[WestG] [AKT] Herner Motte geht nach Neuenrade, Abbau der Turmhuegelburg beginnt
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Jan 14 09:38:55 CET 2011
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 13.01.2011, 13:00
AKTUELL
Herner Motte geht nach Neuenrade
Abbau der Turmhügelburg beginnt
Nach dem Ende der erfolgreichen Mittelalterausstellung "Aufruhr
1225" (Feb. bis Nov. 2010) wird jetzt die hölzerne
Turmhügelburg vor dem LWL-Museum für Archäologie in Herne
abgebaut und in Neuenrade (Märkischer Kreis) wieder aufgebaut.
Am Donnerstag (13.1.) begann der Abbau, der voraussichtlich bis
Ende Januar dauern wird. Wann die Rekonstruktion einer so
genannten mittelalterlichen Motte in Neuenrade wieder 25 Meter
in den Himmel ragt, steht noch nicht fest.
"Wir freuen uns sehr über die neue Motte, weil wir historischer
Standort einer solchen Burg waren", sagte Neuenrades
Bürgermeister Klaus Peter Sasse. "Als neue Heimat der Motte
kommt ein Platz nahe dem Original-Bodendenkmal in Betracht. Wir
sind davon überzeugt, dass dieses Objekt eine einmalige Chance
bietet, mittelalterliche Geschichte in all ihren Facetten
wieder lebendig werden zu lassen."
Dr. Barbara Rüschoff-Thale, Kulturdezernentin des
Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) beglückwünschte die
märkische Stadt zu der Initiative: "Was in Herne über 166.000
Museumsbesucher lockte, wird sicher auch in Neuenrade ein
Anziehungspunkt werden."
Die Motte wird fachmännisch zerlegt, in der Reihenfolge des
Aufbaus abgebaut, auf Lkw zum neuen Standort transportiert und
dort bis zum endgültigen Aufbau zwischengelagert. Die Arbeiten
übernimmt ein Neuenrader/Küntroper Zimmereiunternehmen, das
Erfahrung in der Planung und Errichtung von Holz-Fertighäusern
hat. Die Kosten werden nach Angaben von Sasse größtenteils
durch Spenden aufgebracht.
Hintergrund
Turmhügelburgen im Mittelalter
Motten prägten wesentlich das Erscheinungsbild der dichten
Burgenlandschaft in der Region. Doch keine einzige ist erhalten
geblieben. Auch zeitgenössische Abbildungen existieren kaum.
Erkenntnisse liefern vor allem noch bestehende Hügel und Spuren
im Boden. Die LWL-Archäologen versuchten unter anderem
herauszufinden, wie die Holzburgen auf heutigem deutschen Boden
aussahen.
Um den wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht zu werden, trugen
die Ausstellungmacher Forschungsergebnisse über Mottenbauten
aus ganz Deutschland zusammen. Auf deren Grundlage entwickelten
sie den Idealtypus eines Wohnturms mit Hügel, der mit seinen
insgesamt 25 Metern Höhe Besuchern den Weg zur Ausstellung über
Ritter, Burgen und Intrigen wies.
Die Motte in Neuenrade
Nur wenige Kilometer östlich der einstigen märkischen
Grenzfeste Neuenrade erhebt sich auf einem Wiesengrundstück
inmitten der Talsohle des oberen Hönnetals ein mit dichtem
Buschwerk bewachsener, von einem Wassergraben umgebener
künstlicher Erdhügel, eine sogenannte "Motte". An dieser Stelle
befand sich wahrscheinlich schon seit dem 13. Jahrhundert die
Wasserburg Gevern, ein befestigter Stützpunkt der Grafen von
Arnsberg und Zentrum eines großen wirtschaftlich florierenden
Haupthofes, zu dem - neben einer Mühle - eine Reihe stattlicher
Güter und deren Kolonnen zählten.
Der Bau dieser Turmhügelburg richtete sich gegen Graf Engelbert
III. von der Mark, der - ab 1353 - in eindeutiger Frontstellung
gegen Graf Gottfried IV. von Arnsberg - die befestigte Stadt
Neuenrade anlegte. Noch vor der sehr wahrscheinlich durch Graf
Engelbert persönlich vorgenommenen Überreichung des großen
Neuenrader Stadtrechtsbriefes vom 25. Juli 1355 rückte der
Märker mit starken militärischen Kräften gegen Arnsberg vor und
legte die Turmhügelburg Gevern in Schutt und Asche.
In der Folgezeit scheint es still um den verlassenen Burgplatz
geworden zu sein, der ebenso wie das Dorf Gevern mit seinen
ausgedehnten Fluren in der Neuenrader Feldmark aufging. 1573
findet die Burg noch einmal Erwähnung. Als die Küntroper aus
Fundamentsteinen der Burgruine einen Kalkofen errichteten,
griffen die Märker ein und zerstörten ihn.
Wie die Geverner Turmhügelburg ausgesehen haben könnte, wird
seit Jahrzehnten - auch in Nichthistoriker-Kreisen -
diskutiert. "Erst die anlässlich der Aufruhr-Ausstellung
errichtete Turmhügelburg brachte hier neue und überzeugende
Erkenntnisse", so Dr. Rolf Dieter Kohl, Vorsitzender des
Vereins für Geschichte und Heimatpflege Neuenrade.
In diesem Zusammenhang wurde von historisch interessierten
Bürgern überlegt, ob die Herner Turmhügelburg nach ihrem
geplanten Abbau in Herne nicht in der Nähe der ehemaligen Burg
Gevern als einzigartiges und dauerhaftes Anschauungsobjekt
wieder Aufstellung finden könnte.
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