[WestG] [AKT] Dezember 1960: Die letzte Hochwasserkatastrophe in Bocholt

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Dez 1 10:59:33 CET 2011


Von: "Stadt Bocholt" <info at presse-service.de>
Datum: 30.11.2011, 15:51


AKTUELL

Dezember 1960: Die letzte Hochwasserkatastrophe in Bocholt
Stadtarchiv Bocholt präsentiert Foto des Monats Dezember 2011

Im Dezember 1960 überkam die Stadt Bocholt ein Hochwasser, wie 
man es zuletzt 1946 erlebt hatte. Das Foto zeigt die 
überschwemmte Kaiser-Wilhelm-Straße am 5. Dezember 1960 gegen 
11.30 Uhr in Höhe des einstigen Amtshauses des Amtes 
Liedern-Werth.

Überhaupt war die zweite Hälfte des Jahres 1960 völlig 
verregnet. Im Gegensatz zum Dürrejahr 1959 gingen schon im 
November im Ganzen 113,3 Millimeter Niederschlag über dem 
Stadtgebiet nieder. Die eigentliche Katastrophe begann 
schließlich am Samstag, dem 3. Dezember 1960, als ein heftiger 
Sturm mit Orkanstärke erreichenden Spitzenböen über das Land 
fegte. Dieses Unwetter hatte Dauerregen im Gefolge, der 34 
Stunden ununterbrochen anhielt. 59,6 Liter pro Quadratmeter maß 
die Bocholter Wetterwarte bis zum Sonntagabend um 20 Uhr.

Das durch die vorausgegangenen Regenwochen schon belastete 
Flussbett der Aa konnte aber die anfallenden Wassermassen vor 
allem in ihrem unregulierten Teil zwischen Königsmühle und 
Werther Straße nicht schadlos abführen. Es kam daher zu 
erheblichen Überschwemmungen der Bocholter Innenstadt. Rund ein 
Fünftel des gesamten Stadtgebietes war vom Hochwasser 
betroffen. So stieg der Pegel in der Nähe der Brücke zur 
Meckenemstraße von 60 cm auf 2,72 Meter. Am 4. Dezember trat 
die Aa gegen 22 Uhr zwischen der Bismarck- und Neustraßenbrücke 
über die Ufer und überflutete den Südwall und die Kreuzstraße. 
Um Mitternacht erreichte das Wasser vom Pleystrang her den 
Königsmühlenweg und ergoss sich über die Münster-, Blücher- bis 
zur Viktoriastraße. Das Fildeken und der Stadtteil Siekenhof 
wurden am Morgen des 5. Dezember überschwemmt. Gegen elf Uhr 
dieses Tages war der Höhepunkt schließlich erreicht, und das 
Wasser sank dann stündlich um fünf Zentimeter.

Das Foto zeigt die überschwemmte Kaiser-Wilhelm-Straße am 5. 
Dezember 1960 gegen 11.30 Uhr in Höhe des einstigen Amtshauses 
des Amtes Liedern-Werth: Kolonnenartig fahren die Autos durch 
das seichte Wasser stadtauswärts. Wer als Radfahrer den 
Straßenverlauf einigermaßen kannte, stieg nicht ab, sondern 
nahm vorsichtig seinen Weg. Viele schoben ihr Rad vorbei an 
Fußgängern und Schaulustigen, die in Gruppen rechts am Rande 
des Bürgersteiges stehen. Der Regen hatte inzwischen aufgehört, 
und die Sonne fiel aus allen Wolken.

Die Hilfsverbände waren noch tagelang im Einsatz. Allein die 
Bocholter Feuerwehr leistete z. B. rund 590 Stunden Pumparbeit. 
Trotzdem verursachte das Hochwasser vor allem in den 
Industriebetrieben an der Aa Sachschäden in Millionenhöhe. In 
jenen Tagen stellte man sich auch die Frage, ob eine solche 
Katastrophe nicht durch die noch fehlende Aaregulierung im 
Innenstadtbereich hätte vermieden werden können. Wer 
historische Fotos über Bocholt zur Verfügung stellen möchte, 
kann sich an das Stadtarchiv Bocholt unter Tel.: 02871/2411012 
oder per Mail: stadtarchiv at mail.bocholt.de wenden.

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