[WestG] [AUS] Slawische Schaetze des Mittelalters, Paderborn, 12.02.-08.05.2011

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Feb 11 11:29:06 CET 2011


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 10.02.2011, 12:01


AUSSTELLUNG

Slawische Schätze des Mittelalters
Sonderausstellung im Museum in der Kaiserpfalz

Das Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn präsentiert ab 12. 
Februar (bis 8. Mai) die Sonderausstellung "Schätze des 
Mittelalters - Schmuck aus dem Staatlichen Archäologischen 
Museum Warschau". 440 Schmuckstücke aus dem 10. bis 13. 
Jahrhundert zeigen die slawische Kultur des Mittelalters. Die 
Fundorte erstrecken sich über das heutige Polen, Weißrussland 
und die Ukraine.

"Schmuck nahm in der menschlichen Kultur schon immer einen 
wichtigen Platz ein und hat viele Aufgaben - von ästhetischer, 
sozialer und symbolischer Bedeutung bis hin zur schlichten 
Gebrauchsfunktion", erklärte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara 
Rüschoff-Thale am Donnerstag (10.2.) bei der Vorstellung der 
Ausstellung. "Schmuck spiegelt die soziale Position seines 
Besitzers, etwa Alter und Familienstand, aber auch religiöse 
Überzeugungen wider."

Prof. Dr. Michael M. Rind, Chefarchäologe des LWL: "Die 
Sonderausstellung zeigt wunderschöne Exponate aus der Glanzzeit 
der slawischen Schmuckherstellung. Wir freuen uns, diese 
glanzvolle Epoche des polnischen beziehungsweise des Kiewer 
Reiches im Mittelalter nun in der Paderborner Kaiserpfalz zu 
präsentieren. Die Zusammenarbeit mit dem Warschauer Museum war 
hervorragend."

Von dem Reichtum am polnischen Königshof berichtete bereits der 
fränkische Mönch Gallus Anonymus zu Beginn des 12. 
Jahrhunderts: "Die Frauenzimmer des Hofes gingen so belastet 
mit goldenen Kronen, Kolliers, Halsketten, Armringen, goldenen 
Fransen und Kleinodien, dass, wenn Zweite sie nicht stützen 
würden, sie dieses Gewicht der Metalle nicht hätten heben 
können."

Ganz in Gallus‘ Sinn zeichnen sich die ausgestellten 
Schmuckstücke durch einen Formenreichtum aus, der von der hohen 
Kunstfertigkeit der Hersteller und vom ausgewählten Geschmack 
und Wohlstand der Besitzer zeugt. Die Schmuckstücke stammen aus 
Gräberfeldern, Burgwällen oder wurden als Horte versteckt. Oft 
sind aber auch die Fundorte und die Umstände, unter denen die 
Kostbarkeiten in die Erde gelangten, unbekannt.

Zu den Exponaten gehören neben typischem Schläfen- und 
Halsschmuck auch Ohr-, Arm- und Fingerringe aus Silber, Bronze 
und Gold, Glas, Halbedelsteinen und Bernstein. Die zum Teil 
sehr aufwändig gearbeiteten Schmuckstücke aus dem 10. bis 13. 
Jahrhundert stammen aus dem Reich der polnischen 
Herrscherdynastie der Piasten und aus der Kiewer Rus - einem 
Großreich, das Teile des heutigen Russland, der Ukraine und 
Weißrusslands umfasste. Sie lassen den sagenhaften Reichtum an 
den slawischen Höfen erahnen und geben Einblicke in die 
mittelalterliche slawische Gesellschaft.

Zur Ausstellung gibt es ein Veranstaltungsprogramm mit 
Vorträgen und Workshops sowie vier museumspädagogische 
Programme für Schulklassen und Erwachsene. In Zusammenarbeit 
mit dem Warschauer Museum und dem Landesmuseum Brandenburg ist 
ein Ausstellungskatalog erschienen, der im Buchhandel 
erhältlich ist.

Hintergrund/Exponate
Schläfenringe
Sehr verbreitet im slawischen Gebiet waren Schläfenringe, die 
aus Draht oder zusammengedrehten Blechstreifen zu einem offenen 
Ring gebogen waren. Vorrangig Frauen trugen sie einzeln oder zu 
mehreren auf beiden Kopfseiten an Leder-, Woll- und 
Flechtbändern oder an Tüchern. Im Laufe der Zeit wurden sie 
immer größer und zierten bis ins 14. Jahrhundert die Schläfen 
vor allem der ostslawischen Frauen.

Ohrringe
In der Ausstellung sind für die ost- und westslawischen Gebiete 
und sogar für den Orient typische Ohrringe zu sehen. Die 
schönsten Objekte sind aus Silber und stammen hauptsächlich aus 
Hortfunden. Manchmal wurden sie allerdings auch als Beigaben 
mit ins Grab gelegt. Sie wurden entweder im Ohr getragen oder 
waren wie die Schläfenringe an Bändern oder Kopfbedeckungen 
befestigt. Besonders aufwändig gefertigt sind die Ohrringe vom 
Kiewer Typ. Auf deren Bügel sind runde oder walzenförmige 
Perlen aufgeschoben. Orientalische Formen werden durch 
Silberohrringe mit einer großen Perle im unteren Bügelbereich 
repräsentiert, auf die Kegel angelötet wurden.

Einige Exponate fallen auffallend aus diesen Schemata heraus: 
Silberohrringe, an deren Ring beziehungsweise "Kuppel" jeweils 
sieben Kettchen befestigt sind. An den Enden der Kettchen 
hängen Silberperlen und Pressbleche. Es handelt sich dabei um 
seltene Funde, die zwischen 950 und 1050 in Mode waren.

Halsketten und -ringe
Der in der Ausstellung präsentierte Halsschmuck umfasst 
Halsringe sowie aus Perlen und Anhängern bestehende Ketten und 
wurde von Frauen wie auch von Männern getragen. Besonders 
anspruchsvolle Schmuckelemente aus dem ostslawischen Gebiet 
sind die Silberperlen vom Typ Wolhyn.

Ihr komplizierter Aufbau besteht aus einem Metallstift, der von 
drei oder vier flachgedrückten gebogenen Röhrchen umgeben ist. 
Diese sind mit Silberkügelchen in Doppellinien- und 
Dreieckmustern reich verziert. Diese raffinierten Silberperlen 
wurden von der zweiten Hälfte des 10. bis zum 11. Jahrhundert 
angefertigt.

Die Halsringe sind aus Silberdrähten gefertigt und 
ausgesprochen prunkvoll. Einige bestehen aus sechs 
beziehungsweise acht Drahtpaaren. Die Drahtenden wurden zu 
Platten mit Haken und Öse geschmiedet. Derart gestaltete 
Halsringe sind unter anderem aus westslawischen Horten der 
Ostseeküstenzone bekannt und datieren in die Zeit vom 
ausgehenden 10. bis zum beginnenden 12. Jahrhundert.

Etwas ganz Besonderes ist eine Kette aus dem Mitte des 11. 
Jahrhunderts niedergelegten Hort von Borucin in Polen. Diese 
Silberkette besteht aus in der Mitte zusammengebogenen 
achtförmigen Gliedern, wobei jedes Einzelne mit dem jeweils 
übernächsten verbunden ist. Die Enden dieser Kette sitzen in 
einer Tülle in Tierkopfform, was für eine skandinavische 
Herkunft spricht.

Armringe
Die Armringe sind auf dieselbe Art gefertigt, wie die weitaus 
häufigeren Finderringe: sie wurden vornehmlich aus 
Blechstreifen oder Drähten hergestellt. Lediglich zwei 
Manschettenarmringe heben sich hinsichtlich ihrer 
Herstellungstechnik ab. Sie bestehen aus zwei breiten 
Blechbändern, die durch ein Scharnier miteinander verbunden 
sind. Ihre mit glatten Drähten längsgeteilten Felder füllen 
ketten- (Kat.-Nr. 164) und zopfförmige Filigrananordnungen, die 
von Bändern aus S-förmigen Drähten gerahmt sind. Armringe mit 
Scharnier sind in verschiedener Ausprägung aus vielen Gebieten 
Europas und des Orients bekannt.

Katalog - Bibliografische Angaben
Schätze des Mittelalters. Schmuck aus dem Staatlichen 
Archäologischen Museum Warschau, hrsg. von Museum in der 
Kaiserpfalz/LWL-Archäologie für Westfalen, Archäologisches 
Landesmuseum Brandenburg, Martin Kroker, Michael Rind, Franz 
Schopper, Druckverlag Kettler (Bönen 2011), ISBN 
978-3-86206-071-9, Buchhandelsausgabe 17,90 Euro 
(Museumsausgabe 14 Euro).
164 Seiten, ca. 500 farbige Abbildungen. 


INFO

Ausstellungsdaten: 
"Schätze des Mittelalters - Schmuck aus dem Staatlichen 
Archäologischen Museum Warschau"
12.2.-8.5.2011
Im Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn

Öffnungszeiten: 
dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr
an jedem ersten Mittwoch im Monat 10 bis 20 Uhr

Eintritt
Erwachsene 2,50 €
ermäßigt 1,50 €
Familien 6,00 €
Erwachsene in Gruppen ab 6 Personen 2,00 €
Schulklassen und Kindergartengruppen haben freien Eintritt.

Museum in der Kaiserpfalz
Am Ikenberg
33098 Paderborn
Tel.: 05251 1051-10
Fax: 05251 1051-25
E-Mail: kaiserpfalzmuseum at lwl.org 
http://www.lwl-kaiserpfalz-paderborn.de


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