[WestG] [LIT] Goedden, Walter / Strauch, Thomas (Hrsg.): Ich schreibe weil... 36 westfaelische Autoren im Interview
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Jul 29 11:50:49 CEST 2011
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 28.07.2011, 12:32
LITERATUR
"Ich schreibe weil..."
LWL-Projekt mit 36 westfälischen Autoren auf den Zahn gefühlt.
"Warum schreiben Sie eigentlich?" Diese Frage stellte ein Team
der Literaturkommission beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe
(LWL) und der Universität Paderborn 36 westfälischen Autoren.
Die Antworten sind filmisch festgehalten. Zu sehen sind sie bis
Ende Oktober 2011 in einer multimedialen Ausstellung im Museum
für Westfälische Literatur Haus Nottbeck (Oelde-Stromberg/Kreis
Warendorf). Zugleich ist das Projekt in Buchform in der
Schriftenreihe der LWL-Literaturkommission erschienen. Zum
weiteren Fragekatalog gehörten die Frage nach Schreibblockaden,
Wunschlebensorten und heimlichen Lieblingsbüchern. Neben dem
privaten Schreiballtag nimmt das Projekt auch das Große und
Ganze in den Blick. Wie gehen die Autoren mit den neuen
Medientechnologien um? Wie schätzen sie ihre Position im
Buchmarkt ein? Und wie kommt man als Literat über die Runden?
Drei Jahre lang fühlte das Team um Prof. Walter Gödden von der
LWL-Literaturkommission und Dr. Thomas Strauch von der
IMT-Medien der Universität Paderborn den westfälischen Autoren
auf den Zahn. Zu Wort kamen sie alle: Der renommierte Lyriker
Harald Hartung, Erfolgssautoren wie Frank Goosen, Satiriker wie
Wiglaf Droste, Mundartautoren wie Norbert Johannimloh, der
Kabarettist Erwin Grosche und der Dortmunder Milieubeobachter
Ralf Thenior. Nicht zu vergessen die Jugendbuchautorin Jutta
Richter und der Erfinder der John Sinclair-Gruselhefte, Helmut
Rellergerd. Von A wie Jörg Albrecht bis W wie Christoph Wenzel
hat das Projekt fragend die zeitgenössische westfälische
Literaturlandschaft exemplarisch vermessen.
Die heutige Literaturlandschaft ist für die meisten Autoren ein
"Haifischbecken". Eher als an den Gesetzen des Marktes
orientieren sich die Autoren an der eigenen Individualität. Die
Antworten auf die Gretchenfrage "Ich schreibe, weil…" sind
hierfür eine Beleg: Während es für Harald Hartung "nichts
spannenderes" als das Schreiben gibt, ist es für Wiglaf Droste
auch ein Mittel, um das Herz von Frauen zu gewinnen.
Existentieller argumentiert die Romanschriftstellerin Judith
Kuckart: Neben der profanen Existenzsicherung treibt sie vor
allem die Gewissheit ihrer Vergänglichkeit zum Schreiben an.
Ein zweiter Frageteil behandelt werkimmanente ästhetische und
gesellschaftspolitische Aspekte. Gefragt wurde nach der
Stellung in der literarischen Szene, nach dem persönlichen
Zeitmanagement, nach hervorstechenden Motiven und Anregungen.
Auch hier ein differenziertes Bild: An Generations- oder
politischen Zuschreibungen sind die wenigsten Autoren
interessiert. Beispielhaft ist hierfür die Beurteilung der
neuen Medienwelt: Während der ältere Mundartdichter Siegfried
Kessemeier auch ihre positiven Aspekte zu schätzen weiß, ergeht
sich manch Jüngerer in einer kulturpessimistischen
Medienschelte.
"Der Katalog wirft einen einzigartigen und kurzweiligen Blick
auf die zeitgenössische westfälische Literaturlandschaft. Der
Effekt ist auch ein literatursoziologisch aufklärerischer: das
Bild des Schriftstellers wird entmystifiziert. Es wird deutlich,
was es in heutigen Zeiten heißt, als Schriftsteller zu leben
und zu arbeiten", so Walter Gödden.
INFO
Ich schreibe weil...
36 westfälische Autoren im Interview
hrsg. von Walter Gödden und Thomas Strauch,
Bielefeld: Aisthesis, 2011, ISBN 978-3-89528-862-3
211 Seiten, 24,80 Euro
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