[WestG] [AUS] Fotoausstellung: Der Prinzipalmarkt zwischen Kaiserreich und Wiederaufbau, Muenster, 04.09.2010-08.05.2011

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Sep 7 10:11:26 CEST 2010


Von: "Stadt Münster" <info at presse-service.de>
Datum: 03.09.2010, 11:19


AUSSTELLUNG

Der Prinzipalmarkt zwischen Kaiserreich und Wiederaufbau

Fotoausstellung im Stadtmuseum zeigt Münsters prominenteste 
Straße zwischen 1857 und 1958

Einen historischen Bilderbogen zwischen Kaiserreich und 
Wiederaufbau schlägt die aktuelle Sonderausstellung des 
Stadtmuseums. Ab dem 4. September erinnern über 80 Fotos der 
Sonderschau "Der Prinzipalmarkt in Münster - Fotos 1857 bis 
1958" an alltägliche Situationen und historische, politische 
Ereignisse an jenem Ort, den Münsteraner ihre "Gute Stube" 
nennen. Die Aufnahmen lenken den Blick gezielt auf das Leben im 
Zentrum der Westfalenmetropole.

Für Touristen ist er ein "Muss", für Münsteraner eines der 
beliebtesten Symbole ihrer Stadt. Auch Oberbürgermeister Markus 
Lewe ist bekennender Prinzipalmarkt-Fan. "Er ist ein 
Schmuckstück - städtebaulich wie architektonisch und bietet 
dazu eine unvergleichliche Atmosphäre", so das Stadtoberhaupt 
beim Besuch in der Ausstellung. Der Prinzipalmarkt stehe 
überdies für hohes Bürgerengagement, erinnerte der 
Oberbürgermeister an den Wiederaufbau nach dem Krieg. Umso 
spannender sei jetzt diese anschauliche Zeitreise. Die 
Aufnahmen nehmen die Besucher mit zurück ins Kaiserreich, in 
die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus und die Jahre 
nach 1945.

"Die Fotos zeigen, wie sich der Prinzipalmarkt in den gut 
hundert Jahren seit der ersten Aufnahme des münsterschen 
Fotopioniers Friedrich Hundt aus dem Jahre 1857 bis zur 
Fertigstellung des wiederaufgebauten Rathauses 1958 verändert 
hat", so Museumsdirektorin Dr. Barbara Rommé. "Sie 
verdeutlichen den engen Zusammenhang von lokaler, deutscher und 
internationaler Geschichte. Genauso halten sie Ereignisse fest, 
die die Bedeutung des Prinzipalmarkts als wichtigste 
öffentliche Veranstaltungsstätte der Stadt belegen".

Prinzipalmarkt-Ansicht für den Kronprinzen

Die früheste bekannte Fotografie von Hundt wurde von der Stadt 
Münster in Auftrag gegeben: Ein Hochzeitsgeschenk für den 
preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm, das die 
bedeutendsten Gebäude und schönsten Ansichten Münsters bildlich 
festhalten sollte. Erstaunlich, dass nur wenige Menschen als 
verwischte Schatten durch das Bild huschen. Vor dem 
Stadtweinhaus erkennt man das Wachhäuschen der 
Garnisons-Hauptwache und Gewehrständer. Die Lambertikirche 
trägt noch den alten Turm und das mächtige Satteldach.

Am Prinzipalmarkt waren traditionell die führenden Kaufleute 
der Stadt ansässig. Zugleich war er immer auch Versammlungsort, 
Gerichts- und Richtplatz und bis heute Kulisse für Feste, 
Paraden und den Empfang hoher Gäste. Ein Beispiel hierfür sind 
die Kaisertage anno 1907. Die Feierlichkeiten anlässlich des 
Besuchs von Kaiser Wilhelm II. vom 29. August bis zum 1. 
September übertrafen alles, was man bislang in Münster erlebt 
hatte. Mit enormem Aufwand und hohen Kosten wurde die Stadt 
geschmückt, um den Monarchen gebührend zu empfangen. Der hohe 
Gast besuchte den Friedenssaal und trug sich in das Goldene 
Buch der Stadt ein.

Boykott jüdischer Geschäfte

Die politischen Folgen der Ernennung von Adolf Hitler zum 
Reichskanzler waren auch auf dem Prinzipalmarkt zu spüren. Am 
29. März 1933 organisierten die Nationalsozialisten in Münster 
einen ersten Boykott von Geschäften jüdischer Inhaber. Diese im 
Bild festgehaltene Aktion traf auch das führende Textil- und 
Stoffhaus Hertz & Co. am Prinzipalmarkt.

"Man muss sich vergegenwärtigen", so Dr. Axel Schollmeier, 
stellvertretender Museumsleiter und Kurator der Ausstellung, 
"dass mit Auftragsfotos ein bestimmter Blick vermittelt werden 
soll. Dies gilt besonders für Aufnahmen aus der Zeit des 
Nationalsozialismus. Sie gaben den offiziell gewünschten 
Eindruck wieder."

Goldener Sonntag im Weihnachtsgeschäft

Das jüngste Foto der Ausstellung wurde am 20. Dezember 1958 
geschossen. Wie in allen deutschen Städten in den 1950er Jahren 
hatten die Geschäfte der Innenstadt an drei Sonntagen vor dem 
Weihnachtsfest geöffnet. Die Momentaufnahme des im Volksmund 
"Goldener Sonntag" genannten Extra-Einkaufstages zeigt, wie 
gerne diese Möglichkeit in Anspruch genommen wurde. Der 
Prinzipalmarkt wurde eigens für den Verkehr gesperrt.

Die Fotos der Ausstellung stammen vorwiegend aus dem 
Stadtarchiv Münster und dem Stadtmuseum Münster. Einige 
Aufnahmen machten der ehemalige Leiter des Stadtarchivs, Eduard 
Schulte (1886 - 1977), und sein Kollege Franz Wiemers (1887 - 
1964). Andere kommen aus den Sammlungen der Fotografen Clemens 
Hülsbusch (1894 - 1964), Viktor Jack (1897 - 1964) und Willi 
Hänscheid (1919 - 1999). Während Hülsbusch und Hänscheid als 
Pressefotografen in Münster unterwegs waren, war Viktor Jack, 
Inhaber der Martini-Drogerie auf der Hörsterstraße, 
leidenschaftlicher Hobby-Fotograf. Sieben Bilder aus 
Privatsammlungen ergänzen den Überblick.


INFO

Zur Ausstellung "Der Prinzipalmarkt in Münster - Fotos 1857 bis 
1958" ist ein Buch mit ausführlichen Bild-Erläuterungen 
erschienen (12,80 Euro). Die Ausstellung ist vom 4. September 
2010 bis 8. Mai 2011 zu sehen. Das Stadtmuseum an der 
Salzstraße 28 hat dienstags bis freitags 10 bis 18 Uhr, 
samstags/sonntags 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Stadtmuseum Münster
Salzstraße 28
D-48143 Münster
Tel.: 02 51/4 92-45 03
Fax: 02 51/4 92-77 26
E-Mail: museum at stadt-muenster.de


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