[WestG] [AKT] Geschichte erleben: Schueler und Schuelerinnen aus Borken und Gescher lernen in Archiv und Museum
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Dez 13 11:45:14 CET 2011
Von: "Kreis Borken" <info at presse-service.de>
Datum: 09.12.2011, 12:36
AKTUELL
Geschichte erleben
Schüler und Schülerinnen aus Borken und Gescher lernen in
Archiv und Museum / Spuren der Industrialisierung entdecken
23 Schülerinnen blättern in alten Fotoalben, sichten Lagepläne
und entziffern, was auf historischen Lebensmittelanzeigen
geschrieben steht. Im Sitzungssaal des Borkener Kreishauses
herrscht konzentrierte Arbeitsatmosphäre. Die Klasse 9c der
Schönstätter Marienschule Borken setzt sich mit dem Thema
Industrialisierung auseinander. Dafür studieren die Mädchen
Dokumente aus dem Archiv des Kreises Borken. Diese geben
Hinweise auf den Alltag von Arbeitern und Unternehmern,
gesellschaftliche Unterschiede und auch die Situation von
Kindern und Jugendlichen.
Kreisarchivarin Renate Volks-Kuhlmann hat die Dokumente
zusammengestellt. Das Motto: Raus aus der Schule und rein in
die Vergangenheit der eigenen Region. "Wir möchten zeigen, wie
man die Dokumente, die wir im Archiv aufbewahren, zum Sprechen
bringen kann", erklärt Volks-Kuhlmann.
Die 14-jährige Sophia aus Marbeck wälzt eine preußische
Gesetzessammlung aus dem Jahr 1843. Weiße Handschuhe sind
Pflicht, um das alte Buch nicht übermäßig zu strapazieren.
Neben den gesetzlichen Vorschriften erzählen Bilder von den
Folgen der Industrialisierung. "Viele Kinder sind schon früh
angefangen zu arbeiten, mit 14 Jahren", hat Sophia zum Beispiel
erfahren. "Da hätte ich nicht tauschen wollen."
Geschichtslehrerin Susanne Ontrup begleitet die Klasse ins
Kreishaus. In den vergangenen Wochen war die Industrialisierung
bereits Thema im Unterricht. "Es ist gut, jetzt mit
Originalquellen arbeiten zu können", sagt sie. "Hier sehen die
Schülerinnen, dass Schule etwas mit dem Leben zu tun hat." Auch
wenn es um die Weimarer Republik oder den Nationalsozialismus
gehe, biete es sich an, die eigene Region in den Blick zu
nehmen.
Ganz ähnlich ist das Bild einige Stunden zuvor im Rathaus der
Stadt Gescher. Im Sitzungssaal in der ersten Etage hat
vorübergehend die Klasse 8b der Don-Bosco-Schule das Sagen. Die
Mädchen und Jungen setzen sich mit der Industrialisierung in
ihrer Heimatstadt auseinander. Und sie stellen fest: Diese hat
deutliche Spuren im Stadtbild hinterlassen. Eine Gruppe schaut
sich alte Baupläne des Textilunternehmens Huesker an, eine
andere spricht über die Villen, die in dieser Zeit im Ortskern
entstanden sind.
Nicole Brögmann vom Bildungsbüro des Kreises koordiniert die
Erarbeitung der verschiedenen Unterrichtseinheiten im Rahmen
des Bundesprogrammes 'Lernen vor Ort'. "Sie können Schülerinnen
und Schülern einen spannenden Einstieg in die regionale
Kulturgeschichte bieten", ist sie überzeugt. Über den Kreis
verteilt gebe es etwa 35 Museen und 20 Archive. "Wir wollen
Kontakte zwischen Schulen und außerschulischen Lernorten
vermitteln. Auf Dauer können hieraus feste
Bildungspartnerschaften wachsen."
Andreas Froning, der Leiter des Stadtarchivs, führt die
Jugendlichen zwischendurch in Gruppen durch die Räume des
Archivs im Erdgeschoss und das Magazin im Keller. Er zeigt mehr
als 100 Jahre alte Anträge zum Bau der Pankratiusschule. Diese
Grundschule haben einige der Schülerinnen und Schüler selbst
besucht. Eindruck hinterlassen bei der Klasse aber vor allem
alte Fotografien, die er herausgesucht hat. Die einen zeigen
Unternehmerfamilien im Sonntagsstaat, gestärkten Kleidern und
schwarzen Anzügen. Die anderen Arbeiterfamilien in Holzschuhen.
"Heute kann man sich nicht mehr so richtig vorstellen, wie die
Menschen damals gelebt haben", erklärt die 14-jährige Michelle.
Lehrerin Gabi Mönning ist überzeugt, dass die Ergebnisse der
Forschungen im Rathaus den Schülerinnen und Schülern in
Erinnerung bleiben. "Dazu trägt der Heimatbezug sicherlich bei."
Weitere Informationen rund um das Thema "Kulturelles Lernen"
gibt es im Internet unter www.bildungskreis-borken.de. Zum
Thema: Unterrichtseinheiten nutzen Die sechsstündige Einheit
zum Thema "Die Industrialisierung im Westmünsterland" lässt
sich in den Geschichtsunterricht der Klassenstufen sieben bis
neun einbinden. Sie ist seit Mai dieses Jahres in der
Regionalen Archivwerkstatt entwickelt worden.
In dieser Gruppe engagieren sich Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter kommunaler Archive im Kreis Borken und des
Kreisarchivs Coesfeld. Von schulischer Seite arbeiten die
Fachlehrer Uwe Holtei vom St. Georg-Gymnasium Bocholt und
Hendrik Schulze Ameling vom Gymnasium Georgianum in Vreden mit.
Als Vertreterin des Zentrums für schulpraktische
Lehrerausbildung Bocholt für den Fachbereich Geschichte ist
Susanne Ontrup eingebunden. Zudem unterstützen der ehemalige
Schuldezernent des Katholischen Schulverbandes Hamburg, Dr.
Hermann Vortmann, und Werner Brand vom Kompetenzteam Kreis
Borken die Entwicklung der Angebote. Die
Literaturwissenschaftlerin Eva Tzschoppe, die an der
Lernwerkstatt Bocholt und der Hohe-Giethorst Hauptschule tätig
ist, hat die konkrete Konzeptentwicklung und Ausarbeitung
übernommen.
Jedes beteiligte Archiv stellt für den Besuch der Schülerinnen
und Schüler aussagekräftige Quellen aus dem eigenen Bestand
zusammen. Weiterführende Schulen können das Modul nun in sieben
Archiven erproben. Ansprechpartner sind:
- Stadtarchiv Bocholt, Dr. Axel Metz
- Stadtarchiv Rhede, Berthold Kamps
- Stadtarchiv Stadtlohn/Gemeindearchiv Südlohn, Ulrich Söbbing
- Stadtarchiv Gescher, Andreas Froning
- Stadtarchiv Vreden, Hubert Krandick
- Kreisarchiv Coesfeld, Ursula König-Heuer
- Kreisarchiv Borken, Renate Volks-Kuhlmann
Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte