[WestG] [AKT] Jungsteinzeitliche Siedlung an der Soester Straße in Werl gefunden
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Apr 1 10:42:55 CEST 2011
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 30.03.2011, 15:23
AKTUELL
Jungsteinzeitliche Siedlung an der Soester Straße in Werl
gefunden
Die Gesellschaft für Archäologische Baugrundsanierung mbH gräbt
in Werl zur Zeit unter Fachaufsicht der LWL-Archäologie für
Westfalen Siedlungsspuren aus dem frühesten Abschnitt der
Jungsteinzeit aus. Hier lebten die ältesten Bauern
Südwestfalens, die nach ihrer charakteristischen Art der
Gefäßverzierung "Bandkeramiker" genannt werden. An diesem
Dienstag (29.3.) konnten sich die Forscher mithilfe eines
Hubwagens erstmals einen Blick von oben über das
Grabungsgelände verschaffen - eine große Hilfe, um die
Gesamtanlage besser bewerten zu können.
Die bisherigen Grabungsergebnisse sind etwas ganz Besonderes,
denn vergleichbare Befunde gab es zuletzt in Südwestfalen in
den 1970er Jahren. Die Möglichkeit, nach fast 40 Jahren nun
wieder einen Siedlungsplatz aus der Zeit um 5200 v. Chr. zu
untersuchen, ist für die Archäologen daher von großer Bedeutung
- vor allem da nun erstmals die Möglichkeit gegeben ist, eine
bandkeramische Siedlung großflächig zu erforschen.
Die Fundstelle kam überraschend im Vorfeld eines Bauprojektes
der RK Autowelt GmbH an der Soester Straße zutage. Mit einer zu
untersuchenden Fläche von ca. 10.000 Quadratmetern wird bei der
Ausgrabung erstmals ein größerer Ausschnitt einer
bandkeramischen Siedlung in Südwestfalen flächendeckend
untersucht. Mittlerweile sind ca. 1500 Quadratmeter bearbeitet.
Dabei entdeckten Grabungsleiterin Katja Oehmen und ihr Team
bereits die Reste von zwei der für diese Epoche typischen
großen Hausgrundrisse. Diese rechteckigen Langhäuser dienten
vermutlich gleichzeitig als Wohnhäuser und Vorratsspeicher.
Aufgedeckt wurden außerdem große Lehmentnahmegruben und
Abfallgruben. Darüber hinaus fanden sich breite
Grabenabschnitte, die eventuell Reste einer Befestigung der
Siedlung sein könnten.
An Funden konnten bisher bearbeitete Feuersteine und vor allem
Keramik aus den Gruben geborgen werden. Eine genauere Datierung
der Siedlung ist über die auf der Keramik verwendeten
Verzierungsstile möglich: In diesem Fall sprechen die typischen
Muster für eine Datierung in die jüngere Bandkeramik (um 5200
v. Chr.). Ein besonders schöner Fund ist ein großer
Hämatitbrocken mit zahlreichen Schleifspuren. "Dieser
Roteisenstein wurde abgerieben und das dabei entstehende rote
Pulver diente als Färbemittel, z.B. zur Körperbemalung",
berichtet Dr. Eva Cichy von der LWL-Archäologie für Westfalen.
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