[WestG] [AKT] Muenster und Rjasan stellen gemeinsam Pflegedienst für NS-Opfer auf die Beine

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Aug 3 11:12:16 CEST 2011


Von: "Stadt Münster" <info at presse-service.de>
Datum: 03.08.2011, 10:19


AKTUELL

Münster und Rjasan stellen gemeinsam Pflegedienst für NS-Opfer 
auf die Beine
Späte Hilfe für 50 Menschen, die als Kinder von den Deutschen 
verschleppt wurden

Münster und Rjasan haben gemeinsam ein neues soziales 
Partnerschaftsprojekt auf die Beine gestellt. Es bringt 50 
Opfern des Nationalsozialismus in der russischen Partnerstadt 
dringend benötigte Unterstützung bei der Pflege und Betreuung. 
Mit im Boot sind der Soziale Fonds in Rjasan, der Förderverein 
Münster - Rjasan und viele engagierte Bürgerinnen und Bürger in 
beiden Städten. Dank der deutsch-russischen Zusammenarbeit ist 
es gelungen, das Projekt aus einem Zuschuss der Stiftung 
"Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" zu finanzieren, die mit 
Sondermitteln der Deutschen Bahn arbeitet.

Die 50 betagten NS-Opfer, zumeist Frauen, leben in Rjasan in 
Armut und Einsamkeit. Es sind Kinder des Krieges. Zum großen 
Teil wurden sie zusammen mit ihren Eltern zur Zwangsarbeit nach 
Deutschland verschleppt. Man hat Frauen wie Marija Sokolowa und 
Tatjana Faduwa die Kindheit geraubt. Sie mussten Hunger und 
Angst durchstehen, schufteten damals härter als so manch 
Erwachsener heute. Unter den körperlichen und seelischen Folgen 
leiden sie bis heute. Nun im Alter erhalten sie keine 
ausreichende Rente, keine Pflege und keine Zuwendung.

Aus dem Zuschuss der Stiftung kann der Soziale Fonds unter 
Leitung der langjährig aktiven Olga Ossetrova zwölf 
Sozialarbeiter drei Jahre lang beschäftigen. Auch beim Kauf von 
Medikamenten und Pflegehilfsmitteln kann der Fonds einspringen. 
Die Sozialarbeiter leisten Pflegehilfe, unterstützen im 
Haushalt und sind für ihre Schützlinge häufig die einzigen 
Ansprechpartner, an die sie sich mit ihren Sorgen und 
Alltagsnöten wenden können. "Unter den gegebenen Bedingungen 
wird schon ein schlichter Geburtstagsglückwunsch zum Ereignis, 
mit dem man nachhaltig Freude bereiten kann", berichtet Tatjana 
Egorowa, Pflegedienstleiterin des Sozialen Fonds.

Neben dem neuen Projekt "Gemeinsam helfen - Pflegedienst für 
die NS-Opfer in Rjasan" leistet der Soziale Fonds mit 
ehrenamtlichen und bezahlten Kräften seit Jahren häusliche 
Pflege für 30 ältere, behinderte und kranke Menschen. Dieser 
Dienst wäre ohne die Spenden von Einwohnern der Stadt Münster 
nicht möglich.

Die Stadtverwaltung in Rjasan bemüht sich, das bewährte 
häusliche Pflegeangebot auf Dauer zu sichern. Sie hat sich 
bereits im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Sozialen Fonds in 
Münster über Pflegestrukturen und -systeme informiert. Zuletzt 
berieten im Juni 2011 in Rjasan Vertreter des Sozialen Fonds 
und der öffentlichen Hand zum Thema Pflege. Aber noch ist die 
häusliche Pflege des Sozialen Fonds in ihrer Art der einzige 
nicht staatliche Pflegedienst in der ganzen Stadt.


INFO

Weitere Informationen zum Pflegedienst gibt es bei Olga 
Ossetrowa (ossetrowa at mail.ru) und beim Förderverein 
Münster-Rjasan (kontakt at foerderverein-muenster-rjasan.de

Tel. 02 51/4 92 10 48).


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