuwirken. In dem dreijährigen Forschungs- 
und Entwicklungsprojekt, das das Landwirtschaftsministerium 
über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung mit 
rund 310.000 Euro fördert, soll bis Herbst 2014 modellartig 
untersucht werden, wie die Arten- und Sortenvielfalt von 
traditionellen Nutz- und Zierpflanzen in ländlichen Gärten der 
Region Westfalen-Lippe erhalten und verbessert werden kann.

Dazu soll in einem ersten Schritt eine Erfassung des aktuellen 
Bestands einzelner Gärten und ihrer Artenvielfalt in 
Beispielregionen Westfalens durchgeführt werden. Zudem sollen 
im Gespräch mit den Besitzern die traditionelle Verwendung der 
Kulturpflanzen in Erfahrung gebracht werden. Lokale 
Pflanzensorten mit bemerkenswerten Eigenschaften werden 
gesammelt und im LWL-Freilichtmuseum vermehrt, um sie später an 
Interessenten abzugeben.

Auf diese Weise soll das LWL-Freilichtmuseum zu einem 
Informationszentrum für biologische Vielfalt im ländlichen 
Gartenbau ausgebaut werden, in dem das Wissen über die Herkunft,
 Geschichte, regionale Verbreitung, Eigenschaften, historische 
Nutzung und aktuelle Verwendung der Kulturpflanzen gesammelt 
wird. Tauschbörsen, Ausstellungen, Vorträge, Führungen, Druck- 
und Internetveröffentlichungen sind Angebote, mit denen dieses 
Wissen Interessierten zugänglich gemacht werden soll.

"Die Artenvielfalt von Bauerngärten zu erhalten und zu 
verbreiten, kann nur durch tatkräftige Unterstützung weiter 
Teile der Bevölkerung gelingen. Bürgerbeteiligung ist beim 
Aufbau eines regionalen Netzwerks zur Förderung von Genreserven 
in ländlichen Gärten gefragt. Denn ländlichen Gärten und ihre 
Kulturpflanzen sind als Kulturgut ein wichtiger Bestandteil der 
Identität", so Castensen.

Mithelfen kann jeder, der bereits einen ländlichen Garten 
bewirtschaftet, in dem traditionelle Nutz- und Zierpflanzen 
angebaut werden, oder wer Interesse daran hat, solche 
Pflanzensorten in seinem Garten zu kultivieren oder anderweitig 
einen Beitrag zur nachhaltigen Förderung der biologischen 
Vielfalt in Bauerngärten leisten möchte. 


INFO

Die Kontaktadresse lautet: 
Büro für Vegetationskunde, Tierökologie und Naturschutz 
(BfVTN)
E-Mail: Denz.Gartenvielfalt at t-online.de oder 

LWL-Freilichtmuseum Detmold
E-Mail: lwl-freilichtmuseum-detmold.de
Tel.: 05231/706-0.


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