[WestG] [AUS] "Visuelle Revolten: Muenster - Mehr als nur ein Nebenschauplatz", Muenster, bis 01.05.2011

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Apr 7 09:22:39 CEST 2011


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 06.04.2011, 09:01


AUSSTELLUNG

Münster und die Studentenbewegung im LWL-Landesmuseum
Bildungsmisere einer Wohlstandsgesellschaft

In der Ausstellungsserie "Visuelle Revolten" zeigt das 
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster 
Plakate, Flugblätter und Zeitschriften-Cover aus pardon und 
Konkret, die sich mit lokalen und globalen Aspekten von "1968" 
beschäftigen. Der erste Teil "Münster - Mehr als nur ein 
Nebenschauplatz" (bis 1. Mai 2011) widmet sich den sogenannten 
"Studenten-Unruhen" und deren kulturellem Umfeld. In einer 
Serie stellt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) 
ausgewählte Exponate vor.

Das Thema "Bildungsmisere" scheint in 40 Jahren nichts an 
Aktualität verloren zu haben. Die Slogans auf den Plakaten der 
Ausstellung "Visuelle Revolten" erinnern an Debatten über 
Brennpunktschulen, überfüllte Hörsäle und Lehrpläne.

Heute kaum mehr vorstellbar: Es gab eine Zeit mit 
Vollbeschäftigung in der Bundesrepublik. Zu den Verlierern der 
westdeutschen "Wohlstandsgesellschaft" zählte das völlig 
überlastete, konventionelle Schulsystem. Während noch 
Bundespräsident Heinrich Lübke die ländlichen, einklassigen 
"Zwergschulen" in Schutz nahm, stellte die neue Linke (wie die 
alte, DDR-treue DKP) die zehnklassige polytechnische 
Gesamtschule in der DDR als lobenswerte Errungenschaft des 
Sozialismus heraus. Über dubiose Lehrinhalte "drüben" (wie die 
zwangsweise vormilitärische Ausbildung aller Schüler) erfuhr 
man im Westen dagegen nur wenig.

Neben der Schul- und Hochschulmisere zog die schlechte 
Ausbildungssituation der Lehrlinge die Aufmerksamkeit 
engagierter Plakatzeichner und Karikaturisten auf sich, denn 
auch die notwendige (aber kostenintensive) Ausbildung von 
Nachwuchskräften von Seiten der Wirtschaft wurde sträflich 
vernachlässigt. So bekommt der traurige, 16-jährige "Looser" 
auf einem Plakat von Klaus Staeck stattdessen wie zum Hohn eine 
an eine Narrenkappe erinnernde Bild-Zeitungs-Mütze verpasst.

Auch heute noch weitbekannt, brachte der Demo-Klassiker "In der 
Rüstung sind sie fix, für die Bildung tun sie nix !" für die 
Ostermärsche den Widerspruch zwischen Militärausgaben und 
Bildung auf den Punkt. Besonders um 1970 bildeten die 
Ostermärsche erste Sammelpunkte, auf denen sich traditionelle 
Gewerkschafter und alternative Studenten-Gruppen begegneten.


INFO

LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte
Domplatz 10
48143 Münster
Tel.: +49 251 5907-01
Fax: +49 251 5907-210
E-Mail: landesmuseum(at)lwl.org
URL: http://www.lwl-landesmuseum-muenster.de


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