[WestG] [AKT] Teile des gestrandeten Pottwals in Muenster angekommen: Riese der Meere ab September in Wale-Ausstellung
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Nov 21 11:23:56 CET 2011
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 21.11.2011, 11:14
AKTUELL
Teile des gestrandeten Pottwals in Münster angekommen
Riese der Meere ab September in Wale-Ausstellung
Im September 2012 wird eine neue Sonderausstellung ("Wale -
Riesen der Meere") im LWL-Museum für Naturkunde in Münster
eröffnet. Der 15 Meter lange Pottwal, der in der vergangenen
Woche vor der Nordseeinsel Pellworm gestrandet war, wird ein
Höhepunkt der rund 2.000 Quadratmeter großen Ausstellung. Erste
Körperteile sind am Montag (21.11.) in der
Präparationswerkstatt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
(LWL) in Münster angekommen.
Das LWL-Museum hatte schnell auf die Mitteilung vom angespülten
Pottwal reagiert und sofort Kontakt zu den Behörden
aufgenommen. Museumsdirektor Dr. Alfred Hendricks: "Unser
Interesse kommt nicht von ungefähr. Wir haben mit Blick auf
unsere kommende Wale-Ausstellung bereits Mitte 2007 Kontakt zum
Landesbetrieb für Küstenschutz Schleswig-Holstein aufgenommen
und gebeten, bei einer Walstrandung informiert zu werden.
Unsere Präparatoren und Wissenschaftler waren darum vergangene
Woche sofort in Meldorf an der Nordseeküste vor Ort, um Organe
des 30 Tonnen schweren Walkadavers vor ihrer Verwesung zu
retten und das Skelett für uns zu sichern." Der zoologische
Chefpräparator des LWL, Werner Beckmann, hat zusammen mit
anderen Experten die noch nicht zu stark verwesten Organe
entnommen und den Wal für seinen Weitertransport vorbereitet.
Skelett zuerst nach Stralsund
Während die Organe direkt nach Münster kommen, wird das
Walskelett zunächst nach Stralsund ins Meeresmuseum "Ozeaneum"
gebracht. Das LWL-Museum wird in Kooperation mit den Kollegen
aus Stralsund die Mazeration (Entfleischung) und Entfettung
vornehmen. Hendricks: "Vor der Mazeration musste in Meldorf die
dicke Speckschicht abgetragen werden, danach konnte der Kadaver
ausgenommen und entfleischt werden. Fleischzersetzende
Bakterien erledigen nun innerhalb von sechs bis acht Wochen den
Rest der Arbeit und hinterlassen letztlich die sauberen
Knochen. Das bringt dies einen enormen Verwesungs- und
Trangeruch mit sich, der sehr penetrant sein kann." Nach der
Bearbeitung in Stralsund wird das Skelett dann nach Münster
kommen.
Wal-Ausstellung
Die rund eine Millionen Euro teure Ausstellung beleuchtet mit
Skeletten, Echthaut- und anderen Tierpräparaten sowie
begehbaren Nachbildungen Themen wie Evolution, Lebensweise,
Fortpflanzung, Walfang und Walschutz. Besucher sollen
herausfinden, was Wale und Flusspferde verbindet, wodurch die
Welt der Wale bedroht ist und wie man die einzigartigen
Lebewesen schützen kann. Die Ausstellung arbeitet mit
Inszenierungen, Mitmach-Stationen, kindgerechten Filmen und
einfachen Texten. Ausstellungsmacher Dr. Jan Ole Kriegs: "Der
Besucher erfährt, wie eine Walzunge aussieht, wie Wale schlafen,
wieso der Pottwal so tief tauchen kann und was mit seinem
Kadaver am Meeresgrund passiert."
"Die Organe vom Pottwal aus Pellworm werden sich in den
verschiedenen Ausstellungsbereichen wiederfinden", erklärt
Ausstellungsmacher Thorsten Pickel. So wird der 1,56 Meter
lange Penis des Tieres im Bereich Fortpflanzung auftauchen. Ein
Stück seiner Haut wird im Thema Haut zu sehen sein, und die 70
Zentimeter langen Flossen sollen im Bereich Fortbewegung
integriert werden. "Welche anderen Organe für die Ausstellung
noch nutzbar sind, wird sich in den nächsten Tagen zeigen" , so
Kriegs. Und seine Kollegin Judith Becker ergänzt: "Um das
schöne Tier tut es uns sehr leid. Wir sind jedoch auch froh,
den Pottwal für die Ausstellung und besonders für unsere
Sammlung erhalten zu haben."
Hintergrund: Wale
Die ersten Wale gab es bereits vor zirka 55 Millionen Jahren.
Doch die vierbeinigen Vorfahren der heutigen Wale mussten
zunächst den Weg zurück ins Wasser finden. Heutzutage bevölkern
Wale alle Weltmeere. Die Sonderausstellung zeigt die Vielfalt
der Wale und soll für die Meeresriesen begeistern.
Pottwale (Physeter catodon oder Physeter macrocephalus) gehören
zur Familie der Physeteridae, der Zahnwale. Sie gehören zu den
bekanntesten Walen und sind unverkennbar aufgrund ihres Kopfes,
der etwa ein Drittel ihres Körpers ausmacht. Der Kopf ist fast
rechteckig und besitzt ein s-förmiges Blasloch.
Besonders auffallend ist der lange, schmale Unterkiefer, der
große, kegelförmige Zähne enthält. Das Verbreitungsgebiet der
Pottwale erstreckt sich über alle Ozeane. Der Pottwal lebt auf
hoher See und jagt in großen Tiefen nach seiner Lieblingsspeise,
den riesigen Tiefsee-Kalmaren (Tintenfisch), Fischen und
Kraken. Das LWL-Team erwartet daher, im Magen des Pottwals
zahlreiche Schnäbel von Kalmaren zu finden. Die Küstennähe
meidet er normalerweise.
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